Mittleres Kinzigtal - Die Unternehmen im Kinzigtal müssen sich bei der Rekrutierung des Nachwuchses auf härtere Zeiten einstellen. Während im Kreisgebiet die Zahl der Stellen und Anwärter in etwa sich die Waage halten, gibt es im Kinzigtal weniger Bewerber als Angebote.

Die Zahlen vom Herbst 2012 sprechen eine klare Sprache: Auf 472 gemeldete Ausbildungsstellen im Bereich der Agentur in Hausach kamen noch 356 suchende Bewerber. Im gesamten Ortenaukreis sah die Lage etwas anders aus: Hier standen 3381 Bewerber und 3369 offene Ausbildungsstellen gegenüber, wie Werner Noltenhans, Teamleiter der U 25-Betreuung bei der Arbeitsagentur in Offenburg berichtet.

In Zukunft wird sich die Lage durch den demografischen Wandel noch verschärfen: Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamt wird die Zahl der Schulabgänger bis 2020 allein im Ortenaukreis um etwa 14 Prozent sinken – von 8517 heute auf 7334 im Jahr 2020 – das sind 1183 weniger als heute. "Diese Zahlen lügen nicht", sagt Noltenhans. Das wird auch die Unternehmen im Kinzigtal zum Umdenken zwingen, denn nicht nur die Schulen müssen im Wettbewerb um die Schüler attraktiv sein, sondern auch die Ausbildungsbetriebe.

"Je attraktiver das Berufsbild, desto größer ist das Interesse der Jugendlichen", macht Noltenhans deutlich. "Dabei spielen natürlich auch Faktoren wie die Bezahlung oder regelmäßige Arbeitszeiten eine Rolle", sagt der Experte. Strukturell haben die eher größeren Firmen in der Metallbearbeitung dabei einen leichten Vorteil gegenüber kleineren Betrieben im Handwerk. Allerdings können diese natürlich mit ihren Stärken punkten – eine kleinere Firma hat die Möglichkeit, eine persönlichere Atmosphäre zu bieten und auf die Auszubildenden einzugehen und eine fundierte handwerkliche Ausbildung hat bei abschwächender Konjunktur auch in der Vergangenheit durchaus den Vorteil gehabt, ein gewisser Jobgarant zu sein.

Werner Noltenhans verweist auf die Konsequenzen: "Der Wettbewerb um die Jugendlichen beginnt schon recht früh. Viele Unternehmen versuchen, die Schüler bereits vor ihrem Abschluss durch Angebote wie Schnuppertage und Praktika an sich zu binden", so der Experte der Arbeitsagentur.

Umgekehrt erhöht natürlich der Mangel an Jugendlichen auch die Chancen für ältere Arbeitssuchende, vielleicht noch eine zweite Chance zu bekommen. "Wir hatten jüngst einen Fall, in dem ein älterer Arbeitssuchender bei einer Firma den Chef überzeugen konnte", erzählt zum Beispiel Josefine Betting, die die Agenturen in Hausach, Achern und Oberkirch leitet. Wichtig ist dabei, dass die älteren Arbeitnehmer die Gelegenheit bekommen, zu zeigen, was sie können. Natürlich können sie die Auszubildenden nicht ersetzen, aber vielleicht werden die Unternehmen mit dem demografischen Wandel auch lernen müssen, flexibler zu denken, was die Fähigkeiten zur Weiterbildung der älteren Arbeitnehmer ab 50 Jahren konkret angeht.

Ein weiterer Faktor ist die Qualifizierung der Jugendlichen, denen in Sachen Ausbildungsreife noch das eine oder andere fehlt. "Angesichts der Situation müssen wir allen Jugendlichen eine Chance geben", sagt Werner Noltenhans. "Auch denjenigen, die vielleicht auf den ersten Blick noch nicht soweit sind", erläutert er. Wenn die Unternehmen in Zukunft weiterhin genügend Nachwuchs haben wollen, werden sie auch bei den Rahmenbedingungen etwas tun müssen, sich stärker um Jugendliche kümmern, die noch einige Defizite haben. Dabei bietet die Arbeitsagentur gemeinsam mit Trägern ausbildungsbegleitende Hilfen an, die auf den jeweiligen Einzelfall zugeschnitten werden können: "Wir bieten Begleitung durch die drei Jahre", erläutert Noltenhans. Hier liegt aus seiner Sicht noch eine Menge brachliegendes Potenzial, das angesichts des schwieriger werdenden Bewerbermarkts genutzt werden müsste.