Hausach - Mit der Schlüsselübergabe haben gestern im Hausacher Rathaus die Narren die Macht übernommen, unter ihnen auch die Autorin dieser Zeilen. Doch mit einem Trumpf punkteten die städtischen Obrigkeiten zum Auftakt der Hochfasent: Mit der Chronik der Stadt Hausach. "Nur für geladene Gäste", heißt es noch an der Rathaustür. Doch bald werden die Narren hier das Sagen haben. Für den Rathaussturm mit Schlüsselübergabe und anschließendem Ausrufen der Fasent treffen wir Hästräger uns im "Ratskeller".

Mit viel "Narri-Narro" freuen sich dort schon "Blaue" wie Spättle, Hansele und die anderen Gruppen auf die Hochfasent, die traditionell mit dem Schmutzigen Donnerstag beginnt. Mit einem breiten Grinsen bin auch von der Redaktion zum Rathaussturm gefahren. Wie immer zu dieser Jahreszeit packt mich die Narretei. Und als Journalistin im Hansele-Häs, das ich diese Fasent tragen darf, ist es mir eine doppelte Freude, bei diesem Machtwechsel im Rathaus dabei zu sein und zu berichten.

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"Ich grüße euch ihr Narren all", legte Bürgermeister Manfred Wöhrle los, reimt weiter seine vielfältigen Grußworte, nur unterbrochen von einem "Prosit" oder "zum Wohl". Schließlich war auch lokale Prominenz wie Ehrenbürger Kurt Klein oder Stadtschreiberin Odile Kennel mit von der Entmachtungs-Party. Doch was für ein "Burgis" wäre Wöhrle, wenn er nicht auch ein paar Ratschläge für die bald regierenden Narren parat gehabt hätte.

"Das Streuen nicht vergessen, denn ›Blaue‹ haut’s ja bekanntlich als Erste hin", empfahl er. Das brachte nicht nur die "Blauen", sondern auch uns andersfarbige Hästräger zum Lachen. Seinen weisesten Rat sprach Wöhrle den Narren wohl aus der Seele: "Geht raus ihr Hausacher, zur Fasent, als seller wen ihr sind, viel Spaß."

Viel Applaus und ein dreifaches "Narri-Narro" schenkten ihm die Hästräger dafür, dann kündigte Narrenvater Bernd Rößler seine Begrüßungsrede verheißungsvoll an: "Nun isch se do, die scheene Fasentszit." Nach sanftem Schunkeln zu "Mucho Amore" bewiesen die Rathausmitarbeiter mit ihrem Sketch "Burgerleben am Schotzige Donnerstag", dass das Fasentsfieber auch sie angesteckt hat.

"Silencium", mahnte als Hofnarr Hartmut Märtin eingangs und präsentierte: In der Rolle der Burgfrau Simone Schmider und in der ihres Bräutigams "Hermanus Josefum", Baumamtsleiter Keller. Weil besagter Dame ständig "langweilig" war, trumpfte zunächst als Minnesänger mit jaulender Leier Rechnungsamtsleiter Werner Gisler auf. Und zauberte mit Schmeicheleien aus dem Kulissenturm: ein schönes Burgfräulein, gespielt von Bürgerbüroleiterin Silja Vetter. Immer noch gelangweilt, sollte ein "Ritterkampf" für Kurzweil bei der Burgfrau sorgen. Mangels eigener Recken, müssen die Rathausmitarbeiter allerdings die "Blauen" bemühen.

"Mäx" Michael Armbruster durfte gegen Vize-Narrenvater José F. A. Oliver antreten. Und verlor. Doch des Vize-Narrenvaters Sieg, nämlich das "Burgfräulein", entpuppte sich als ein anderes. Schauerlich schön, mit drallen Atombusen, knallroten Lippen und schwarzem, langen Haar wallte Bürgerarbeiter Jürgen Clever heran. Dem "Blauen"-Sieger war der Schreck ins Gesicht geschrieben.

Doch der größte Coup gelang den Rathäuslern mit der von Fanfaren angekündigten "Chronik der Stadt Hausach", die als Chronistin Hauptamtsleiterin Viktoria Malek überbrachte. Mit leeren Seiten, ein närrischer Geniestreich.

"Wie jedes Jahr fällt es mir nicht leicht", musste schließlich Bürgermeister Wöhrle "Tschüs" sagen und den Platz mit Narrenvater Rößler tauschen. Der verlas zur Ausrufung die Urkunde von anno 1971, bläute allen noch mehrfach das Fasentsmotto "E jeder het e Sparren – d’Welt isch e Käfig voll Narre" ein. Dreifache "Narri-Narros" gab es auch nach den weiteren Ansprachen wie von Pfarrer Gerhard Koppelstätter, der im Spättlesrock gekommen war. Und der zum kürzlich gefeierten 65. Geburtstag ein Narrenständle gesungen bekam.

"Was gschnurrt wird isch wohr", mahnte noch Vize-Narrenvater Oliver die "Gassegoscher", denn der Fahrradklau, den sie Beate Strach angedichtet hatten, war wohl rechtens gewesen.

Mit den Regeln des Polizeiberichts von Bolizeipräfekt "Dono" Antonio Clavijo-Keller durften wir raus, Maske auf und mit den Hansele und nun geübtem Hopser zu Narrenbrunnen und Konstantinplatz. Die Fasent ausrufen. Es ist soweit, endlich. Euch Narren allen, eine Glückselige, "Narri-Narro".