Von Helena Dieterle

Hausach. Giuseppe Boscia hat am Donnerstag mit einer Lesung aus seinem Buch "Erzähl mir von dir, Papa" begeistert. Die Geschichten aus seiner Kindheit zwischen Sizilien und dem Schwarzwald waren charmant, amüsant und berührend.

Der weihnachtlich geschmückte Hausacher Ratssaal bot einen stimmungsvollen Rahmen für die Lesung. Pippo unterhielt sich von Anfang an ganz entspannt mit dem Publikum.

Sein Sohn sei der Anlass gewesen, seine Kindheitserinnerungen aufzuschreiben. Zuerst seien es "Einschlafgeschichten" gewesen, die er seinem Jungen vortrug. Da dieser so begeistert davon gewesen sei, und seine Frau ihn ermutigte, habe er beschlossen, sie zu Papier zu bringen.

In den Erzählungen spricht der Sizilianer in der dritten Person von der fiktiven Figur "Peppino", in die er sich selbst hineinprojiziert.

Als er schließlich seine Brille aufsetzte und zu lesen begann, lauschte jeder im Saal gebannt der heiseren Stimme des Italieners. Die holprige, charmant klingende Sprache ließ seine Worte lebendig werden. Boscia malte mit Worten ein lebhaftes Bild des Sizilien der 50er-Jahre.

Er erzählte, dass Pippo schon als Kind hart in der Schmiede seines Vaters arbeiten musste. In rührender Weise und mit stellenweise durchklingendem schwarzen Humor gab der 63-jährige Einblicke in das sizilianische Dorfleben. Frauen sitzen dort an der Straße, nähen und schwatzen. Eine hat einen Säugling an der linken Brust. Das andere Kind kommt vom Spielen, greift nach der rechten und trinkt sich satt.

Die humorvolle Erzählart von Boscia brachte das Publikum zum Schmunzeln und Lachen. Im Kontrast dazu steht das pulsierende Stadtleben, das Pippo in seinem Kapitel "Ein Jahr in Palermo" eindrucksvoll beschrieb. "Hier wurde Polka getanzt, bis man von den Tischen fiel."

Seine deutlichste Erinnerung an das Leben dort sei das für seinen Lieblingslehrer auswendig gelernte Gedicht über die heilige Lucia. Er trug es in weich klingendem Italienisch vor, genau wie ein munteres Lied aus seiner Kindheit. Dann begann er sogar zu tanzen. Mit einer Mundorgel spielte er rhythmische und exotisch klingende Melodien. Das Publikum klatschte zu dieser Einlage begeistert mit.

Dann sprang Boscia einige Kapitel weiter: Mit elf Jahren musste er sich von seiner Heimat verabschieden. Voller Erwartungen wagte er mit seiner Familie einen spannenden Neuanfang in Hausach. In der "Suppegass" herzlich aufgenommen, schlug die Familie hier als erste Gastarbeiterfamilie neue Wurzeln. "Die deutsche Sprache klang für mich wie Gebell", sagte Boscia. "Doch Spielen und Singen waren unglaublich leichte Mittel um Freundschaften zu schließen. Und Besuche der Verwandtschaft brachten ein Stück der verlorenen Heimat nach Deutschland", erzählte er weiter. Mit der Zeit sei sein Leben am Fuße des Schlossbergs bunter denn je zuvor geworden.

Italienische Traditionen würden bis heute bewahrt. So zum Beispiel der Espresso seiner Mutter. Diesen und andere Köstlichkeiten konnten die Besucher am Ende genießen.