Hausach Mit Liebe zum "Unteren Hof"
Christina Spitzmüller, 17.08.2012 09:00 UhrHausach - Kühe melken, Weide mähen, Ernte einbringen – ein Landwirt hat im Sommer alle Hände voll zu tun. So auch Bernhard Kohmann aus Hausach. Der Vollerwerbsbauer vom "Unteren Hof" in der Frohnau in Hausach gibt Einblick in seinen Berufsalltag.
Morgens um 6.30 Uhr beginnt ein normaler Arbeitstag des Landwirtschaftsmeisters. Anderthalb Stunden lang geht’s in den Stall, die 60 Milchkühe wollen gemolken und gefüttert werden. Danach frühstückt Bernhard Kohmann erstmal selbst. Und ab 8.30 Uhr sieht dann jeder Tag anders aus. Mal muss die Ernte eingebracht werden, mal stehen kleinere oder größere Reparaturen rund ums Haus an, mal wird die Weide für die Kühe gerichtet: "Die sind zurzeit nachts auf der Weide, tagsüber ist es ihnen zu warm", berichtet Kohmann. Außerdem gibt es noch zwei Herden Jungvieh auf der Wiese, nach denen er ab und an sehen muss. Oder eine Bekannte kommt vorbei und hat eine Bitte: "Könnten Sie mir Ihren Anhänger ausleihen, ich hab Steine, die ich loswerden will."
"Man muss sich selbst zügeln, um sich nicht zu überlasten"
Da fährt Kohmann mit seinem Traktor auch mal nach Kirnbach und stellt den großen Anhänger zur Verfügung. Nachdem er abends nochmals im Stall war, endet um 19 Uhr Kohmanns gewöhnlicher Arbeitstag. An Mähtagen im Sommer kann es aber auch vorkommen, dass er bis es dunkel ist, Schwaden macht; das Gras also mit dem Kreiselheuer, einer Heuwendemaschine, reihenförmig zusammenrecht.
Die Regel ist solch ein langer Arbeitstag aber nicht. "Man hört immer wieder von Burnout und zu viel Stress. Gerade als Selbständiger muss man sich selbst zügeln, um sich nicht zu überlasten", weiß Kohmann. Allerdings liebt er seine Arbeit, "dann ist die 50- oder 60-Stunden-Woche, die ich oft habe, kein Problem."
Dank der Mithilfe von Freunden und Eltern ist auch ein Urlaub drin
Bei Kohmann bleibt sogar noch Zeit für viel Ehrenamt: Er sitzt für die SPD im Stadtrat und ist Vorsitzender der Trachten- und Volkstanzgruppe sowie des BLHV Hausach. "Das macht mir Spaß, da bekomme ich etwas Abstand zum Betrieb und einen guten Ausgleich zu meinem Alltag als Landwirt", begründet er sein Engagement. Hobbys braucht Kohmann da keine, nur ab und zu geht er mit Freunden mountainbiken.
Dieser Sommer ist ein guter Sommer für den sympathischen 45-Jährigen: "In den kurzen Schönwetterphasen wird es ab und an stressig, aber sonst ist es gut, dass es auch immer wieder regnet und nicht zu trocken wird." Die Landwirte hier in der Region hätten Glück gehabt; kein größerer Sturm, keine Hagelschauer, alles Rahmen des Gewöhnlichen.
Seinen Hof betreibt Kohmann in Kooperation mit einem benachbarten Landwirt, außerdem hat er zwei, drei Freunde, die am Wochenende und in ihren Urlauben mit anpacken und Kohmann unterstützen. Gegen ein entsprechenden Entgelt natürlich, ein Kleingewerbe ist angemeldet, Rechnungen werden geschrieben. Außerdem helfen Kohmanns Eltern ein wenig mit, backen beispielsweise Brot, das seine Frau dann auf dem Markt verkauft. Mit dem landwirtschaftlichen Betrieb hat sie sonst wenig zu tun, sie kümmert sich um Haushalt und die Kinder. Der Unterstützung von Freunden und seiner Eltern ist es auch zu verdanken, dass er im Sommer zehn Tage lang mit seiner Familie in den Urlaub fahren kann, ohne dass der Hofbetrieb zum Stehen kommt.
Was nach seiner Zeit passiert, lässt Kohmann auf sich zukommen
Den will Kohmann auch in Zukunft als Vollerwerb führen. "Natürlich braucht man Betriebszweige, die Einkommen bringen, sonst kann man keine Familie ernähren", erklärt er, aber mit seinen Milchkühen, der Biogasanlage, die er unterhält, dem Wald, den er bewirtschaftet und den Produkten, die seine Frau auf dem Wochenmarkt in Hausach verkauft, kommt Kohmann gut über die Runden.
Wie es in der nächsten Generation weitergehen soll, weiß der Landwirt noch nicht. Von seinen drei Töchtern hat bisher noch keine Ambitionen, einmal den Hof zu übernehmen. "Aber auch dann gibt es eine Lösung, dann muss der Betrieb eben umstrukturiert und verpachtet werden – mal sehen." Darüber will sich Kohmann erst Gedanken machen, wenn es soweit ist. Er hofft, bis zur Rente gesund und munter zu bleiben, und dann kann er sich gut vorstellen, sich so einzubringen, wie es sein Vater gerade tut: "Er wird jetzt 77 und hat seinen täglichen Rhythmus auf dem Hof, ich sehe, dass es ihm gut tut." Verantwortung für den ganzen Hof will Bernhard Kohmann in dem Alter aber nicht mehr übernehmen müssen.


