Von Arwen Möller Hausach. Thomas J. Hauck hat als Kinderbuchautor das Hausacher Stadtschreiber-Stipendium angetreten. Der Schwarzwälder Bote hat ihm einen Schreibtischbesuch im Molerhiisli abgestattet, wo er sich einen ganz besonderen Arbeitsplatz ausgesucht hat.Wie aus der Zeit gefallen wirken die Teppiche und Vorhänge im Molerhiisli, das Kruzifix und die Bollenhüte, die über dem Treppenaufgang prangen. Im ersten Stock des Museums ist der Geruch der Ölfarben, mit denen der Hausacher Maler Eugen Falk-Breitenbach hier gearbeitet hat, noch zu erahnen.

Reihenweise Gemälde, Staffeleien und Bücher stehen in dem Raum, in dem sich der derzeitige Stadtschreiber Thomas J. Hauck den rustikalen Holzschreibtisch zum Arbeiten auserkoren hat.

"Ein passender Arbeitsplatz ist für mich total wichtig", erklärt Hauck. Der 54-Jährige bleibt ganz bewusst nicht zum Schreiben in der Stipendiatenwohnung, sondern darf mit der Erlaubnis der Verantwortlichen und eigenem Museumsschlüssel den Falkschen Atelier-Raum nutzen.

Das passt: Thomas Johannes Hauck, der in Heidelberg aufgewachsen ist, hat nach dem Abitur Bildende Kunst, Grafik und Design in Mannheim studiert. Danach war er ähnlich produktiv wie Falk, hat viel gemalt und verkauft. Haucks Bilder jedoch waren nicht gegenständlich, sondern abstrakt und wild.

Über die Schauspielerei und das Theater kam Hauck zum Schreiben, was er mittlerweile seit rund zehn Jahren intensiv macht. Die Kunst und das Theater, die Regie kann er trotzdem nicht lassen, macht als Part eines Künstlerduos Installationen in Zürich, Wien und an seinem Wohnort Berlin. Kürzlich verfilmte er eines seiner Kinderbücher auf dem Rhein. "Ich bin nicht nur Schauspieler, Autor, Regisseur oder Maler", sagt Hauck, "ich bin Künstler, ich mache Kunst, fertig!"

In Hausach überarbeitet er gerade eine Geschichte mit dem Arbeitstitel "Die 101er Tram", zu der ihn ein anderer Stipendien-Arbeitsplatz und die Menschen dort inspiriert haben: die alt-ehrwürdige Petöfi-Bibliothek in Budapest, ihr Bibliothekar, die Unfälle mit der 101er Tram dort und eine alte Dame. Sie alle haben bereits Eingang in das breite DIN-A-3-Ringbuch gefunden, das auf dem rustikalen Schreibtisch liegt und in das Hauck mit Tintenschreiber seine Korrekturen macht. Parallel entwirft Hauck hier gerade eine neue Heimat- und Berggeschichte.

"Alles beginnt mit einer Idee", erzählt Hauck. In seiner Jacke, die in der Stipendiatenwohnung neben zahllosen Schals den Raumteiler ziert, hat er immer ein Notizbuch plus Tintenschreiber dabei. Ist die Idee für eine seiner Geschichten reif, findet sie Eingang in Haucks Tagesablauf: Nach dem Aufstehen, Joggen, Duschen und einer großen Tasse Espresso geht Hauck um 8 Uhr an den Schreibtisch.

Im Gegensatz zu anderen Autoren macht er die Ausarbeitungen nur handschriftlich: Zuerst notiert er die groben Züge der Geschichte in ein Notizheft. Dann formuliert er auf Schmierpapier aus und fertigt schließlich die Reinschrift in dem feinen, mittelformatigen Moleskine-Buch an. Die kopiert er und schickt sie zum Abtippen.

Ausgedruckt in besagtem DIN-A-3-Ringbuch fügt er letzte Korrekturen an, lässt noch mal nachtippen und schickt das Manuskript dann weiter an den Verlag. Hauck arbeitet so immer an mehreren Texten parallel und zwar morgens und abends ab 19 Uhr: "Dann kann ich am Besten arbeiten." Dazwischen isst er, organisiert und geht nachmittags raus – in Hausach gerne in die Mediathek und in den Schwarzwald, wo ihm auf den ruhigen Wegen Ideen für sein neues Buch kommen.