Hausach - "Wir bekommen G9", zeigte sich Michael Fritz, Schulleiter des Robert-Gerwig-Gymnasiums (RGG), in der Vorwoche erfreut.

Eigentlich hatte Fritz nicht damit gerechnet, dass das Hausacher Gymnasium unter den 22 G9-Modellschule sein wird, die in der zweiten Tranche die Bewilligung des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport bekommen. Denn Gengenbach hatte in der ersten Tranche der bewilligten G9-Anträge den Zuschlag erhalten. Daher war Fritz zu mindestens 90 Prozent pessimistisch gegenüber der Bewilligung des wiederholten RGG-Antrags gewesen.

Nun ist der RGG-Schulleiter gespannt, wie die Anmeldungen für das Schuljahr 2013/2014 ausfallen. Am 20. und 21. März werden die Eltern ihre Kinder am Hausacher Gymnasium für G8 und für G9 anmelden können. Fritz rechnet mit mehr Anmeldungen. In den Klassen 5 und 6 werden zunächst alle Schüler gleich unterrichtet. Ab der Klasse 7 verteilt sich der Unterrichtsstoff auf drei Schuljahre im Fall von G8 und auf vier Schuljahre im Fall von G9. Klasse 9 plus heißt das zusätzliche Schuljahr der G9-Eleven in der Schulsprache. Die 10., 11. und 12. Klasse ist der Unterrichtsstoff wieder für alle der gleiche.

"Ich freue mich vor allem für die Schüler", erklärt Fritz. Denn manche Schüler würden einfach eine längere Schulzeit brauchen und manche auch wegen ihrer Hobbys eine längere wollen. Auch glaubt der 59-Jährige, dass mit der G9-Möglichkeit die Schüler wieder mehr Zeit für Kurse wie in Chinesisch haben werden. Infolge von G8 sei keiner mehr zustande gekommen.

Nach dem Gengenbacher Gymnasium ist das Hausacher die zweite G9-Modellschule, die vom Ministerium im Ortenaukreis bewilligt wurde. Mit den in der ersten Tranche bewilligten Schulen in Stockach und Sulz am Neckar und den aktuell erfolgreichen Anträgen der Gymnasien in Freiburg und Schopfheim gibt es im Regierungsbezirk Freiburg nun insgesamt sechs G9-Modellschulen. Doch im Vergleich zu den anderen Regierungsbezirken im Land, auf die sich die restlichen 38 G9-Modellschulen verteilen, ist der Freiburger Bezirk mit Abstand am geringsten bestückt.

Hausach (red/am). Erwin Fehrenbacher, Rolf Holderer, Konrad Schmid und Manfred Wöhrle haben zu ihrem Abstimmungsverhalten im Hausacher Gemeinderat zur Umbenennung der Wilhelm-Zangen-Straße Stellung bezogen. Darin erheben die vier Stadträte der Freien Wähler Hausach (FW) schwere Vorwürfe gegen die zurückgetretene Führung des Ortsverbands. "Wie funktioniert Demokratie?" lautet die Titelfrage der gemeinsamen Erklärung der vier FW-Stadträte. Darin heißt es zum Vorgehen, dass in der Besprechung vor der Ratssitzung vom Fraktionschef Udo Prange vorgeschlagen worden sei, dass er eine gemeinsame Stellungnahme abgeben werde. Laut der Erklärung argumentierte der Sprecher, dass nach den Recherchen der Schüler und insbesondere der schriftlichen Stellungnahme des Historikers Heinrich Schwendemann kein Ermessensspielraum mehr da sei und geschlossen der Umbenennung zugestimmt werden müsste.

Auch vertrat der FW-Fraktionsvorsitzende laut der Erklärung den Standpunkt, dass eine Diskussion über Pro und Kontra nicht sinnvoll wäre. Begründet wurde dies mit den Irritationen und negativen Erfahrungen, die schon bei der Rücknahme der Ehrenbürgerschaft Hitlers gemacht wurden (Aberkennung oder Distanzierung).

Eine Einigung innerhalb der Fraktion kam laut Erklärung der Räte jedoch nicht zustande, weshalb beschlossen wurde, dass der Fraktionssprecher eine Stellungnahme nur für einen Teil der Fraktion abgeben wird. Die Frage ›Warum stimmen wir eigentlich ab, wenn das Urteil vorher schon festzustehen hat?‹ führte dazu, dass Rolf Holderer sich für eine Enthaltung entschied. "Es kam ›wie von uns vorhergesehen‹, jeder Fraktionssprecher gab eine Stellungnahme ab", heißt es weiter. Außer Stadtrat Prange habe niemand in den Statements zum Ausdruck gebracht, dass die Umbenennung in der Bürgerschaft auch kontrovers diskutiert werde. Er habe nur einige Kontra-Argumente aufgeführt, es aber unterlassen, diese zu werten.

"Kein Ermessen, keine Wertung Pro und Kontra, keine unerwünschte Diskussion", bilanzieren die FW-Räte in ihrer Erklärung. Nur Stadtrat Manfred Wöhrle habe gleich zu Beginn der Statements versucht, doch eine Diskussion in Gang zu setzen und kritisch angeführt, "dass wir Geschichte nicht ändern können", er sich nach vorn und nicht nach hinten orientieren wolle, dass alle damaligen Industriebetriebe belastet waren. Auch diese "Provokation‹" habe aber keine Diskussion zustande gebracht. "Nur staunende Gesichter und vorwurfsvolle Blicke", heißt es und: "So erfolgt also die Aufarbeitung der Nachkriegsgeschichte?"

"Wir selbst identifizieren uns mit den Statements der Fraktionen, den Ausführungen von Heinrich Schwendemann und den Ausarbeitungen der Schüler und wir wissen, dass Wilhelm Zangen seine Stellung/Beziehung aus der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ausgenutzt und persönliche und wirtschaftliche Vorteile herausgeschlagen hat", erklären sie. Es sei ihnen bekannt, welch großes Leid die Nazi-Diktatur gebracht habe.

"Wir waren jedoch mit dem Ablauf in der Gemeinderatssitzung nicht einverstanden. Nur deshalb erfolgten unsere Gegenstimmen", heißt es in der Erklärung weiter. Dass sie nicht selbst den Mut bewiesen hätten und klar und verständlich ihre Gegenstimmen begründet haben, "war ein großer Fehler, den wir bedauern". Weiter führen sie aus: "Wir haben Ursachen für Reaktionen gesetzt, die wir so nicht gewollt und vorausgesehen haben. Wir sehen diesen Fehler ein und möchten uns hierfür entschuldigen."

Nicht entschuldbar sei jedoch ihres Erachtens die Resonanz und Argumentation des Vorstands der Freien Wähler (Anmerkung der Redaktion: gemeint ist der zurückgetretene Vorsitzende Michael Fritz). "Ohne mit uns Rücksprache zu nehmen, stellte er eine Ferndiagnose aus und prangert uns öffentlichkeitswirksam in der Presse als die Geschichtsvergessenen und die Ewiggestrigen an", heißt es.

"Warum nimmt sich der Vereinsvorsitzende heraus, uns in die nationalsozialistische Ecke zu stellen, als wären wir gleichsam Mitkumpanen des nationalsozialistischen Regimes des Todes und des Unrechts?" Auch die Äußerung, dass es den Eindruck erwecke, die "Rechten" seien bei den Freien Wählern zuhause, fanden diese Räte "ungeheuerlich" und "diffamierend".

"Wir bedauern den Rücktritt des Vereinsvorstandes jetzt nicht mehr", heißt es in der Erklärung der vier Räte weiter. "Wir hätten ihn wegen der unsachlichen Vorgehensweise sowieso die ›Rote Karte‹ gegeben und nicht mehr gewählt. Er hat sich aber selbst vom Platz gestellt."