Hausach/Arbois - Unsere Mitarbeiterin Laura Armbruster war am Wochenende mit der Stadtkapelle Hausach in der französischen Partnerstadt Arbois. Dabei hat sie viele emotionale Momente erlebt undmit Franzosen über die Vergangenheit gesprochen.

Nach vielen Vorgesprächen, terminlichen Hindernissen und mehr als vier Stunden Fahrt ist es so weit: Der milde französische Wind weht uns beim Ausstieg aus dem Bus um die Nase. Eine Abordnung der französischen Honoratioren begrüßt uns warmherzig. Unter ihnen ist auch Bernard Amiens, der Bürgermeister von Arbois. Unsere Delegation besteht aus Bürgermeister Manfred Wöhrle, dem ehemaligen Vorsitzenden des Partnerschaftsausschusses, Helmut Datz, seiner Nachfolgerin Angela Menke und der Stadtkapelle.

Die Gastgeber haben sich auf unseren Besuch gut vorbereitet: Als wir in die Kirche St. Just kommen, in wir das Konzert spielen werden, sehe ich, dass sogar der Altar für uns zur Seite gerückt worden ist. Die Flaggen beider Länder umrahmen feierlich die Bühne. Schon während der Einspielprobe finden sich Neugierige ein, die reges Interesse für das Konzert und die Partnerschaft zeigen. Im Gespräch trägt jeder bei, was er kann. Alle sind bemüht, sich in der Sprache des anderen zu verständigen. Klappt das einmal nicht, sind die Mitglieder der Partnerschaftskommission als Dolmetscher zur Stelle.

In meiner Funktion als Moderatorin lausche ich der Einspielprobe und beantworte die Fragen der soeben Eingetroffenen. Dann beginnt das Konzert. Besonders nervös bin ich vor dem Stück "D-Day". In dem monumentalen Werk beschreibt der junge niederländische Komponist Alex Poelman die Landung der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944. Ein trauriges Kapitel deutsch-französischer Geschichte.

Angespannt höre ich, wie die letzten Worte meiner Ansage verklingen und das Dröhnen der Herannahenden Kampfflugzeuge und die Störfeuer aus den Schützengräben die kleine Kirche erfüllen. Endlich endet die blutige Schlacht und eine einsame Stimme erhebt sich zum Choral, um die Toten beider Seiten zu beklagen.

Wie erwartet weckt D-Day viele Emotionen. Nach dem Konzert schütteln mir zahlreiche Zuhörer die Hand und erzählen mir ihre Erlebnisse aus dem Zweiten Weltkrieg. Ich höre von verlorenen Verwandten. "Ich habe Gänsehaut bekommen", berichtet mir eine ältere Frau. Andere hätten sogar geweint.

Viele Franzosen loben uns für den Mut, dieses Stück in Frankreich aufzuführen. Sie sagen, dass sie es wichtig finden, gemeinsam dem Zweiten Weltkrieg und seinen Opfern zu gedenken.

Der Bürgermeister von Arbois schließt sich beim anschließenden Umtrunk dem Lob der Bürger an. Er nennt das Konzert und den heutigen Besuch einen Höhepunkt in der fast 40-jährigen Städtepartnerschaft. Für Helmut Datz hat sich ein Wunsch erfüllt: Als Vorsitzender des Partnerschaftsausschusses lag es ihm stets am Herzen, Vereine in den kulturellen Austausch miteinzubinden und das gemeinsame Gedenken an die Geschichte zu fördern. An diesem Abend ist dieses Anliegen ohne Zweifel erhört worden.

Ich denke an meinen letzten Besuch mit der Stadtkapelle in Arbois zurück. Damals waren wir Teil der ersten deutschen Delegation, die offiziell zum Gedenken an die Toten des Zweiten Weltkriegs eingeladen wurde. Vorher wurde aus Angst, die Gefühle der deutschen Nachbarn zu verletzen, auf eine Einladung verzichtet. In Arbois ist es Tradition, die Befreiung von den Besatzungsmächten nachzustellen und zu feiern.

An diesem Abend ist für mich deutlich erkennbar, dass sich seit diesem ersten Besuch Einiges getan hat. Die Partnerschaft wächst Stück für Stück und ist keinesfalls nur eine Urkunde mit zwei Unterchriften aus dem Jahr 1974. Einerseits ist die Partnerschaft eine tiefe Freundschaft zwischen Privatpersonen. Andererseits ermöglicht sie, dass neugierige Nachbarn sich über die Grenze hinweg kennenlernen. Auch Vereine schließen sich dem immer mehr an.

Nach einem gemeinsamen Essen heißt es leider schon wieder "Adieu". Wir steigen in den Reisebus. Mais c’est sûr – on reviendra, wir kommen wieder!