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Mittleres Kinzigtal - Per pedales die 95 Kilometer Kinzigtal-Idylle erfahren – dieses Erlebnis können ab sofort auch Menschen mit Handicap genießen. Gestern wurde in Hausach das Band für den barrierefreien "Kinzigtal-Radweg für alle" durchschnitten. Auf 95 Kilometern haben der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord und die "Kinzigtal Tourismus"-Gemeinden die Strecke zwischen Freudenstadt und Offenburg von Hindernissen befreit. Hans Peter Matt vom Haslacher Planungsbüro MAHP stand ihnen dabei zur Seite: Der selbst gehandicapte Barrierefrei-Koordinator hat den kompletten Radweg abgefahren und die Ecken und Kanten ermittelt.
"Die Umlaufschranken und Poller wurden umfahrbar gemacht, die Bordsteine abgesenkt und die umliegende Infrastruktur aufgewertet", stellte Matt die Maßnahmen vor. "So sind zum Beispiel die Dorotheenhütte Wolfach oder die Campingplätze in Steinach und Halbmeil behindertengerecht gestaltet." 32 000 Euro, davon 16 000 aus den Fördertöpfen des Naturparks, hat der Ausbau gekostet. "Der ›Radweg für alle‹ ist eine konsequente Weiterentwicklung des Kinzigtal-Radwegs und ein Meilenstein für Menschen mit Handicap", freute sich der Naturpark-Vorsitzende Peter Dombrowsky, nachdem bereits das 2008 geschaffene neue Radweg-Konzept die Infrastruktur des Tals wesentlich verbessert habe. Der finanzielle Aufwand zeige, "wie man mit relativ geringen Kosten das touristische Angebot aufwerten kann".
"Der Tourismus macht zehn Prozent vom Wirtschaftsvolumen des Kreises aus, daher verfolgen wir den Radwegausbau intensiv", versicherte der Landrat des Ortenaukreises, Frank Scherer. Trotz Krisenhaushalts flössen in den kommenden zwei Jahren mehrere Millionen Euro in Radwege; ein E-Bike-Themenrundweg stehe als Nächstes an. "Das Kinzigtal besitzt jetzt den einzigen komplett barrierefrei ausgebauten Radweg im ganzen Schwarzwald", stellte er fest.
Nicht nur einen sozialen, auch einen wirtschaftlichen Aspekt sah Hans-Peter Matt in dem Projekt: "Gastronomie und das übrige Tourismusgeschäft können sich neue Zielgruppen erschließen, und die Landflucht wird gebremst." Er wünschte sich, dass der Radweg auch "das Miteinander behinderter und nichtbehinderter Menschen fördert".
Einen Anfang dazu haben Karl-Heinz und Christa Scherer aus Haslach gemacht: Für den "Radweg für alle" spendeten sie zwei behindertengerechte Fahrräder im Gesamtwert von 16 000 Euro. "Ich habe großen Respekt vor Menschen, die als Rollstuhlfahrer ihre Lebensfreude nicht verloren haben – darum sollen sie auch die Natur erleben können", erklärte Karl-Heinz Scherer. Matt hoffte, dass bald weitere Fahrräder finanziert und im unteren und oberen Kinzigtal zusätzliche Depots eingerichtet werden können; die ersten beiden Räder sind bei ihm stationiert.
Zur Eröffnung neu erschienen ist die 48-seitige Broschüre "Kinzigtal-Radweg für alle", die die Strecke mit ihren Anliegerorten vorstellt. Das Heft ist in allen Tourist-Infos im Tal und bei Kinzigtal Tourismus in Haslach erhältlich.
Bei den gespendeten behindertengerechten Fahrrädern handelt es sich um zwei Modelle der Marke Draisin: Ein Doppelsitzer ermöglicht es Menschen, die sich noch eingeschränkt bewegen können, sich aktiv zu betätigen – eventuell in Begleitung eines nichtbehinderten Sozius. Schwerer gehandicapten Nutzern des Radwegs, die nicht mehr selbstständig fahren können, steht eine Fahrrad-Rollstuhl-Kombination zur Verfügung, die von einem nichtbehinderten Begleiter bewegt wird.
Beide Fahrräder können für 20 Euro pro Tag und 50 Euro für ein Wochenende über die Tourist-Informationen im Kinzigtal ausgeliehen werden.