Von Larissa Armbruster Hausach. Die historische Reihe "Hausach 1933-1955" beschäftigt sich mit dem Nationalsozialismus und seinen Institutionen, den Kriegsangriffen und der Nachkriegszeit in der Stadt unter der Burg. Thema des heutigen Teils ist die lokale Politik ab 1933. Antragsstellung am 25. März, außerordentliche Gemeinderatssitzung am 26. März, Ernennung Adolf Hitlers zum Ehrenbürger am 27. März 1933. "Der Druck muss riesig gewesen sein", kommentiert Helmut Spinner die schnelle und einstimmige Verleihung der Ehrenbürgerwürde an den Diktator. "Dabei war keiner der acht Stadträte Mitglied der NSDAP", untermauert Spinner, der das Hausacher Stadtarchiv verwaltet.

Dabei waren die politischen Verhältnisse in Hausach vor 1933 eher christlich-konservativ beziehungsweise sozialdemokratisch orientiert. Erst seit 1932 ist eine NSDAP-Ortsgruppe belegt, das weiß Spinner aus Archivunterlagen.

Wie viele Hausacher Bürger dort eintraten, kann der Archivar nicht genau sagen: "Die Unterlagen sind unbekannt verschollen", erklärt er bedauernd. "Ich konnte rund 400 NSDAP-Mitglieder gegen Ende des Krieges bei knapp 3000 Hausachern und 800 Einbachern rekonstruieren", führt er weiter aus und gibt zu bedenken, dass es sich dabei lediglich um einen Richtwert handle. Er verweist auf Parallel- und Jugendorganisationen wie die NS-Frauenschaft, die NS-Bauernschaft, die Deutsche Arbeiterfront oder die Hitlerjugend. "Viele waren nicht in der NSDAP, aber in einer anderen NS-Gruppierung aktiv. Es gab eine für jeden Lebensbereich."

Im Stadtrat etablierten sich die Nazis im Sommer nach der Machtergreifung. Theoretisch waren sie der Badischen Zentrumspartei mit zwei zu drei Sitzen unterlegen, die SPD hatte ein Mandat erhalten. Letzteres wurde allerdings aberkannt und der NSDAP zugesprochen.

Der konkrete Fall eines Stadtrats stützt Spinners These: Zwölf Tage verbrachte der Landwirt gemeinsam mit drei weiteren Hausacher Bürgern im Januar 1934 im Gefängnis, wie aus mehreren zeitgenössischen Zeitungsartikeln ersichtlich ist. "Wegen unsachlicher Kritik an neuen Gesetzeseinrichtungen" wurde er in "Schutzhaft" verbracht. Seine Leidensgenossen wurden wegen "lokalpolitischer Umtriebe" gegen den neuen Bürgermeister beschuldigt.

Bürgermeister Karl Moog nämlich war bereits im Sommer 1933 aus gesundheitlichen Gründen beurlaubt worden. Daraufhin wurde das auswärtige NSDAP-Mitglied Alfred Haas aus Wolfach als Bürgermeister eingesetzt, was einigen missfiel. Nur ein "ausgesprochener Nationalsozialist" sei dafür in Frage gekommen, so die NSDAP Hausach in einer polemischen Stellungnahme im "Anzeiger vom Kinzigtal" vom Januar 1934.

Dort rechnet die Partei auch ab mit "Stänkern und Nörglern" und schreckt nicht davor zurück, unbequeme Mitbürger namentlich zu diffamieren. Möglichen Gesinnungsgenossen wird im selben Atemzug Strafe angedroht: Der ehemalige Stadtrat könne sich nun "hinter schwedischen Gardinen überlegen", ob er "verbrecherisch gegen unser Volk" gehandelt habe.

Anfang Juni 1934 löste sich das "Zentrum" dann landesweit auf. Zwar gab es später laut Spinner noch einen Gemeinderat. Der jedoch hatte keine Entscheidungskompetenz: Letztlich hing alles von Bürgermeister und Ortsgruppenleiter ab.

Auch Texte von Journalisten waren im Zuge der Gleichschaltung stark ideologisch gefärbt. Kommunistische Publikationen waren laut Spinner gleich nach dem Reichstagsbrand im Februar 1933 verboten. Alle anderen Zeitungen seien genau überwacht worden.

So heißt es in einem Bericht nach der "Volks-Abstimmung und Wahl zum Großdeutschen Reichstag" am 11. April 1938 in einer Lokalzeitung, man hätte "dieses Gefühl der Dankbarkeit, das edelste Gefühl des Glücks, nach vielen Tagen des Wartens durch ein offenes und freudiges ›Ja‹ in die Tat umsetzten" dürfen. Das Resultat: Eine utopisch hohe Wahlbeteiligung von 100 Prozent sowohl in Hausach als auch in Einbach.

Erneut verweist Helmut Spinner auf den großen öffentlichen Druck: "Die Leute hatten das deutliche Gefühl, dass ihnen auf die Finger geschaut wird." Allerdings handelte es sich bei der Abstimmung im April 1938 kaum um eine Wahl im eigentlichen Sinn: Es gab nur die Option, "Ja" zu sagen zu Hitler und der NSDAP, oder "Nein" anzukreuzen. Zwanzig Einbacher und 26 Hausacher trauten sich, die Reichsregierung abzulehnen – knapp über zwei Prozent.

NSDAP-Schultes Haas erwies sich jedoch nicht als Glücksgriff für die Partei, wie Spinner aus den Unterlagen liest. Schon 1935 übernahm Fritz Kölmel, der parallel auch Haslacher Bürgermeister war, seinen Posten. Bis zum Einmarsch der Franzosen im April 1945 ins Kinzigtal blieb Kölmel Chef beider Rathäuser. In Haslach wurde er gar in den 1950er-Jahren nochmals mit dem Amt betraut.