Von Larissa Armbruster Hausach. Nach dreimonatigem, schöpferischem Aufenthalt im Schwarzwald kehrt der Berliner Autor Thomas J. Hauck in die Hauptstadt zurück. Am vergangenen Donnerstag gab er in der Hausacher Mediathek eine Abschiedslesung und begeisterte die Zuhörer mit seiner mitreißenden Darbietung. Vor einem rund 60-köpfigen Publikum trug Hauck, der nicht nur Schriftsteller, sondern auch als bildender Künstler und Schauspieler tätig ist, die Geschichte von T. Gerber und Frau Luise vor, die er in seinem Buch "Berlin, Moabit-Blues" beschreibt.

Die senile Luise, die niemanden mehr hat außer ihrer Tochter in Griechenland und deshalb liebevoll mit ihrer Honigmelone spricht, träumt so lebhaft von einer Reise zur Akropolis, dass sie schlussendlich überzeugt ist, Schafe blöken zu hören. Doch der streng nach Zigaretten und Alkohol riechende und offensichtlich betrunkene Mann, den sie freundlich an der Bushaltestelle fragt, ob er die Schafe auch blöken hört, schimpft sie verrückt.

Dabei gibt T. Gerber für seine Umwelt kaum ein besseres Bild ab: Er lebt alleine, seit seine Frau ihn vor Jahren verlassen hat, und raucht seither unkontrolliert Feinschnitttabak, was er vehement verleugnet. Sein homöopathisches Hausmittelchen ist ein Bier zum Frühstück, dann noch drei oder vier im Laufe des Tages. Seine Wohnung verlässt er sowieso nur, um sich Nachschub zu holen.

Als Eigenbrötler, dessen Witze niemand außer ihm selbst versteht, vereinsamt er und beginnt mit seinem Teddybären zu sprechen, ähnlich wie Frau Luise mit ihrer Melone. Während sie aber dabei überwiegend gut gelaunt und optimistisch ist, ist T. Gerbers Stimmung durchweg düster.

Als er sich plötzlich seiner Einsamkeit bewusst wird, fasst er den Entschluss, mittels Kontaktanzeige eine Frau zu finden. Doch dann keimen in ihm starke Selbstzweifel, er gerät in eine Abwärtsspirale, aus der er keinen Ausweg mehr findet. So versetzt ihn seine Kraftlosigkeit und sein Desinteresse letztendlich in den Zustand, in dem ihn Luise an der Bushaltestelle antrifft: Er ist ein ständig-besoffener, übelriechender alter Mann, der lallend auf die Weiber schimpft, seinen Teddybären mittlerweile liebt und sich am Ende zu Tode säuft.

Eine Geschichte ohne Happy End zwar, aber keine erfundene: Thomas J. Hauck basierte seine Hauptfiguren auf zwei Menschen aus Berlin-Moabit, wo er selbst einige Jahre lang gelebt hat. Die skurrile Tragik und die mitschwingende Komik machen das Buch in jedem Fall lesenswert. Besonders unterhaltsam aber war die Lesung durch die Gestik und Mimik, mit der der Schriftsteller seine Zuhörerschaft in Bann zog.

José F. A. Oliver und das Team der Mediathek verabschiedeten den Künstler sichtlich freundschaftlich nach der mehrmonatigen Zusammenarbeit. Die Rückkehr steht bereits fest: In der LeseLenz-Woche vom 17. bis 21. Juni wird Thomas J. Hauck erneut zu Gast in Hausach sein.