Mittleres Kinzigtal - Seit 2003 ist die in Hausach lebende Margarete Schrempp als Vorstandsmitglied der "Kinderhilfe Bethlehem" jedes Jahr zu Besuch im dortigen "Caritas Baby Hospital". Unsere Zeitung hat sie auf einen fiktiven Rundgang durch das vom Verein getragene Kinderkrankenhaus mitgenommen. In Bethlehem Auto fahren kommt für Margarete Schrempp nicht in Frage. Zu chaotisch sei dort der Straßenverkehr. Also macht sich die 75-Jährige morgens, je nachdem, wo ihr Hotel in der knapp 30 000 Einwohner zählenden Stadt im Westjordanland liegt, zu Fuß oder mit dem Taxi auf zum "Caritas Baby Hospital".

"Das kostet 15 Schekel, also einen Cent-Betrag, und der Fahrer lässt mich dann am Schlagbaum vor dem Krankenhaus raus", erklärt Schrempp. Die Sicherheitskontrolle des Krankenhauses ist die einzige, an der sie vorbei muss. Die meisten kleinen Patienten des "Caritas Baby Hospitals" und ihre Eltern, die aus ganz Südpalestina zur Behandlung anreisen, müssen auf ihrer stundenlangen Anfahrt zahlreiche Kontrollen der Israelis passieren, bis sie sich am Empfang anmelden können.

Schrempps Tag im Bethlehemer Kinderkrankenhaus beginnt dann entweder mit einem Sitzungsmarathon im Dachgeschoss des Hospitals, an dem die angereisten Vorstände des Trägervereins "Kinderhilfe Bethlehem" und die Verantwortlichen des "Caritas Baby Hospitals" teilnehmen. Insgesamt erstrecken sich die vielen Sitzungen dieser Jahrestreffen gewöhnlich über drei Tage.

An den übrigen Tagen ihres rund zehntägigen Palestina-Aufenthalts geht Schrempp zuerst in das Haus neben dem Krankenhaus, in dem fünf Ordensschwestern wohnen und sich eine kleine Kapelle sowie der Kindergarten der Einrichtung befindet. Bereits ab dem Alter von einem halben Jahr können Mitarbeiter ihren Nachwuchs dort betreuen lassen. Außerdem sind dort die Räume des Pressereferenten und der Sozialarbeiterinnen.

"Seit ich mit im Vorstand bin, haben wir die Sozialarbeit völlig umstrukturiert", berichtet Schrempp. Im Krankenhaus ist immer auch eine Sozialarbeiterin anwesend. Außerdem verfügen diese Mitarbeiterinnen über einen gedeckelten Betrag, um bedürftige Familien zu unterstützen. Sie stellen auch die finanzielle Situationen der Familien für die Berechnung der Behandlungskosten fest.

Nachdem Schrempp dort mit "Hello" und vielen Umarmungen begrüßt wurde, kündigt sie sich per Haustelefon bei der Chefärztin und bei kaufmännischen Leiter an. Dass sie alle Gespräche in Bethlehem auf Englisch bestreiten muss, macht ihr nichts aus. Die gelernte Erzieherin und studierte Sozialarbeiterin arbeitete nach Tätigkeiten im Schuldienst und fürs Jugendamt bis 1999 im Entwicklungsdienst auf den Philippinen. Als Diözesanvorstand des Altenwerks der Erzdiözese Freiburg ist sie seit knapp zehn Jahren im Vorstand der "Kinderhilfe Bethlehem".

Der Verein mit Sitz in Luzern hat sich 1963 gegründet, um das Engagement des Schweizer Paters Ernst Schnydrig, der vor 60 Jahren in bescheidenem Rahmen das Babyhospital gegründet hat, zu unterstützen. Immer angeschlossen an bestehende Krankenhäuser sollte seine Initiative durch die Vereinsorganisation ein eigenes Haus bekommen. Schnydrig verstarb wenige Wochen, bevor 1978 der heutige Altbau-Trakt des "Caritas Baby Hospitals" eingeweiht wurde. 2010 konnte der Neubau-Trakt in Betrieb genommen werden.

Nachdem sich Schrempp angekündigt hat, geht sie durch den Haupteingang und über "verschachtelte Gänge", vorbei an den wartenden Eltern mit den kleinen Patienten zur medizinischen und kaufmännischen Klinikleitung. Sechs Stationen, insgesamt 84 Betten und eine Mütterschule mit 42 Betten zählt die Klinik. Gegen einen symbolischen Betrag werden pro Jahr über 30 000 überwiegend muslimische Kinder hier behandelt, knapp 4000 stationär.

"Das Kinderkrankenhaus ist nach westlichem Medizinstandard ausgestattet", betont Schrempp, die Chefärztin habe in Würzburg studiert. Sie kennt mittlerweile viele der insgesamt 220 Mitarbeiter. Und genießt nach ihrem Rundgang mit der Chefärztin, eventuellen Besprechungen und Hausbesuchen mit einer der Sozialarbeiterinnen im Untergeschoss, wo Küche und Esssaal untergebracht sind, das Mittagessen. Und einen Kaffee mit dem "runden" Koch.

"Nach dem Briefe und Berichte schreiben im Hotel gehe ich nachmittags oft zur Geburtskirche", schwärmt sie über die von Kerzen rußgeschwärzten Grotte und den zahlreichen Pilgern. Dann trifft sie sich gerne mit einer palästinensischen Freundin.

Ein Frieden zwischen Israel und Palestina ist für Schrempp nun in noch weitere Ferne gerückt. Außerdem könne der aktuelle Konflikt die Anreise für die kleinen, oft sehr kranken Patienten erschweren.