Stuttgart - Die Weihnachtsstimmung begleitet Besucher in Stuttgart fast bis auf den Bahnsteig. Seit über 20 Jahren bauen in der großen Halle des Hauptbahnhofs in der Adventszeit Kunsthandwerker und Anbieter von Leckereien ihre Stände auf. Doch in diesem Jahr rumort es bei manchen von ihnen. Grund sind die hohen Standgebühren und die zugigen Verhältnisse.

„Was man den Ausstellern zumutet, geht auf keine Kuhhaut“, klagt einer von ihnen. Die Gebühren seien inzwischen auf „unglaubliche über 4000 Euro geschraubt worden“. Auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt zwischen Schloss- und Marktplatz liegen die Gebühren zum Teil deutlich tiefer. Zudem seien die äußeren Bedingungen „dermaßen schlecht, dass es selbst ein gesunder Mensch nicht aushält“. Durch den Abriss der Seitenflügel und die weiteren Bauarbeiten sei es so zugig, dass es ständig Krankheitsfälle gebe und ein angemessenes Betreiben des Stands kaum möglich sei.

„Zu meckern findet man immer was.“

Fragt man bei den knapp 20 anderen Betreibern nach, ist das Echo unterschiedlich. „Die Standgebühr ist schon sehr hoch“, bestätigt einer. Eine Kollegin klagt: „Das war hier mal ein Künstlermarkt. Wer, der seine Sachen selbst herstellt, soll das aber noch bezahlen?“ Früher habe sie auf dem Markt so gut verdient, dass sie sich Personal habe leisten können. Heute stehe sie von morgens bis abends selbst in der Kälte. „Wenn man genau rechnet, dürfte man eigentlich nicht mehr kommen“, sagt sie. Mehrere Händler haben sich Heizungen eingebaut, andere sind in dicke Jacken gehüllt.

Doch nicht jeder sieht die Lage so negativ: „Wir machen dieselben Umsätze wie im vergangenen Jahr und können nichts Negatives sagen“, so eine Händlerin. Zugig sei es schon immer gewesen – und überhaupt: „Zu meckern findet man immer was.“

Bei der Deutschen Bahn, die die Fläche komplett an eine Agentur vermietet, ist man erstaunt. „Die Halle war nie beheizt oder zu den Gleisen hin geschlossen“, sagt ein Sprecher. Es sei dort nun mal ähnlich kalt wie draußen. Die Preise seien in diesem Jahr nicht gestiegen, im Gegenteil, die Fläche sei etwas kleiner als sonst und damit auch etwas günstiger. Die zuständige Agentur, die die Beschicker aussucht und die Gebühren mit ihnen aushandelt, bekräftigt, die Preise seien unverändert geblieben. Am Tag bezahlten die Händler im Schnitt hundert Euro. Manche seien ohne Kritik schon seit 20 Jahren dabei. Und an Interessenten mangele es auch nicht – trotz hoher Preise und eines zugigen Umfelds im Hauptbahnhof.