Haslach/Steinach NaBu kämpft gegen "Einwanderer"
Marijana Babic, 07.08.2012 11:03 Uhr
Rudi Allgaier (links) und Anton Hummel entfernen das chinesische Springkraut mitsamt der mächtigen Wurzeln. Foto: Babic
Haslach/Steinach - 13 Hektar Fläche im Gebiet von Haslach-Bollenbach und Steinach pflegt der Naturschutzbund Kinzigtal liebevoll. Der größte Feind im Kampf um die heimische Natur sind dabei die sogenannten Neophyten, eingewanderte Pflanzenarten, die alles andere zu überwuchern drohen.Tausende Stunden ehrenamtliche Arbeit stecken die rund 250 Mitglieder, die aus Offenburg über Haslach bis nach Oberwolfach und Hornberg kommen, jährlich in die Pflege ihrer Biotope.
Die ärgste Plage ist das chinesische Springkraut, das mit seinen rosa Blüten im Grunde recht hübsch anzusehen ist. Aber es macht Probleme: Es wuchert, zeigt sich resistent gegen alle Maßnahmen und hat deswegen schon rund ein Viertel der Biotope überwuchert – und damit einheimische Pflanzen und Tiere verdrängt. Die Größe des chinesischen Springkrauts ist zum Teil doppelt so groß wie die eines erwachsenen Mannes. "Abmähen reicht nicht", sagt der Vorsitzende des Naturschutzbundes Mittleres Kinzigtal, Rudi Allgaier, "man muss es ausreißen und kompostieren und zwar, bevor die Samen reif werden". Doch hat man eine Pflanze übersehen, so droht schon wieder eine neue Plage, weil es sich, wie Allgaier sagt, um eine "clevere Pflanze" handelt, die, nachdem sie umgeknickt ist, einfach neue Wurzeln bildet. Ursprünglich sei das chinesische Springkraut als Bienenfutter importiert worden – ohne zu ahnen, welche Folgen dies für die heimische Flora haben könnte.
Die Naturschützer beschäftigt auch der Riesenbärenklau. Im Biotop Bollenbach steht ein mächtiges Exemplar, doch es ist ungewiss, ob es sich dabei um den einheimischen ungefährlichen Bärenklau handelt oder um den eingewanderten kaukasischen. Der kaukasische kann nämlich nur unter strengsten Schutzmaßnahmen entfernt werden, weil er phototoxisch ist: Bei Sonneneinstrahlung bilden sich auf den betroffenen Hautflecken schmerzhafte Rötungen.
Auch nicht mehr zu verbannen ist der japanische Staudenknöterich, der armdicke Wurzelgeflechte bildet und jedes Leben unter sich erstickt. Seit etwa 40 Jahren ist auch das Gelbe Springkraut in Deutschland heimisch, wie die NABU-Mitglieder sagen.
Doch wie soll man insbesondere das chinesische Springkraut in den Griff bekommen? Es könnte immer größere Flächen überwuchern. "So viel ich weiß, wurde ein Schädling herangezüchtet und in die Freiheit entlassen", berichtet Allgaier, "die Frage ist nur, ob er nicht auch andere Pflanzen befällt. Hier fehlen noch Erfahrungswerte."
Erklärtes Ziel der NABU-Mitglieder ist es, die heimische Hochstaudenflur zu erhalten. Um das Biotop Bollenbach vom Springkraut zu säubern, stehen ihnen noch rund 60 Stunden ehrenamtliche Knochenarbeit bevor, da die mächtigen Pflanzen mit den Wurzeln herausgerissen werden müssen. Helfer sind daher willkommen. Diese konnen sich bei Rudi Allgaier unter Telefon 07832/42 35 melden.
Doch wie sieht es sonst im Ortenaukreis aus? Eine sogenannte invasive Pflanze, die versehentlich aus Nordamerika mitgebracht wurde, ist die Ambrosia, die im Ortenaukreis an verschiedenen Orten zu finden ist. Sie ist meldepflichtig, weil Hautkontakt und Pollen heftige Allergien beim Menschen auslösen können. In den vergangenen Jahren hat sich die unerwünschte Pflanze in Süddeutschland rasant vermehrt.
Weitere Informationen: gibt es beim Amt für Naturschutz des Ortenaukreises in Offenburg unter Telefon 0781/805 9513.



Schick
Sieht man im Hintergrund die 'bedrohte' Brennnessel? Nun die reisst wohl Niemand aus, ist einfach nicht schick genug.