
Von Alois Krafczyk Haslach. Ein Häs aus der Villinger Narrozunft verlässt ganz selten die Mauern der alten Narrenstadt. Allerdings muss es auch mal Ausnahmen gegeben haben. Das beweist ein in Haslach noch vorhandenes Villinger Narrohäs samt Scheme aus der Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts.Das in der Endphase der Neukonzeption befindliche Fastnachtsmuseum "Narrenschopf" in Bad Dürrheim, welches am 28. Januar seine Pforten öffnen wird, zeigt neben den unzähligen Narrenhäsern und Dokumenten zur Schwäbisch-alemannischen Fastnacht inzwischen auch eine äußerst wertvolle Schemensammlung des Villinger "Schemenschnitzers" Manfred Merz. Dieser hatte unlängst seine wertvolle Privatsammlung in die Kulturstiftung "Schwäbisch-Alemannische Fastnacht" eingebracht. Schon seit November vergangenen Jahres ist diese Sammlung im "Narrenschopf" ausgestellt.
Wer weiß da schon, dass die ältesten noch vorhandenen Schemen aus der traditionsreichen Villinger Fastnacht von der Bildhauerfamilie Schupp stammen, die vor allem durch ihre Kirchenarbeiten auf der Baar und im Schwarzwald bekannt geworden sind. Altäre wie in der Triberger Wallfahrtskirche oder in St. Jakob bei Wolfach, aber auch der Altar in der Haslacher Mühlenkapelle, stammen von dieser weithin bekannten Bildhauerfamilie.
Ein Villinger Narrohäs ist also noch immer etwas "Heiliges", etwas, was die Mauern der alten Zähringer Gründung nur sehr selten verlässt. Eine Ausnahme scheint da Haslach zu sein, denn in einer der alten Bildbände aus der Zeit zwischen 1896 und 1912 liefert ein bemerkenswertes Foto von 1897 den Beweis. Dieses Bild zeigt Mitglieder des Gesang- und Musikvereins "Harmonie" als Chinesen verkleidet, die anlässlich des Fastnachtsspiels "Wallensteins Lager" zu Besuch in Wolfach waren. Mitten drin in dem Getümmel ist eine Gestalt in einem bemalten Narrenhäs, das einem Villinger Häs entsprechen dürfte, zu erkennen.
Hose und Kittel von diesem Häs sind, leider längst stark verblasst, immer noch vorhanden. Dazu zählt auch die Scheme, die leider ebenfalls, dem Alter entsprechend, einige Gebrauchsspuren aufweist. Die in das Holz der Scheme eingehauenen Initialien "A.S." weisen hin auf den einstigen Besitzer dieses Villinger "Kleidle", den Haslacher Senffabrikanten Heinrich August Schaettgen, den Vater der im Jahr 2000 verstorbenen Maria Schaettgen. In ihrem Privatbesitz hatten sich Häs und Scheme einst befunden. In den 1980er-Jahren übergab sie diese Utensilien dem Chronisten der Haslacher Narrenzunft zur Verwahrung.
Mit der Vorstellung der Manfred-Merz-Stiftung kam nun auch dieses Villinger Häs samt Scheme wieder in Erinnerung. Die Scheme wird künftig in der ständigen Narrenvitrine im Schwarzwälder Trachtenmuseum zu sehen sein. Denn dort steht schon seit Eröffnung des Museums im Jahr 1980 ein Villinger Narro. Die in Haslach noch vorhandene Scheme stellt eine Rarität aus der Villinger Fasnet dar, wobei es ein Geheimnis bleiben wird, ob nun Heinrich August Schaettgen sein Narrohäs wirklich in Villingen hat herstellen lassen. Bei der Scheme deutet indes vieles darauf hin.