Haslach. Der Nabu Mittleres Kinzigtal hat mit Carmen Pfau eine neue Vorsitzende. Während der Hauptversammlung des Naturschutzbundes hatte Rudi Allgaier nach beinahe 20 Jahren im Vorstand seinen Posten aus zeitlichen Gründen niedergelegt. 1993 hatte er als stellvertretender Vorsitzender Verantwortung übernommen, seit 1999 stand er an der Spitze des Vereins. "Er hat unwahrscheinlich viel für den Nabu gemacht", sagte Carmen Pfau. Im Gespräch gewährt sie Einblicke in ihre Motivation als Vorsitzende, die Hauptaufgaben des Vereins und die Zielsetzungen für die nahe Zukunft.

Frau Pfau, Sie sind erst vor zwei Jahren aus Stuttgart nach Haslach gezogen und stehen jetzt in der Verantwortung beim Nabu Mittleres Kinzigtal. Woher kommt Ihre Verbindung zum Naturschutz?

Meine Kinder waren in Stuttgart schon im Nabu aktiv und als wir nach Haslach umgezogen sind, galt meine erste Suche einer entsprechenden Gruppe. Da es aber nirgends ein Angebot speziell für Kinder gab, kam ich schließlich zum Nabu Mittleres Kinzigtal.

Wir leben in einer sehr ländlich geprägten Gegend. Gibt es da überhaupt Bedarf für eine Kindergruppe des Nabu?

Da bin ich mir ganz sicher. Zuerst habe ich mich in einer Natur-AG am Haslacher Bildungszentrum stark engagiert und Erfahrungen in unterschiedlichen Seminaren gesammelt. Im September gründete ich dann die Kindergruppe des Nabu, in der sich momentan elf Kinder im Alter von sieben bis zehn Jahren engagieren. Für die Betreuung der jüngeren Kindern suche ich derzeit nach Weiterbildungsmöglichkeiten. Damit soll interessierten Mitgliedern Sicherheit und Unterstützung bei der Begleitung der Jungen und Mädchen an die Hand gegeben werden.

Und die Kindergruppe trifft sich regelmäßig in ihrem Clubheim?

(lacht) Wir haben kein Clubheim – leider. Wir treffen uns immer beim Biotop am "Bächlewald" und starten von dort aus in den Wald. Ich habe noch sehr viele Ideen für die Kinder, aber der neue Vorstandsposten fordert gerade sehr viel meiner Zeit.

Wie kam es dazu, dass Sie als Vorsitzende kandidierten?

Daran war ganz eindeutig meine Familie schuld. Als Vorstand Rudi Allgaier und sein Stellvertreter Rolf Ottelinger ganz sicher nicht mehr kandidieren wollten, war unklar ob es noch einmal einen neuen Vorstand geben wird und wie es mit dem Verein weitergehen soll. Mein elfjähriger Sohn meinte dann: "Mama, mach du das doch!" Er wollte damit unbedingt verhindern, dass der Verein und damit auch die Kindergruppe aufgelöst werden.

Aber reicht das, um sich damit der Verantwortung zu stellen?

Der Verein macht so eine gute Arbeit, dass ich es selbst eine Auflösung total schade fände. Obwohl ich erst seit einem Jahr dabei bin, ist mir der Nabu total wichtig. Außerdem hatte ich schon so viel Zeit und Arbeit in den Aufbau einer Kindergruppe investiert. Diese sollte nicht umsonst gewesen sein.

Wie haben Sie sich auf die neue Aufgabe vorbereitet?

Ich habe viel recherchiert, was zu den Aufgaben eines Vorstands gehört. In einem Gespräch mit Volker Weiß, dem Gruppenberater des Nabu in Stuttgart, ließ ich mir erklären, was ein Vorstand tun muss – und was davon Kann-Optionen sind. Ich war mir nämlich nicht sicher, ob ich den großen Berg von Rudi Allgaiers Engagement der letzten Jahre alleine tragen kann.

Und jetzt wissen Sie es?

Nachdem wir die Arbeit umstrukturiert und verschiedene Arbeitsgruppen gebildet haben, bin ich mir da sicher. Mit Werner Kinnast habe ich bei den Wahlen einen guten Stellvertreter bekommen. Außerdem kann ich mich auf die Unterstützung der bewährten Vorstandsmitglieder Hilde Kinnast (Kasse), Christine Haas-Matt (Schrift), Anton Hummel und Berthold Maier (beide Beisitzer) verlassen. Rudi Allgaier wird sich zum Glück weiterhin um die Arbeitsgruppe "Vögel" kümmern. Dann gibt es noch eine Arbeitsgruppe, die sich um die naturschutzrelevante Pflege der Biotope kümmert und ich selbst engagiere mich in der Jugendarbeit.

Was wird die erste größere Aktion in ihrer Amtszeit sein?

Im Frühjahr werden wir auf jeden Fall eine Großaktion zur Bekämpfung des Springkrauts am Bollenbacher Biotop durchführen. Dann wurde mit der Schule im Juli ein Kooperationsvertrag geschlossen, um mit den Schülern gemeinsame Aktionen durchzuführen. Eine davon wird ein Zaun um den Teich beim Weidenhaus sein, den wir aus dem Weidenschnitt des nächsten Jahres selbst bauen werden.

Was haben Sie für Ziele für den Nabu Mittleres Kinzigtal in naher Zukunft?

Wir sollten auf jeden Fall schauen, dass sich noch mehr Arbeitsgruppen bilden. Vielleicht finden sich unter den 261 Mitgliedern des Vereins Engagierte, die sich beispielsweise um den Schutz von Fledermäusen oder die Amphibien kümmern möchten. Natürlich sind dazu auch Menschen aus anderen Städten und Gemeinden des Kinzigtals eingeladen. Denn die Arbeitsgruppen organisieren sich selbst und legen auch ihr Programm selbst fest. In monatlichen Sitzungen besprechen sich dann die Leiter der einzelnen Gruppen.

Hat der Verein auch eine eigene Internetseite?

Die befindet sich gerade im Aufbau. Nach den Weihnachtsfeiertagen werden wir mit Hochdruck an die Erweiterung und Aktualisierung der Beiträge gehen. Außerdem wird vom 10. bis 16. Januar in Zusammenarbeit mit dem Haslacher Kino der Film "Geheimnisse des Waldes" von Hans-Jürgen Zimmermann gezeigt. Bei Vorlage des Mitgliederausweises erhalten die Nabu-ler einen Euro Ermäßigung. Rudi Allgaier wird in diesem Zusammenhang über die Arbeit des Nabu informieren. u Die Fragen stellte Christine Störr.