
Von Thomas Möller-Schaller
Mittleres Kinzigtal . Es geht durch alle Medien: Rudi Assauer (67), ehemaliger Manager des FC Schalke 04, ist seit Jahren an Alzheimer erkrankt. Jetzt ist er damit an die Öffentlichkeit gegangen. Wie kommt dieses prominente Bekenntnis bei Menschen an, die im Kinzigtal beruflich mit dementen Menschen zu tun haben?
Der Tenor ist eindeutig: Die Offenheit Assauers wird als Gewinn betrachtet. "Ich finde es gut, dass Herr Assauer an die Öffentlichkeit gegangen ist", sagt Lisa Hermann. Die geronto-psychiatrische Fachkraft im Haslacher Alfred-Behr-Haus beobachtet nämlich nach wie vor, "dass Alzheimer und Demenz Tabu-Themen sind, die nur hinter vorgehaltener Hand angesprochen werden". Dem könne der Schritt Assauers entgegenwirken, denn es sei fraglos wichtig, so Hermann, "dass in diesem Bereich mehr Aufklärung stattfindet". Möglicherweise könne Assauer diesen Stein ins Rollen bringen.
Allerdings müsse man dabei aufpassen, "dass die Krankheit nicht zu stark ins Negative gezogen wird, damit die Menschen nicht noch mehr Angst vor ihr bekommen". Denn eines wisse sie aus Erfahrung: "Es gibt auch Menschen, denen es gut geht mit ihrer Krankheit." Sie wolle die Demenz keineswegs verharmlosen, "aber es ist nicht alles nur schrecklich und schlimm".
"Die Menschen wollen es meist einfach nicht wahrhaben"
Auch Klaus Allgaier findet es "generell gut, wenn Leute sich zu diesem Krankheitsbild outen", denn viele warteten sehr lange, bis sie es in der Familie, geschweige denn nach außen hin ansprechen. Der Leiter der Demenzagentur Kinzigtal sagt: "Die Menschen wollen es meist nicht wahrhaben, vor allem dann, wenn sich der Ehepartner verändert, den man seit 40 oder 50 Jahren kennt." Für solche Menschen könne das Eingeständnis eines Prominenten hilfreich sein. Doch Allgaier bezweifelt die Nachhaltigkeit dieses mutigen Schritts Assauers, denn: Der Selbstmord des FußballNationaltorwarts Robert Enke habe die Öffentlichkeit schockiert, "und für manchen ist es beruhigend, dass auch ein Bundesliga-Trainer wie Ralf Rangnick ein Burnout-Syndrom bekommt – aber wer spricht heute noch daüber?", so Allgaier, der auch die Informations-, Anlauf- und Vermittlungsstelle (IAV) für Pflege und Versorgung im Kinzigtal leitet. Deshalb sei die Arbeit der IAV so wichtig. Dort treffen sich Angehörige, bekommen Tipps und erfahren in Kursen, welche Ansprüche sie geltend machen können, wenn ein Angehöriger an Demenz erkrankt ist.
"Frühzeitig Hilfe in Anspruch nehmen – Aufklärung ist alles"
Wie wichtig eine unabhängige Informationsstelle in diesem Zusammenhang ist, verdeutlicht auch Sabine Kurek. Sie ist stellvertretende Pflegedienstleiterin im Stephanus-Haus in Hornberg und rät Angehörigen, früh Hilfe in Anspruch zu nehmen, denn "Aufklärung ist alles". Die meisten Menschen hätten zunächst keine Vorstellung davon, was Alzheimer und Demenz überhaupt bedeuten. Das liege oft daran, "dass dieses Thema nicht interessiert, wenn es einen nicht betrifft". Insofern sei "für alle gut, was Herr Assauer tut", so Kurek.
Die Demenzagentur Kinzigtal bietet vom 28. Februar bis 27. März einen neuen Kurs für Angehörige Demenzkranker an. Er umfasst fünf Dienstagnachmittage von 14 bis 16.30 Uhr. Anmeldungen sind unter Telefon 0 78 32/99 95 52 20 möglich.