
Haslach - "Bildung ist nicht das Befüllen von Fässern, sondern das Entzünden von Flammen." Unter diesem pädagogischen Leitbild sind in der Kunst-AG des Haslacher Bildungszentrums kleine Kunstwerke entstanden, die sich während der Vernissage als wahre "Hingucker" entpuppten.
Cooler Sound hallte am Mittwochnachmittag lautstark durch das Haslacher Hansjakob-Bildungszentrum. Die siebenköpfige Schulband unter Leitung von Markus Obergföll setzte den musikalischen Rahmen für die gut besuchte Kunstausstellung der Viertklässler der Ganztagsschule. Rektorin Johanna Wilhelm freute sich sehr über die Vernissage und sprach in ihrer Begrüßungsrede von einem "ganz besonderen Tag". Denn schon lange war in der Schule keine Kunstausstellung mehr zu erleben.
Der Leiter der Kunst-AG, Werner Bliß, war voll des Lobes für die jungen Künstlerinnen. Acht Mädchen der Klasse 4a hatten im vergangenen Schulhalbjahr über einen längeren Zeitraum an ihrem Papier-Projekt gearbeitet und ihrer Kreativität freien Lauf gelassen. Während für den Hinter- und Untergrund der Kunstwerke neues Tonpapier verwendet wurde, beschränkte sich die Schülerinnen für die künstlerische Gestaltung auf Papier, das normalerweise in den Abfall gewandert wäre.
In der ersten schöpferischen Phase erhielten alle Mädchen die Kunstkarte von Martin Sanders "My first bank robbery" als Ausgangsmaterial. "Diese ist in der Mitte der acht Arbeiten unversehrt zu sehen", erläutert Werner Bliß. Nun hatten die Schülerinnen die Wahl, wie sie das ursprüngliche Bild "schreddern" wollen. Ob hoch-, querformatig oder diagonal – das blieb ihnen selbst überlassen. Jede kreierte etwas Besonderes, versuchte mit dem Streifen eine eigene Spur zu legen und fixierte diese auf Tonpapier. Der schöpferische Prozess nahm seinen Lauf, und es entstanden individuelle Kunstwerke.
In der zweiten Phase zeigten sich die jungen Künstlerinnen einfallsreich und schufen neue Kreationen aus "geschredderten" Einladungskarten zu Ausstellungen oder aus Kunstkarten. In einem dritten Schritt war das Format vergrößert worden. Zwölf Abbildungen eines alten Kunstkalenders hatten als Grundlage gedient, acht davon hatten die Mädchen selbst ausgewählt. Auch der Unter- oder Hintergrund war von den jungen Künstlerinnen ausgesucht worden.
Während in den ersten beiden Phasen alle "geschredderten" Teile akribisch wiederverwendet wurden, durften im dritten Schritt Teile weggelassen werden. Auch bestand die Möglichkeit, einen einzigen Streifen des eigenen Bildes mit einer Kollegin zu tauschen. Dies zu erkennen, erforderte vom Betrachter allerdings ein sehr genaues Hinschauen. Eine wesentliche Gemeinsamkeit haben all diese Arbeiten dennoch: Sie heben sich deutlich von der Fläche ab, greifen in den Raum und lassen Skulpturen entstehen.
Über Einträge ins ausgelegte Gästebuch oder eine kleine Spende ins "Kässle" freuten sich die Künstlerinnen ganz besonders. Die Häppchen, die die Schlemmer-AG vorbereitet hatte, wurden von den Anwesenden gerne angenommen. Die Ausstellung wird noch eine ganze Weile im Haslacher Bildungszentrum zu sehen sein, auch um anderen Schülern die Gelegenheit zu geben, sich Anregungen ins Sachen Kunst zu holen. Anschließend werden die Arbeiten in der diesjährigen Schulkunstausstellung im Schulamt in Offenburg tgezeigt, welche unter dem Thema "Experimente" laufen wird.