Haslach i. K. "Jugend ist der Frühling der Kirche"
Schwarzwälder-Bote, 09.08.2012 10:02 UhrHaslach - Seine Heimat ist Lublin, im südöstlichen Polen gelegen, etwa 100 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Miroslaw Kawczynski ist seit dem 28. Juli als Urlaubsvertretung für Pfarrer Helmut Steidel im Kinzigtal und wird noch bis zum 11. August Gottesdienste halten. Im Gespräch mit dem SchwaBo gewährt er Einblicke in sein Leben, begründet seine Motivation zur Priesteraushilfe und erzählt von seinen ganz persönlichen Eindrücke in der Seelsorgeeinheit Haslach.
Herr Kawczynski, wo wurden Sie geboren und wie kann man sich die Umgebung vorstellen?
Ich wurde 1972 in Lublin geboren, der mit 400 000 Einwohnern größten Stadt östlich der Weichsel. Von den fünf Universitäten ist die die Katholische Universität weltbekannt, weil Johannes Paul II. dort immer wieder Vorträge gehalten hat. Meine Familie lebte schon immer in Lublin und nach zwölf Jahren des Priestertums kehrte auch ich im vergangenen Jahr beruflich nach Lublin zurück. Meine Priesterweihe erhielt ich am 22. Mai 1999 zusammen mit 22 Kollegen im Lubliner Dom, danach war ich zwei Jahre in Chodel und später zehn Jahre lang in Poniatowa beheimatet.
Wie ist die Pfarrei strukturiert, in der sie arbeiten?
Unsere Pfarrei zählt 10 000 Gläubige. Noch bin ich selbst Kaplan, weil wir in Polen sehr viel mehr Priester als entsprechende Stellen haben. In unserer Pfarrei arbeiten wir zu viert und werden von drei weiteren Priestern unterstützt. Sonntags halten wir sechs heilige Messen, während der Woche haben wir täglich zwei Gottesdienste. Meinen Lebensweg habe ich mit 20 Jahren mit meinem Priester in dessen Wohnung besprochen, in der ich heute selber lebe.
Was hat sie dazu bewogen, Priester zu werden?
Das ist eine interessante Frage. Es ist wohl ein Geheimnis Gottes, warum er mich zum Priestertum gerufen hat. Seine Pläne konnte ich aber nicht so schnell erkennen. Denn obwohl ich in einer katholischen Familie aufwuchs und schon im Alter von fünf oder sechs Jahren Priester gespielt habe, konnte ich doch niemandem in der Familie nachfolgen. Ich war auch nie bei den Ministranten. Erst als ich nach der Grundschule zum jährlichen Treffen des Gesundheitsdienstes nach Czestochowa kam, stellten sich die Weichen. Dort habe ich auch Bogdan Zargorski kennengelernt, der nach dem 11. August ins Kinzigtal kommt.
Welcher schulische Werdegang war vor der Priesterweihe notwendig?
Nach der Grundschule absolvierte ich für vier Jahre die Oberschule, bevor ich mein Abitur schrieb. Dort belegte ich bereits die Klasse mit erweitertem Deutsch-Unterricht; sechs Wochenstunden in diesem Fach. Damals habe ich den Entschluss gefasst, Germanistik, Kultur und Geschichte der deutschsprachigen Länder kennenzulernen. Mit viel Unterstützung meiner Eltern belegte ich anschließend das Kolleg für deutsche Sprache mit 36 Wochenstunden in dem Fach. Erst danach habe ich mich entschieden, ins Priesterseminar einzutreten. Heute bin ich glücklicher Priester, obwohl man von Zeit zu Zeit Jesus´ Kreuz tragen muss.
Wie sind sie dazu gekommen, in Deutschland als Priester zu wirken?
Bereits als Schüler lernte ich Bogdan Zagorski kennen. Bei vielen gemeinsamen Wallfahrten haben wir uns gut kennengelernt. So wusste er, dass ich Deutsch spreche und hat mich um Unterstützung gebeten. Er kann in diesem Jahr nur vom 11. bis zum 26. August hier im Kinzigtal sein.
Waren Sie auch schon in anderen Ländern tätig?
Vor elf Jahren war ich bereits in Elz, in der Diözese Limuburg/Lahn und im letzten Jahr in Maria-Zell in Österreich. Dort habe ich jeden Tag eine heilige Messe gelesen. In meiner Zeit in Poniatowa habe ich viel mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet. Ich hatte 85 Ministranten und Lektoren. Mit vielen haben wir beinahe in ganz Europa Wallfahrtsorte bereist. Im letzten Jahr habe ich dann Paniatowa verlassen und lerne jetzt meine neue Pfarrei in Lublin kenne.
Sehen Sie sich ein Stück weit als Missionar im europäischen Ausland?
Missionar sein ist ein sehr großes Wort. An Orten, wo es nicht so viele Priester gibt, sollten wir helfen. Uns verbindet schließlich derselbe Christus, derselbe Glaube – dieselbe Kirche. Deshalb bin hier bei Ihnen und freue mich, dass ich ein bisschen helfen kann. In Polen gibt es Gott sei Dank noch sehr viele Priester und viele Anwärter, allein in Lublin haben wir bei einer Million Gläubigen 900 Priester. Aber auch bei uns sind die Zahlen langsam rückläufig.
Wie sind Sie ins Kinzigtal angereist?
Mit zwei Übernachtungen und einer 1500 Kilometer langen, sehr anstrengenden Reise im eigenen Auto.
Nutzen Sie ihren Aufenthalt im Kinzigtal, um ein Stück weit das Land und die Leute kennenzulernen?
Natürlich. Seit meinem Aufenthalt in Haslach finde ich die Leute hier äußerst angenehm. Meine erste heilige Messe habe ich am Samstag vergangener Woche in Haslach gelesen und sehr viele Gläubige in der Kirche gesehen. Der liturgische Dienst der Ministranten begeistert mich ganz besonders. In jeder Kirche, in der ich bis heute war, ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass die Pfarreien geistig leben. Die Jugend ist der Frühling der Kirche.
Wie zufrieden sind Sie mit dem Besuch der einzelnen Gottesdienste?
Nun bin ich ja das erste Mal im Kinzigtal und wurde in den vergangenen Tagen sehr gut aufgenommen. Äußerst schade finde ich es, dass zwei Priester für sechs Gemeinden zuständig sind. Daraus resultieren für die Gläubigen einfach wenig Möglichkeiten, die einzelnen Gottesdienste zu besuchen.
Haben Sie schon viel von der Umgebung gesehen?
Eigentlich nur die Orte, in denen ich als Priester eingesetzt war. Zwei Tage lang hielt ich mich in Frankreich auf und besuchte die Gemeinschaft "Foyer de Charité" in Ottrott bei Straßburg.
Was gefällt Ihnen im Kinzigtal am Besten?
Vor allen Dingen die Natur, die von Gott so wunderbar geschaffen wurde. Mir gefallen die Wälder und auch die Kinzig, natürlich die Kirchen, die ich gesehen habe. Sie sind wunderbar und zeigen den Glauben der Menschen, die sie gebaut haben.
Welche Erfahrungen nehmen Sie mit nach Hause?
Ich nehme sehr gute Erfahrungen mit nach Hause und werde mich sehr oft an die Plätze und die Menschen im Kinzigtal erinnern. Ich werde für alle Menschen beten, die ich getroffen und kennengelernt habe.
Werden Sie wieder einmal ins Kinzigtal kommen? Vielleicht auch privat?
Natürlich. Ich möchte hier gerne noch einmal sein, aber ich weiß noch nicht, wann das sein wird. Vielleicht wird es wieder einmal den Bedarf der Priesteraushilfe geben und dann werde ich mit Freude wieder zurück ins Kinzigtal kommen. Bis dahin sende ich einen herzlichen Gruß und Gottes Segen an die Leser des Schwarzwälder Boten. u Die Fragen stellte Christine Störr.



