Von Alois Krafczyk

Haslach. In der Zeit vom 1. bis 6. Januar ist in Haslach wieder "Dreikönigszeit". Dass es ausgerechnet in diesen Tagen um Weihnachten und Neujahr so mild ist, scheint keine Ausnahme zu sein. Ein Reisebericht des Schriftstellers Heinrich Hansjakob aus dem Jahr 1935 schildert das eindrucksvoll.

Nun ziehen sie bald wieder durch die Straßen Haslachs, die Heiligen Dreikönige mit Sterndriller und Laternenträger, sowie die Schar der Sänger. Bleibt das Wetter, wie es jetzt ist, werden die Sänger wohl kaum frieren. Eine solch milde Witterung um die Weihnachtszeit wurde auch schon 1935 verzeichnet.

Viel wurde schon über das Haslacher Dreikönigsingen geschrieben. Insbesondere der in Haslach geborene Schriftsteller Heinrich Hansjakob hat in seinem Werk "Aus meiner Jugendzeit" diesem schon in seiner Kindheit beliebten Dreikönigsbrauch ein literarisches Denkmal gesetzt. Aus dem Jahre 1935 findet sich im "Karlsruher Tagblatt" unter der Rubrik "Aus Stadt und Land" folgende Beschreibung einer Reise nach Haslach:

"Man kann es diesen ›Winter‹ wagen, über Land zu fahren. Um Silvester waren die Tage frühlingshaft. Der japanische Jasmin blühte. Wir planten einen Besuch von Haslach, die Stadt des Sternsingens. Durch Hansjakob ist das Sternsingen berühmt geworden. Und durch den Rundfunk in neuester Zeit abermals. So lasset uns auf Fahrt gehen in die Stadt der Sternsinger!

Sooft ich schon Haslach sah: in blauen Sommern, in goldenen Herbsten, nie bot es sich so märchenhaft dar als an diesem Abend um die Dreikönigszeit. Ein hoher, stolz gewachsener Christbaum stand mit tausend Lichtlein geschmückt auf dem malerischen Marktplatz, dem alten Rathaus gegenüber. Neben dem Baum aber stand, oh Wunder, die hohe Figur des Heiligen Sebastianus, die sich verneigte vor dem Glanz des heiligen Baums.

Das Gotteshaus, die altehrwürdige Pfarrkirche, war beleuchtet. Wir traten ein. Hundert Lichtlein brannten um die Krippe. Menschen waren zu abendlicher Andacht versammelt.

Wir lenken unsere Schritte durch die schöne Hauptstraße. Da und dort alte Fachwerkhäuser, gediegene Bürgerhäuser. Alte Gasthöfe, die zur Einkehr locken. Christbäume hinter den Fensterscheiben. Wir kehren ein im Hansjakob-Gasthof, in der ›Sonne‹, darinnen der große Volksschriftsteller des Schwarzwaldes anno 1837 – hundert Jahre sind’s bald – geboren wurde."

Ein Bruder des Dichters, German Hansjakob, hat den Gasthof einst betrieben. Germans Tochter, Maria Armbruster, lebt noch. Sie weiß uns manches zu erzählen von vergangenen Zeiten – natürlich auch vom Dreikönigstag mit Gesang.

"An drei Abenden gehen die Haslacher Sternsinger um. Es ist ihnen nicht möglich, an einem Abend vor allen Häusern zu singen. Wir hören, wer dieses Jahr zum Sternsingen an der Reihe ist. Wir besuchen einen der jungen Sternsinger und lassen uns erzählen. Lassen uns die vergoldeten Kronen zeigen und den kunstvollen Stern. Lassen uns ein paar der schönsten Lieder vorsingen."

Zum Schluss betrachten wir das Werk des getreuen Protektors der Sternsinger, Heinrich August Schaettgen. Er hat mit großer Sorgfalt die Haslacher Dreikönigslieder (nebst Noten im zweistimmigen Satz) aufgezeichnet. Sie sind im Druck erschienen. Schaettgen ist der Chronist und Historiker der Sternsinger aus früheren Jahren.

Auch Curt Liebich, der Gutacher Maler, hat die Sternsinger in seinem Bilde verewigt. Alle Dreikönigsspiele des Landes hat Schaettgen liebevoll gesammelt. Aber am höchsten schätzt er das Dreikönigspiel seiner Vaterstadt. "Wir zogen heimwärts durch die nächtliche Landschaft. Aber am Dreikönigsabend wollen wir wiederkommen."