
Haslach - Von September 1944 bis April 1945 existierten in Haslach drei nationalsozialistische Lager. Rund 1700 Häftlinge aus 19 Nationen waren dort interniert. Viele fielen den unmenschlichen Bedingungen zum Opfer. Künftig soll ein "Weg des Erinnerns" die zentralen Orte des damaligen Geschehens wieder in das Bewusstsein rufen.Entwickelt wurde das Konzept in einem Arbeitskreis von Schülern des Hausacher Robert-Gerwig-Gymnasiums. Am Montagabend wurden die Haslacher Gemeinderäte über die Grundzüge des Projektes informiert.
Ziel sei es, den Orten ihre Geschichte zurückzugeben, um die Vergangenheit im Stadtbild verorten zu können, erklärte Mathias Meier-Gerwig. Er ist Geschichtslehrer am Robert-Gerwig-Gymnasium und begleitet den Arbeitskreis, der mittlerweile als feste Geschichtswerkstatt geführt wird. Derzeit beteiligen sich 17 Schüler an der Arbeit. Vier davon stellten dem Gemeinderat die sechs Stationen des geplanten "Erinnerungsweges" vor.
Erste Station ist der Bahnhof, wo der Leidensweg der Häftlinge damals begonnen hatte. Dort soll einmal ein Schilderbaum an die Herkunftsländer der Zwangsarbeiter erinnern. Zudem ist eine Informationstafel geplant. An der zweiten Station, am Standort des früheren Lagers am Kinzigdamm, soll ebenfalls eine Tafel an das Leid der Häftlinge erinnern, genau wie an der dritten Station, dem ehemaligen Lager am Sportplatz. Ganz in der Nähe befindet sich die vierte Station des Weges, die sogenannte Villa, in der vor fast 70 Jahren die SS-Wachmannschaften einquartiert waren. Auch dort soll eine Tafel über das damalige Geschehen informieren.
Die fünfte Station ist das Massengrab am Friedhof, in dem mehr als 220 Todesopfer aus den Lagern ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Mit einer Installation soll an diese Toten erinnert werden. Geplant ist zudem eine Wand mit den Namen der Opfer – "um ihnen ein Stück ihrer Würde zurückzugeben", wie einer Schülerin erklärte. Die Idee ist, das Paten die Namen mit ihrer Handschrift auf der Wand verewigen. Sechste und letzte Station ist die Gedenkstätte Vulkan. An dem dortigen Waldweg sollen einzelne Haltepunkte entstehen, an denen Schicksale einzelner Häftlinge vorgestellt werden.
Die Vorbereitungen zur Umsetzung dieses Konzeptes sind bereits weit gediehen. Wie Mathias Meier-Gerwig berichtete, wurde ein umfangreiche Materialmappe erstellt, auch Infoblatt und Internetseite sind fertig. Die Kosten schätzte der Lehrer gestern auf Nachfrage des Schwarzwälder Boten auf etwa 1500 Euro. Wie eine Schülerin am Rande der Präsentation vor dem Gemeinderat erklärte, habe der Arbeitskreis durch Kuchenverkauf und Bewirtung beim "Musicafé" bereits 600 Euro eingenommen.
Nichtsdestotrotz hoffen die Jugendlichen auf Unterstützung durch die Stadt Haslach. Und die Zeichen dafür stehen nicht schlecht. Am Montagabend nahmen die anwesenden Gemeinderäte den Antrag des Arbeitskreises, einen "Weg des Erinnerns" einzurichten, wohlwollend zur Kenntnis. Eine endgültige Entscheidung wollen sie in einer der folgenden Sitzungen treffen.