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Haslach i. K. Anregung zum An- und Innehalten

Von
Sören Fuß (Zweiter von rechts) und Bürgermeister Heinz Winkler erinnerten an die Haslacher NS-OPfer, Saxofonist Thilo Haas verlieh ihren tragischen Geschichten musikalisch Ausdruck. Foto: Babic

Haslach - Für Haslachs Bürgermeister Heinz Winkler sind sie "Steine der Mahnung": 13 "Stolpersteine", die an das Schicksal der Haslacher NS-Opfer erinnern sollen, wurden am Sonntagabend in der Altstadt verlegt. Initiiert hatte die Aktion der Arbeitskreis "Stolpersteine".

Rund 150 Gäste wohnten der feierlichen Verlegung der Stolpersteine bei, darunter auch einige Angehörige jener Haslacher, die den Verbrechen in der NS-Zeit zum Opfer gefallen sind.

"Es haben sich Stimmen gemehrt, die ein Gedenken fordern"

Der Aktionskünstler Gunther Demnig, der selbst am Sonntagabend nicht anwesend war, verlegt seit 1995 in der ganzen Republik "Stolpersteine", die zum An- und Innehalten anregen sollen. Die Betonquader mit eingelassener Messingplatte werden jeweils vor den Häusern der NS-Opfer angebracht: So etwa in Haslachs Hauptstraße 48 (heute Modehaus Döker), wo die jüdische Familie Weil ein Textilgeschäft betrieb, bevor sie Anfang der 40er-Jahre in verschiedene Internierungslager verschleppt wurde. Im Stolperstein eingraviert sind Name, Geburtsdatum, das Datum der Deportation und der Todestag von Sophie und Julius Weil sowie dessen Schwester Lydia Müller.

"In den vergangenen Jahren haben sich die Stimmen gemehrt, die ein Gedenken fordern", begründete der Vorsitzende des Arbeitskreises, Mathias Reininger, die "Stolperstein"-Aktion. Außer Reininger besteht der Arbeitskreis aus Heinz Winkler, Kulturamtsleiter Martin Schwendemann, dem Haslacher Ortschronisten Manfred Hildenbrand, Sören Fuß, Leiter der Gedenkstätte Vulkan, sowie den Stadtpfarrern Hartmut Rehr und Helmut Steidel.

Der 2. Oktober 1940 war der Tag des Unheils

Die Schicksale der 13 Haslacher wurden am Sonntag dargelegt. Für viele von ihnen markierte der 2. Oktober 1940 das Unheil – das Datum, an dem in einer Großaktion die jüdische Bevölkerung Badens, der Pfalz und des Saarlands in französische Lager, meist nach Gurs, deportiert wurde. Katastrophale hygienische Bedingungen, Nahrungsmangel und menschenverachtende Zwangsarbeit bedingten eine hohe Sterberate.

Neben Juden fielen auch andere Minderheiten dem NS-Regime zum Opfer. Rund 30 000 Zeugen Jehovas – damals "Ernste Bibelforscher" genannt – lebten zum Zeitpunkt von Hitlers Machtergreifung in Deutschland. Symbolisch für sie können die Haslacher Wendelin Schille und Franz Ruschmann stehen, die sich aus Glaubensgründen dem NS-Terror widersetzten und dies mit dem Leben bezahlten.

Die Rigorosität der Nazis mag auch das Schicksal Ernst Mosers verdeutlichen. Der überaus intelligente junge Mann litt an Epilepsie – und wurde damit von den NS-Ideologen als "lebensunwertes Leben" eingestuft. Im Zuge des Euthanasieprogramms T4 wurde er 1940 ermordet.

Die Feierstunde im "Haus der Musik" wurde von Schülern des Robert-Gerwig-Gymnasiums unter Lehrer Mathias Meier-Gerwig mitgestaltet: Antonia Stöhr, Hanna Kopp, Saskia Mayer, Elisa Göppert, Nikolas Schmidt und Felix Kind entzündeten für jedes der 13 Opfer eine Kerze.

Thilo Haas (Saxofon) und Musikschulleiter Peter Stöhr (Querflöte) erinnerten an die tragischen Schicksale mit Melodien, die unter die Haut gingen. Die beiden Stadtpfarrer schlossen die Gedenkstunde mit Psalm 142.

INFO

NS-Opfer in Haslach
Emma Bergheimer: früherer Wohnort: Engelstraße 17 (Hausanlage Possler); ermordet 1942 in Auschwitz.
Ernst Moser: geboren am 19. Oktober 1906 in Oberweier; früherer Wohnort (seit 1913): Stein­acher Straße 19 (Küfer­stube Schwarz); im Juli 1940 in Grafeneck vergast.
Franz Ruschmann: geboren am 27. Mai in Achern; letzte Adresse: Hauptstraße 37 (ehemals Metzgerei Hättich); 1942 in Brandenburg hingerichtet.
Fritz Siegfried Mannheimer: geboren am 30. April 1888 in Haslach; früherer Wohnort: Engelstraße 25 (Ölmayer); Lageraufenthalte und langjährige Flucht.
Familie Bloch, bestehend aus Ehepaar Joseph und Josefine Bloch (umgekommen 1940 in Gurs), Sohn Arthur (1942 in Dachau ermordet), sowie Josephs Bruder Sigmund (ermordet 1942 in Sobibor) und dessen Sohn Ludwig (umgekommen in Flossenbürg 1945); früherer Wohnort: Sägerstraße 20 (heute DM-Markt).
Wendelin Schille: geboren am 4. September 1884 in Haslach; früherer Wohnort: Seilerstraße 5; ermordet 1940 im Gestapo-Gefängnis Karlsruhe.
Familie Weil, bestehend aus Mutter Sophie Weil (ermordet in Auschwitz) und den Geschwistern Julius (Jahrgang 1886, ermordet in Auschwitz) und Lydia Müller, geborene Weil (Jahrgang 1888, ermordet in Auschwitz); ehemaliger Wohnort und Textilgeschäft: Hauptstraße 48 (heute Modehaus Dölker).

 
 

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