Haiterbach Unternehmer beklagen Asyl-Bürokratie

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Diskussionsteilnehmer (von links): Martin Hartl von der Firma Infinex, Bürgermeister Andreas Hölzlberger, Karl Braun und Organisator Fritz Bruckner. Foto: Schneider

Haiterbach - Das Thema Zuwanderung und die Frage, wie man Lösungen finden kann, beschäftigte jetzt eine Bürgerrunde auf Einladung des FDP-Kreisverbandes und der Liberalen Initiative Mittelstand (LIM).

Karl Braun erinnerte zunächst daran, dass Deutschland vor den beiden Weltkriegen ein Auswanderungsland gewesne sei und viele Menschen ihr Glück im Ausland suchten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg habe es mehrere Einwanderungswellen gegeben, die Deutschland gut verkraftet habe und die auch zum wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands beigetragen hätten. Vor allem die Welle der Gastarbeiter aus den 70er- Jahren sei ein gutes Beispiel für eine geräuschlose Integration. Heute lebten viele der damaligen Gastarbeiter bereits in zweiter und dritter Generation in Deutschland und seien voll integriert.

Auch viele Russlanddeutsche, die Anfang der 90er-Jahre nach Deutschland kamen, seien heute fester Bestandteil der Gesellschaft und besetzten viele Arbeitsplätze im Handwerk und der Gastronomie.

Bei der aktuellen Flüchtlingswelle kritisiert Karl Braun den "komplizierten Bürokratie-Apparat", der verhindere, dass die Menschen integriert werden könnten. Notwendig sei ein sofortiger und uneingeschränkter Zugang zum Arbeitsmarkt für Menschen mit Bleiberecht oder guten Bleibeperspektiven. Damit würde die Integration erleichtert und die öffentlichen Kassen entlastet.

Bürgermeister Andreas Hölzlberger schilderte die aktuelle Flüchtlingssituation im Landkreis Calw und in Haiterbach. Aktuell seien 41 Flüchtlinge in Haiterbach untergebracht. Für 2016 wurde bereits weitere Gebäude gekauft, um weitere Menschen aufnehmen zu können. Er betonte, dass Haiterbach mit 15 Prozent einen vergleichsweise sehr hohen Ausländeranteil habe. Dabei sei die Zusammensetzung der Herkunft stets vielfältiger geworden.

Erwin Keppler, ehemaliger Schulleiter aus Bad Wildbad, erklärte, wie Kinder von Zuwandererfamilien in den Schulbetrieb integriert werden. Zunächst gebe es Vorbereitungsklassen, in denen die Kinder auf spielerische Art grundlegende deutsche Wörter lernen. Daneben nehmen die Kinder von Beginn an am regulären Sportunterricht, Kunstunterricht und Musikunterricht teil. Wichtig sei, dass die Kinder auch schnell in die normalen Klassen integriert würden. Seiner Erfahrung nach funktioniere das sehr gut. Nach ungefähr einem Jahr hätten die Kinder alle erforderlichen Sprachkenntnisse und seien dann voll in den regulären Klassen integriert.

Martin Hartl, Geschäftsführer der Firma Infinex in Haiterbach, hat viele gute Erfahrungen mit seinen ausländischen Mitarbeitern gemacht. Er beklagte jedoch die bürokratischen Hürden, die bei der Einstellung eines Asylbewerbers zu überwinden seien. 2014 wollte er erstmals ein Asylbewerber als Schlosser bei sich aufnehmen. Es dauerte mehr als ein Jahr bis der Mann in der Firma anfangen durfte.

Auf andere Weise ging es ihm mit einem Asylbewerber aus dem Kosovo. Nach nur drei Monaten müsste er wieder zurück. Für die Firma bedeutet dies einen nicht tragbaren Kosten- und Zeitaufwand.

Die Diskussionsrunde schloss mit vielen Anregungen und Vorschlägen zur Verbesserung der Zuwanderungssituation ab. Gerhard Friedrich regte an, diese in einem Anforderungskatalog festzuhalten und an die politisch verantwortlichen Vertretern der Region und der Landes- und Bundesregierung zu übermitteln. Der anwesende FDP Landtagskandidat Herbert Müller bezeichnet dies als sehr guten Vorschlag.

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