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Haiterbach KSK-Absetzgelände: Für Bauern geht es um Existenz

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Die drei Landwirte Gerd Walter, Rudolf Sautter und Stefan Brezing wehren sich gegen das geplante KSK-Absetzgelände. Foto: Buckenmaier

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Haiterbach/Kreis Calw - Keiner ist so unmittelbar von dem geplanten Absetzgelände der Bundeswehr in Haiterbach betroffen wie die drei Landwirte Gerd Walter, Rudolf Sautter und Stefan Brezing. Von den 55 Hektar, die für das KSK-Übungsgelände gebraucht werden, sollen sie allein 39 beisteuern. Das geht bei einem von ihnen an die Existenz.

Mit Karten bewehrt stehen die drei am Dürrenhardter Hof, um aufzuzeigen, wo aus ihrer Sicht ein solches Übungsgelände für das Kommando Spezialkräfte hingehören würde: am besten auf das Gelände beim Muckberg hinter dem Kasernengelände in Calw oder auf den Wächtersberg in Wildberg, auf ein Areal bei Deckenpfronn oder auch auf das ehemalige Horber Bundeswehrgelände. Aber eben nicht nach Haiterbach.

Hier, auf dem Dürrenhardter Hof, bewirtschaften Rudolf Sautter (72) aus Bondorf und sein Jahrgänger Gerd Walter aus Jettingen schon seit Jahrzehnten in einer Ackerbaugemeinschaft die fruchtbarsten Böden, die Haiterbach zu bieten hat. Mittlerweile ist es ein Großbetrieb. Auf 300 Hektar wird hier Saatgut angebaut, hinzu kommen 40 Hektar Zuckerrüben. Im Hof lagern gut 2500 Tonnen Saatgut.

Wenn es nach dem Willen des Landes geht, sollen sie nun 24 Hektar von ihrem Land für das Absetzgelände hergeben, das dann direkt bis in die Hofeinfahrt reichen würde.

Wie das im Übungsalltag aussehen würde, hat Rudolf Sautter vor wenigen Wochen miterlebt, als Soldaten ihn auf dem Weg zu seinem Betrieb stoppen wollten und auf die Übung verwiesen. Der 72-Jährige hat dem verantwortlichen Offizier unverhohlen und in entsprechender Lautstärke zu verstehen gegeben, was er davon hielt: "Sie stehen auf meinem Grund und Boden!"

Und von diesem Boden will er keinen Handbreit preisgeben: "Mir gebet nix ab", sagt er kategorisch. Von dem Ausgleichsgelände, von dem in den ersten Besprechungen mit der Landsiedlung als zuständiger Verhandlungspartner die Rede war, halten alle drei nicht viel: Die Flächen liegen allesamt weiter weg von ihren Höfen entfernt.

"Die ganze Sache wird dann unwirtschaftlich, wenn ich weitere Wege habe", argumentiert Stefan Brezing (47). Er führt den Familienbetrieb in Haiterbach nun in dritter Generation und hatte eigentlich vor, auf der Anhöhe an der Straße Richtung Gündringen einen neuen Schweinestall zu bauen. Aber die Pläne fürs KSK-Übungsgelände haben seine eigenen Pläne durchkreuzt: "Die Betriebserweiterung ist gestorben", sagt er, "jetzt fange ich wieder von vorne an und suche einen neuen Standort."

Brezing ist noch härter betroffen als seine beiden Kollegen: Er treibt in seinem Bio-Betrieb 75 Hektar um, soll aber allein 15 Hektar – zur Hälfte im Eigentum, zur Hälfte gepachtet – für das Absetzgeände hergeben. Selbst die Fachleute der Landsiedlung, die für das Land verhandeln und damit eigentlich auf der Gegenseite stehen, halten eine Flächenabgabe von 15 Prozent schon für existenzgefährdend. Und Brezing soll 20 Prozent verlieren.

Es trifft ihn um so härter, weil er "Bio" anbaut. Drei Jahre lang dauert die Umstellung von konventioneller Landwirtschaft auf Bio-Produktion. Erst dann darf er sein Getreide auch als Bio-Getreide verkaufen. Bei der Ersatzfläche, die ihm auf Talheimer Gemarkung angeboten wurde, müsste er wieder ganz von vorne anfangen: "Ich habe 20 Jahre auf diese Strukturen hingearbeitet. Das ist kein Ausgleich für das, was wir hier verlieren."

Und Anspruch auf einen Ausgleich hätte er sowieso nur für jene Flächen, die ihm gehören, aber nicht für gepachtete: "Dann fehlt mir die Fläche". Von dem Umstand, dass sein ganzer Betrieb förmlich zersplittert werde, ganz zu schweigen.

Nein, die drei Landwirte wollen keinen Fußbreit von ihren Böden abgeben: "Warum", fragt Stefan Brezing rein rhetorisch, "sollen wir uns für eine Kompensation verkaufen, wenn wir doch nur Nachteile haben?"

Nur zu gut erinnern sich die drei an die erste Besprechung der Grundstückseigentümer mit Regierungsvertretern im März. Es werde nicht enteignet, habe es damals geheißen. Auch die Landsiedlung habe eine Enteignung anfangs als "K.O.-Thema" eingestuft. Sprich: Gegen den Widerstand der Grundstückseigentümer werde man das Absetzgelände nicht durchsetzen.

Doch bei den jüngsten Gesprächen im Staatsministerium habe die Enteignung wieder als letztes Mittel im Raum gestanden: "Der Druck wird erhöht", sagt Rudolf Sautter. Aber sie wollen diesem Druck standhalten: "Wenn enteignet werden soll, geht’s halt vor Gericht."

 
 
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