Haiterbach - Aus dem Schulalltag sind sie kaum mehr wegzudenken: Die Schülermentoren der Burgschule Haiterbach sorgen seit sieben Jahren für mehr Ordnung auf dem Pausenhof, im Schulbus und helfen bei der Essensausgabe. Eine einspielte Sache ist es dennoch nur bedingt, denn die Ausbildung beginnt jedes Jahr fast wieder bei Null.

Der Busfahrer steigt in die Eisen, die physikalischen Kräfte können sich frei entfalten. Die etwas härtere Bremsung aus nicht ganz 30 Stundenkilometern im abgelegenen Industriegebiet von Haiterbach kommt mit Ansage. Alle 18 Schüler, ihre zwei Lehrerinnen und auch ihr Ausbilder, Polizist Wolfgang Helmling, sind vorbereitet und können sich festhalten. Diese Möglichkeit gibt es für den Papierkorb nicht, den Helmling in die letzte Sitzreihe gestellt hat. Der Eimer fliegt bis zur Mitte des Busses. "Jetzt könnt ihr euch vorstellen, was mit Schultaschen oder gar mit Schülern passieren kann, wenn eine Vollbremsung aus höherer Geschwindigkeit erfolgt."

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Die Ausbildung zum Schülermentor soll keine trockene, theoretische Veranstaltung im Sitzungssaal des Rathaus bleiben, sondern durch solche Praxisteile lebendig und realitätsnah gestaltet werden. Den Rest der etwas mehr als einstündigen Fahrt sollen die 18 Schüler für Rollenspiele nutzen. Im Wechsel spielen sie Schüler, die sich nicht an Spielregeln halten und so von den einschreitenden Schülermentoren verwarnt oder in letzter Konsequenz der Schulleitung gemeldet werden.

Der Spaß hat spätestens ein Ende, wenn Feuerzeuge und Messer im Spiel sind, wenn es um Sachbeschädigung geht. "Dann meldet ihr den Schüler sofort dem Busfahrer", verdeutlicht Helmling. "Für den Schaden müssen die Schüler aufkommen, auch wenn sie strafrechtlich noch nicht belangt werden können."

Die Ausbildung zum Schülermentor mit 30 Theoriestunden ist freiwillig. Auch wenn das ein zusätzliches Engagement wie eine zusätzliche Unterrichtsstunde pro Woche bedeutet, sind alle 18 Schüler der aktuellen achten Klasse dabei. Warum, erklärt Darius: Die Mentoren würden helfen, für Ordnung zu sorgen. Das bekam er selbst schon zu spüren, als er früher mal mit anderen eine Schneeballschlacht machte. Außerdem würden sie helfen, das Essen in der Mensa auszugeben.

Lehrerin Ina Brunner kann sich Pausen ohne die Schülermentoren kaum noch vorstellen. Für die Lehrer allein sei es schwierig, den Pausenhof zu überblicken.

"Irgendwas ist immer, in jeder Pause", sagt Christine Bartels, die das Projekt von Anfang an begleitet. Allerdings sei die Situation in den vergangenen Jahren zumindest nicht schlimmer geworden, wenngleich man feststelle, dass inzwischen auch Grundschüler auffällig würden. Bartels sieht auch Vorteile für die Schülermentoren selbst. Diese würden wachsen und selbstsicherer werden, was ihnen schon bei der Projektprüfung oder später bei einer Berufsausbildung zugute komme.

Polizist Helmling kommt auch schon zum siebten Mal an die Burgschule. Ganz einfach, weil jedes Jahr eine neue Klasse ausgebildet wird. Spannend bleibe es trotzdem, weil immer wieder etwas anders sei. "Schüler sind eben ganz verschieden."