Haigerloch Zeichen der Gemeinsamkeit

Schwarzwälder-Bote, 13.08.2012 00:01 Uhr

Von Klaus Schubert

Haigerloch. Erstmals feierte die Evangelische Kirchengemeinde des "Israelsonntag" auf dem Gustav-Spier-Platz.

Dazu hatten sich bei schönstem Sommerwetter am gestrigen Sonntag zahlreiche Gemeindemitglieder und Gäste vor der ehemaligen Synagoge im Haag, versammelt.

Die Evangelische Kirche gedenkt an diesem Sonntag besonders der bleibenden Verbundenheit der christlichen Kirche mit dem Judentum, denn der christliche Glaube ist nur aus seinen Wurzeln in der Welt des Alten Testaments heraus zu verstehen.

Dies betonte auch die evangelische Pfarrerin Els Dieterich in ihrer Predigt, in der sie diese Verbindung anhand der Worte des Apostels Paulus aufzeigte. In den ersten Jahrhunderten der Kirchengeschichte entstand dann aber schon bald ein theologischer Antijudaismus, der das Fundament legte für Entfremdung der beiden Religionen, bis hin zur Verfolgung, die dann auch für die jüdische Gemeinde Haigerlochs in der Zeit des Nationalsozialismus die Vertreibung und die Ermordung vieler Gemeindemitglieder brachte.

Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich das Bewusstsein für die Verbundenheit und den Dialog gebildet. Hierfür steht heute die ehemalige Synagoge, in der in den letzten Jahren wieder einzelne jüdische Gottesdienste gefeiert wurden. In diesem Horizont, betonte Pfarrerin Els Dieterich, sei es von historischer Bedeutung, dass sich die Evangelische Kirchengemeinde auf den Weg mache, um nahe beim jüdischen Gotteshaus, gleichsam in symbolischer Nachbarschaft, den "Israelsonntag" zu feiern.

Der Gesprächskreis ehemalige Synagoge Haigerloch hatte gemeinsam mit der Evangelischen Kirchengemeinde zu diesem Gottesdienst eingeladen. Das Opfer war für die "Aktion Sühnezeichen – Friedensdienste" bestimmt, die sich um die Aussöhnung mit Überlebenden des Holocausts bemühen. Hans-Paul Möller trug zum Gottesdienst einen in hebräischer Sprache gesungenen Lobpreis Gottes bei.

Im Anschluss an den Gottesdienst ließen sich einige Gottesdienstbesucher von Pfarrer Ulrich Schury durch die Ehemalige Synagoge und die dortige Dauerausstellung "Spurensicherung – jüdische Geschichte in Hohehnzollern" führen oder sie blieben zum Gespräch auf dem Gustav-Spier-Platz. Hier hatte das Kirchkaffeeteam und Lisbeth Möller Kaffee und Gebäck vorbereitet.

 
 
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