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Haigerloch Manch wilder Reiter geht kalt baden

Thomas Kost, vom 21.02.2012 09:14 Uhr
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Impressionen vom Haigerloch Bräuteln: Das raue Treiben auf dem Markplatz verfolgten Miryem Nesch, Bernd Piethe, Roland Wehrle, Landrat Günter-Martin Pauli und Bürgermeister Heinrich Götz (unten Bild links, von rechts) mt größtem Interesse. Dazu kamen närrische Gäste aus Radolfzell (unten links). Foto: Kost
Impressionen vom Haigerloch Bräuteln: Das raue Treiben auf dem Markplatz verfolgten Miryem Nesch, Bernd Piethe, Roland Wehrle, Landrat Günter-Martin Pauli und Bürgermeister Heinrich Götz (unten Bild links, von rechts) mt größtem Interesse. Dazu kamen närrische Gäste aus Radolfzell (unten links). Foto: Kost

Haigerloch - Was für ein Spektakel. Vor mehreren hundert Zuschauern fand am Fasnetsmontag auf dem Marktplatz in Haigerloch das Bräuteln statt. Und etliche Bräutlinge machten Bekanntschaft mit den eiskalten Fluten des Nepomukbrunnens.

Für zwei Gruppen bedeutet dieser seit 152 Jahren stattfindende und nur alle Schaltjahre ausgerufene Brauch Schwerstarbeit. Die Bräutelbuben müssen über drei Stunden hinweg immer wieder mehr oder minder schwere Männer auf der Bräutelstange um den Marktplatzbrunnen tragen. Und die Stadtkapelle dazu immer wieder den Bräutelmarsch anstimmen.

Zwischen 120 und 130 Bräutlinge – so weit war man sich in den Schätzungen einig – dürften es heuer gewesen sein, die nach altem Brauch drei Mal auf der Stange um den Brunnen herum ritten und deren linke Fußspitze dann zur Aufnahme in die Narrengemeinschaft in den Brunnen getaucht wurden.

Vorausgesetzt, sie saßen brav auf der Stange: Denn es gab auch andere Kadetten. Nämlich solche, die sich mit Händen und Füßen gegen das Draufsetzen auf die Bräutelstange wehrten. Und saßen sie erstmal drauf, taten sie alles, um den Ritt für die Bräutelbuben als Träger so beschwerlich wie möglich zu machen.

Die Belohnung für solch unflätiges Verhalten: Ein eiskaltes Bad. Schätzungsweise 20 Bräutlinge landeten wegen ihrer Widerborstigkeit im Nepomukbrunnen. Einige davon gleich mehrfach. Natürlich hatten es die meisten dieser »getauften« Männer – vor allem ehemalige Bräutelbuben – auf das Bad angelegt, sonst wäre das Bräuteln ja auch nur halb so lustig.

Das Schauspiel wurde von etlichen Zaungästen am Straßenrand verfolgt und vom Haigerlocher Narrenzunftmeister Bernd Piethe von hoher Warte aus kommentiert. Ihm zur Seite stand einige Prominenz. Neben Roland Wehrle, Präsident der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) weitere Vertreter schwäbisch-alemannischer Fasnet. Dazu kamen von politischer Seite der Haigerlocher Bürgermeister Heinrich Götz und der Landrat des Zollernalbkreises, Günther-Martin Pauli. Auch sie alle wurden auf der Bräutelstange um den Brunnen getragen.

Eine ganz besonderer Farbtupfer waren Gäste von weit her: Die Narrenzunft Narrizella Ratoldi aus Radolfzell hatte mit ihren wunderschönen Fasnetsfiguren Schlegele-Beck, Narrefresser, Geiz und Höllteufeln den weiten Weg vom Bodensee nach Haigerloch gemacht, um einen kleinen Ausschnitt aus ihrem Brauchtum und Fasnetssprüchen vorzustellen.

Mit dem Ritt von Zunftmeister Bernd Piethe Schlag zwölf war dann alles vorbei. Und es war alles gut gegangen: Niemand hatte die Bräutelkasse geraubt (ein Grund, um das Bräuteln sofort zu beenden). Und es saßen auch keine Frauen auf der Stange. Die Bräutelbuben hatten vorher auch jeden noch so wild kostümierten Narren ganz genau überprüft...

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