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Von Eckhard Gräff
Gutach. Bei Gutachs Förster Frank Werstein ist am Donnerstag ein seltener Gast eingezogen: Eine junge Waldohreule wurde geschwächt aufgefunden. Inzwischen kommt das Tier aber wieder zu Kräften, dank guter Pflege und vieler Mäuse.
"Am Donnerstagnachmittag wurde ich von Andrea Kronenwitter informiert, dass sie und ihr Sohn Jan eine Eule, mitten auf einem Weg sitzend, gefunden haben, die einen ziemlich geschwächten Eindruck macht", erzählt Frank Werstein. Das allein, so der Förster, sei schon ungewöhnlich, denn Eulen sind nachtaktive Tiere, treten tagsüber also kaum – höchstens im Winter – in Erscheinung, und auf dem Boden halten sie sich normalerweise auch nicht auf.
Werstein fuhr also hin und untersuchte die Eule: "Die Flügel und Füße waren in Ordnung, insgesamt machte das Tier einen guten, aber sehr geschwächten Eindruck", stellte er fest. Nach Rücksprache mit einem Spezialisten für Greifvögel nahm er den etwa sechs Monate alten Vogel mit zu sich nach Hause. Normalerweise, so Werstein, müsste man sehr vorsichtig bei den Eulen sein und sie nicht anfassen, denn sie könnten zuschnappen, und das sei sehr schmerzhaft.
Nicht so bei der jungen Waldohreule: "Das Tier war sehr ruhig und überhaupt nicht ängstlich, es merkte wohl, das ich ihm helfen wollte", erzählt Werstein und schwärmt: "Sie hat wunderschöne, große Augen".
Derzeit lebt der Vogel nun in einem großen Freigehege im Garten von Frank Werstein und lässt sich die vielen Mäuse, die der Förster ihm bringt, gut schmecken. "Es geht ihm zusehends besser, und wenn nichts dazwischen kommt, kann er in etwa drei Tagen wieder in die Freiheit entlassen werden", schätzt Werstein.
Warum das Tier so geschwächt war, kann er nur vermuten. Eine Möglichkeit wäre, dass die Eule eine vergiftete Maus gefressen hat. Eine andere: "Sie könnte aufgescheucht worden und dabei gegen ein Auto oder eine große Glasscheibe geflogen sein und war durch den Aufprall benommen." Hunger, ist sich Werstein sicher, brauchen die Eulen nicht zu leiden, Mäuse gibt es genug. Und der Frost macht den Nachtvögeln auch nichts aus, nur bei viel Schnee könnte es problematisch werden: "Dann finden die Tiere zu wenig oder keine Mäuse, die bleiben ja dann lieber in ihrem warmen Bau. Im Schwarzwald gibt es verschiedene Eulenarten, so sind der Rauhfuß-Kauz, der Sperlings-Kauz und der Waldkauz hier beheimatet. "Die Waldohreule ist eher selten zu finden", sagt Werstein.
Inzwischen hat er wieder einige Mäuse gefangen, und die junge Waldohreule freut sich auf ihr Abendessen.
Die Waldohreule hat eine Körperlänge von etwa 36 und eine Spannweite von 95 Zentimetern. Auffallende, große Federohren kennzeichnen das Tier, diese haben aber keine Funktion im Zusammenhang mit der Hörleistung der Eule. Dazu dient vielmehr der auffällige Gesichtsschleier. Die Eule kann in freier Natur bis zu 28 jahre alt werden.