Gutach - Mehr als ein Jahr hat der Gutacher Kunstverein an einem Buch zum Schwarzwaldkünstler Wilhelm Hasemann gearbeitet. Pünktlich zum Jahresende soll das 252 Seiten lange Werk mit Text und Bildern veröffentlicht werden.

"Das ist ein ganz tolles Weihnachtsgeschenk", schwärmt Jean-Philippe Naudet, Vorsitzender des Gutacher Kunstvereins. In seiner Wohnung zeigte er am Montagabend Pressevertretern eine digitale Vorabversion des fertiggestellten Buchs.

Es ist gerade im Druck und soll am 7. Dezember veröffentlicht werden, sagt Naudet. Außer ihm waren zwei der drei Buchautoren anwesend: Ansgar Barth, ehemaliger Vereinsvorsitzender, und Waltrud Heinemann, Enkelin des Malers. Vor 15 Jahren hat sie im ehemaligen Gutacher Haus ihres Großvaters zwei Müllsäcke mit Briefen des Künstlers gefunden. "Ganz bescheiden" habe sie damals angefangen, diese zu dokumentieren. Mittlerweile arbeitet sie "jeden Tag" an der Auswertung.

Ihre Arbeit bildet das Fundament des Buchs, das in vier Kapitel gegliedert ist. Im ersten skizziert Barth das Gutach zu Hasemanns Zeit (1850 bis 1913). Das zweite Kapitel, geschrieben von Heinemann, ist das größte. Es widmet sich dem Leben und Wirken des Künstlers. Im dritten schreibt die Enkelin über Hasemanns Schüler, von denen es "einige weit gebracht haben", wie Naudet erläutert. Das letzte Kapitel ist eine Kunstkritik der Freiburger Kunsthistorikerin Margret Zimmermann-Degen.

Layouttechniken selbst beigebracht

Das Werk umfasst 252 Seiten mit 150 farbigen Bildern. 132 Seiten sind schwarz-weiß, 120 in Farbe. Stolz blättert Naudet durch die digitalen Seiten. Die Gestaltung hat er selbst übernommen – ohne Vorkenntnisse im Layouten. "Ich kam wie die Jungfrau zum Kind und habe mir die Techniken Stück für Stück angeeignet." Insgesamt hat er mehr als 300 Stunden daran gearbeitet. "Drei Monate lang habe ich meine ganze Freizeit in das Projekt investiert." Die Mühe hat sich gelohnt: Die Vorabeinsicht zeigt eine ansprechende Gestaltung. Die Bilder sind chronologisch sortiert, oft werden ähnliche Motive gegenübergestellt.

Barth ist dafür voll des Lobes: "Ohne die Arbeit von Jean-Philippe wäre die Veröffentlichung unmöglich." Auch von Heinemanns Engagement ist er angetan: "Es ist ein Glücksfall, dass sie das alles dokumentiert. Das ist wahnsinnig aufwendig."

Für den Verein ist das Projekt von großer Bedeutung. Obwohl die Autoren und der Fotograf Karl Schlessmann ehrenamtlich für das Werk gearbeitet hätten, sei das Buch eine große Investition.

Der Verein will es am 7. Dezember veröffentlichen, kurz vor dem Start ins Hasemann-Jahr 2013, in dem sich der Tod des Malers zum 100. Mal jährt. 1000 Exemplare werden gedruckt und für jeweils 29 Euro angeboten.

Zu dem Künstler gibt es bisher ein weiteres Werk. Es wurde 1988 veröffentlicht und zeigt zwölf farbige Tafeln. "Das ist bescheiden in Anbetracht des großen Schaffen Hasemanns", betont Naudet.

Noch sind nicht alle Quellen ausgeschöpft. "Ich habe längst nicht alle Briefe ausgewertet", berichtet Heinemann. "Ich glaube auch nicht, dass ich das noch alles schaffen werde." Aktuell erforscht sie seine Tätigkeiten in Vereinen und ist beeindruckt, in wie vielen er Mitglied war. Material für ein Nachfolgewerk ist somit reichlich vorhanden.