Gutach. Am 30. November 1922 hat sie im Gutacher Untertal das Licht der Welt erblickt. Heute feiert Mathilde Blum ihren 90. Geburtstag – und freut sich schon sehr auf die Feier. Der SchwaBo hat sie im Vorfeld besucht und war überrascht: Mit einem strahlenden Lächeln öffnet eine junggebliebene Frau die Türe.

Hallo, Frau Blum, kaum zu glauben, sind Sie das, die 90 Jahre alt wird?

Ja, auch wenn Sie es nicht glauben. Aber das ist eben schon immer so gewesen in unserer Familie, wir werden alle steinalt, mein Vater ist 101 Jahre alt geworden. Und meine Geschwister leben auch alle noch.

Aus welchem Jungbrunnen schöpfen Sie denn?

Ich gehe jeden Tag spazieren, allerdings zwischenzeitlich nicht mehr bei Wind und Wetter, sondern nur noch, wenn es schön ist. Und mein Vater hat mir immer gesagt, ich solle jeden Tag ein gutes und gesundes Viertele trinken. Und das tue ich auch, allerdings als Schorle. Ach ja, und dann war ich mal die älteste Teilnehmerin bei einem Volkswandertag des Radsportvereins, und keiner wollte das so recht glauben. Damals war ich 85 Jahre alt.

Wenn man so fit ist wie Sie, haben Sie doch sicherlich weitere Hobbys...

Durchaus, ich stricke beispielsweise Socken für meine Enkel und Urenkel, und das in allen Farben und in großen Mengen. Schließlich habe ich sechs Enkel und zehn Urenkel.

Und wie viele Kinder?

Drei, Hannelore, Herbert und Wolfgang. Er ist mit 60 Jahren übrigens der Jüngste, Hannelore meine Älteste, die wird in drei Wochen 70 Jahre alt.

Sind Sie zeitlebens eine Gutacherin?

Mit dem Herzen schon, aber ich hab damals nach der Schule, die ich übrigens im Gutacher Obertal besucht hatte, bei meinem Patenonkel in Bad Soden im Taunus im Haushalt gearbeitet. Dann kam ich schrittweise zurück, erst nach Stuttgart, dort arbeitete ich im Haushalt der Eltern des späteren Oberbürgermeisters Manfred Rommel. Ja und schließlich landete ich in Hornberg - für 41 Jahre.

Da haben Sie auch auch ein ganz besonderes persönliches Erlebnis gehabt...

Ja, eines, welches sicherlich traurig war und welches ich nicht vergessen werde. Ich arbeitete bei Dual und PE. Meine Arbeit bestand darin, Plattenspieler und andere Rundfunkgeräte – jedes wog so um die siebeneinhalb Kilo – zu verpacken, manchmal waren das 1000 Pakete am Tag. Und am 10. Mai 1983 war dann Schluss, die Firma schloss, und ich verpackte den letzten Plattenspieler und konnte meine Tränen nicht mehr zurückhalten.

Wie kamen Sie dann wieder nach Gutach?

Nach dem Tod meines Mannes, das war vor zehn Jahren, zog es mich wieder in meine Heimatgemeinde. Aber zu Hornberg hab ich noch gute Kontakte.

Und jetzt gibt es ein großes Familienfest mit der großen Familie?

Ich hoffe schon, wobei die ja in ganz Deutschland verteilt sind, in Berlin wohnen zwei Enkel und sogar in Kanada.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Das Beste, was man sich wünschen kann: Alles Gute, vor allem Gesundheit, und das Wichtigste, dass ich mich auch weiterhin selbst versorgen kann. Ich koche zwar meist nicht mehr selbst, aber im Ort gibt's immer leckere Menüs – als Seniorenteller.

Möchten Sie Ihrem Vater gern nacheifern und die 100 vollmachen?

Warum nicht, wenn die Gesundheit mitmacht, auf jedenfall. Sie sind jedenfalls schon mal herzlich eingeladen, Sie wissen ja jetzt, wo ich wohne.

u Die Fragen stellte Eckhard Gräff