Von Eckhard Gräff

Gutach. Rund 218 000 Besucher hat das Gutacher Freilichtmuseum in der diesjährigen Saison verzeichnet – eine beeindruckende Zahl. Dies bedeutet für die Mitarbeiter eine enorme Kraftanstrengung. Der Schwarzwälder Bote stellt in der letzten Folge seiner kleinen Serie die Arbeit hinter den Kulissen des Museums vor.

Die Saison im Museum ist vorbei, alle nehmen jetzt gerade ihren Winterurlaub. Oder? "Das mag vielleicht für unsere Museumstiere gelten", sagt Thomas Hafen und lacht. Denn er ist gerade mit der Erstellung des Jahresplans für 2013 – als Vertretung für die Museumsgeschäftsführerin Margit Langer – voll ausgelastet. Trotzdem nehmen sich der wissenschaftliche Leiter des Freilichtmuseums Vogtsbauernhof und die wissenschaftliche Volontärin Silke Höllmüller genügend Zeit, um dem SchwaBo etwas über ihre Arbeit im Freilichtmuseum zu berichten.

"Wir haben ein Gerüst mit festen wiederkehrenden Daten, das sind die Saisoneröffnung und der Saisonschluss", beschreibt Hafen die Planungsschritte. Dazwischen gibt es viele Variablen wie Vorträge im Rahmen der Heubodenakademie oder der offenen Werkstatt.

Und diese wissenschaftlichen Themen sind eng verzahnt mit der pädadogischen Arbeit, die Silke Höllmüller obliegt. Das ist das grobe Gerüst. Dann geht's ans Eingemachte: "Wir müssen die Veranstaltungen sowohl für das Jahres- als auch das Ferienprogramm planen und entsprechend wissenschaftlich-pädagogisch aufbereiten", zählt Hafen auf.

Momentan stecken die beiden Wissenschaftler in der Ideenwerkstatt: Für die Sonderausstellung im Hippenseppenhof muss die Literatur durchgearbeitet und es müssen Bilder gesichtet werden, denn es geht im kommenden Jahr um Sagen und Mythen aus dem Schwarzwald.

Und die Zeit drängt: "Ab Januar wollen unsere Handwerker wissen, was sie bauen müssen, und Silke Höllmüller und ich müssen die redaktionelle Arbeit für alles, was im Museum veröffentlicht wird, schreiben", sagt Hafen.

Auch da haben die beiden gut zu tun: Der Museumsführer wird derzeit überarbeitet, ein Ausstellungskatalog und diverse Infoblätter müssen erstellt werden. Für die Gäste und – im Vorfeld – die Presse, so Hafen: "Schließlich wollen die Redakteure beim Pressegespräch am 22. März eine umfassende Infomappe vorfinden." Dieser Tag ist dann für die beiden Wissenschaftler auch Zensur für die Planungs- und Aufbauarbeiten: Dann muss alles fertig sein, denn einen Tag später beginnt das Tagesgeschäft.

Und der verdiente Urlaub? Hafen lacht: "Der kommt sicher auch einmal, aber Arbeit haben wir das ganze Jahr über." Derzeit ist Silke Höllmüller unterwegs in Sachen Objektrecherche: "Wir wollen das Freilichtmuseum ja erweitern und sind daher auf der Suche nach weiteren Gebäuden." Und das recht erfolgreich, denn einige Schwarzwaldbauernhöfe haben sie und Thomas Hafen schon gefunden, die geschichtlich gut in das Freilichtmuseum passen würden.

Ansonsten prägt das Tagesgeschäft die Arbeit Hafens und Höllmüllers. Sie ist für Kinder-Erlebnisprogramme und die Betreuung der Offenen Werkstätten für Familien zuständig. Und hat schon ihre Erfahrungen gemacht. "Es gab Programme, die haben niemanden so richtig interessiert", erzählt sie. Umgekehrt musste das Team bei anderen Themen schon um die Mittagszeit Bastelmaterial nachordern.

Auch Hafen macht gerne Führungen, inzwischen legendär sind seine "Mitternachtsführungen". Der studierte Volkskundler arbeitet seit fast zehn Jahren im Freilichtmuseum, und es macht ihm "großen Spaß".

Auch Silke Höllmüller, die in Tübingen Kulturwissenschaft und Neue Geschichte studiert hat, ist mit Freude dabei. Dann müssen beide das Gespräch beenden, denn die Arbeit wartet auf sie. Und davon gibt es noch genug bis zum Saisonbeginn am 23. März 2013.