Von Eckhard Gräff

Gutach. Rund 218 000 Besucher hat das Gutacher Freilichtmuseum in der diesjährigen Saison verzeichnet – eine beeindruckende Zahl. Dies bedeutet für die Mitarbeiter aber auch eine enorme Kraftanstrengung. Der Schwarzwälder Bote stellt in einer kleinen Serie die Arbeit hinter den Kulissen des Museums vor.

Wie ausgestorben bietet sich der Eingangsbereich des Museums dem Betrachter. Die Türen sind verschlossen, und wo sonst die Besucher strömen, ist gespenstische Ruhe. Dass in den Museumshöfen jedoch gearbeitet wird, bleibt den Blicken des Betrachters verborgen.

"Und wir haben genug zu tun", sagt Horst Biegert auf dem Weg zur Hausmahlmühle. Der technische Leiter des Museums kennt jeden Balken und jeden Winkel auf dem Gelände.

Er und sein festes Handwerkerteam Herbert Hacker, Hans Deusch, Ilona Max, Franz Walter, Martin Obert und Karl-Heinz Waidele sind für die Instandhaltung der alten Höfe und damit auch für die Sicherheit der Besucher zuständig. Horst Biegert zeigt zwei Schadstellen: Am Treppenaufgang beim Lorenzenhof ist ein Holzbalken angefault und muss erneuert werden, und das Außengeländer im ersten Stock des Kinzigtäler Speichers muss er auch noch überprüfen: "Da gefällt mir etwas nicht. Viele Besucher lehnen sich dort an, das wäre fatal, wenn es brechen würde."

In der Hausmahlmühle ist Martin Obert damit beschäftigt, die Mühlenanlage aus dem Jahre 1609 Stück für Stück auseinanderzunehmen: "Das ist wichtig, damit die Teile später wieder präzise aufeinander sitzen", erklärt er. Immerhin läuft die Mühle in der Saison rund zehnmal am Tag für die Besucher.

"Nebenbei" ist Obert aber auch damit beschäftigt, 16 eigene Holzhütten des Museums für den bevorstehenden Weihnachtsmarkt zu bauen. Zwei Tage Arbeit werden zudem für den Aufbau des Stromnetzes für den Markt benötigt. Und dann ist da noch das Sicherheitskonzept, welches durchgearbeitet werden muss: "Da kommen an einem Tag bis zu 8000 Besucher", betont Horst Biegert.

Ansonsten ist Wintersicherung wie Wasserabstellen in den Höfen angesagt, Die Tiere werden in ihre Winterquartiere gebracht und die Schäden, die Besucher verursachten, müssen repariert werden.

Natürlich kommen auch immer wieder einmal angemeldete Besuchergruppen, die eine Führung wollen. Für Horst Biegert kein Problem. Seit elf Jahren ist der gelernte Zimmermeister Mitglied des Museumsteams, und die Arbeit macht ihm nach wie vor großen Spaß.

Er hat viel erlebt in der Zeit. Einmal musste er sogar ein Kälbchen retten, das seiner Mutter aus dem Stall ausgebüxt war. Es rannte ausgerechnet in einen Weiher. "Da musste ich dann rein und das Tier wieder rausholen, und das im März bei eisiger Kälte", erinnert er sich. Dann muss Biegert wieder los und zieht kurz Bilanz: "Wenn über 200 000 Menschen in sieben Monaten durch das Gelände laufen, da gibt's dann immer genug zu tun für uns."