
Von Brigitte Frank-Gauckler
Gütenbach. Sie entspringen beide demselben Jahrgang 1952, der Kabarettist Thomas C. Breuer und das Land Baden-Württemberg. Premiere feierte Breuer am Samstag im "hanhart-kunstprojekt" mit seinem neuen Programm "günschtig", das den 60. Landes-Geburtstag kabarettistisch würdigt.
Der seziererische Wortklauber und Wahl-Rottweiler kennt sich aus im Ländle, er wohnte im Badischen und jetzt im Schwäbischen und schaut in Abgründe.
Zum besonderen Heimatabend kleidete er sich entsprechend der Flagge in schwarz-gelb.
Bei seiner Landesreise streifte er sprachliche Eigenheiten, etwa, dass der Fuß bis zur Hüfte reicht; er fühlt sich wohl, wo "laufe" gehen bedeute und eigentlich die Fußgängerzone Laufstall heißen müsste.
Unklar bleibe, ob die Fusion der Länder durch Kernschmelze oder ein "günschtiges" Angebot zustande kam.
Bei seinen Reisen widmete er eine Geschichte dem schönen Ort Gütenbach, sarkastisch-liebevoll beschrieb er die nicht vorhandene Ortsmitte, der Ort entziehe sich einfach dem gängigen Schwarzwaldidyll.
Überhaupt ist er viel unterwegs, auf der Schwarzwaldhochstraße in den "Blech Forest" oder auf der A 81, die Autobahn für den Aggressionsabbau der Schweizer.
Auch gesanglich ist er unterwegs und bot einen Heimatblues auf dem Mundharmonika.
Immer wieder streute er extra holprige Geburtstagsgedichte ein und stellte die rhetorische Frage, ob Apple, Google und Kindle wegen der Endung "le" schwäbische Erfindungen seien.
In einem Rundumschlag stellte er Persönlichkeiten des Landes vor, von Dichtern und Denkern bis zum Bundestrainer, nicht zuletzt hatte er das Stakkato-Schwäbisch des Günther Öttinger drauf.
Das legendäre Landesgedicht aus Stadt-Land-Fluss-Namen in der 2012er-Jubiläumsversion zeigte die ganze Namensvielfalt des Bundeslandes, "da saß jeder Gag-genau".
Gewürzt waren seine Vorträge auch mit Wappenkunde und dem Religionskrieg zwischen katholisch und evangelisch, der so viele Kabarettisten auf die Bühne treibe.
Exkurse über die badische Kulinaristik mit "Schlürfrechten" und Baden-Fladen (Flammkuchen) gab er als Zugabe sowie einen kleinen Exkurs in sein letztjähriges Angst-Programm.
Seiner nüchternen messerscharfer Analyse der Eigentümlichkeiten folgte meist geschliffener Wortwitz.
Breuer ist ein angenehmer Plauderer, nah am Schwaben und Badener dran und doch nicht ohne politische Seitenhiebe. Dies kann man übrigens in seinen unzähligen Büchern nachlesen.
Ein höchst vergnüglicher Abend in Wort und Witz, mit Orts- und Wortspielen aus dem Land zwischen Oechsle und Zäpfle.