Gütenbach Düstere Romantik und große Gefühle

Schwarzwälder-Bote, 27.03.2012 18:00 Uhr

Von Brigitte Frank-Gauckler

Gütenbach. Bereits zum dritten Mal war Sebastian Krämer im "hanh art kunstprojekt" zu Gast. Am Samstag zelebrierte er die Sehnsucht in allen Facetten.

"Akademie der Sehnsucht" war ein Abend voll düsterer Romantik, kleinen Anlässen und großen Gefühlen, berührend, voll bitterer Ironie und gnadenlos poetisch und philosophisch. Sehnsucht ist das Thema, das sich durch sein gesamtes Programm zieht, "die Schwarzwälder" müssen das ja gut kennen.

Ob Sehnsucht nach Kindheit, nach den 80er-Jahren und dem Ding, das die Treppe runtergehen kann, der Liebe oder gar die Sehnsucht nach Liebeskummer ist ihm nicht fremd. Die Sehnsucht arbeite nicht auf ihre Erfüllung hin, ist nicht an ihrer Abschaffung interessiert. Sehnsucht ist die Pflege einer Mangelempfindung und eine sehr deutsche Eigenschaft, stellt Krämer fest. Doppelbödig wird es beim Sekundär-Liebeskummer, es ist zu Ende, obwohl nie etwas war.

Krämer versucht sich auch an einer Definition von Romantik. Klar ist nur, dass es die nicht bei Ikea gebe. Als Nachwuchs-Satanist legt er schnell seine romantische Seite ab und haut in die Tasten. Zudem könnte man auch stundenlang nur seinem engagierten Klavierspiel lauschen.

Mit seinem Lied "Herzbrecherin" rechnet er mit dem starken Geschlecht, den Frauen ab, denen die männliche Seele schutzlos ausgeliefert sei. Eine russische Volksweise übersetzt er sehr, sehr frei und gerät mit einem Zuschauer in ein kleines Streitgespräch, dem alles irgendwie zu anstrengend ist. Textliche Exkurse unternimmt Krämer zu Volkshochschulen und zur Kindheit im Hause Krämer.

Haltung statt Wissen fordert er und die Zugabe über Deutschlehrer, die vieles hätten verhindern müssen und gefälligst im Pullunder und Cordhose ihrer Verantwortung als Feindbild gerecht werden müssten, fällt rabenschwarz und bitterböse aus. Nicht selten enden seine ach so sanften Chansons in bissigem Gespött. Sentimental wird es zum Schluss nochmals mit einem verträumt verregneten Lied "Flohmarkt im Regen".

Zum Nachdenken

Veranstalter Claus-Volker Müller hatte den Gast des Abends als den Mann mit den verrücktesten Krawattenknoten angekündigt: Es waren deren zwei. So doppelt und verquer waren auch seine Lieder und Texte. Sentimental und selten gehört, poetisch und philosophisch, zum Nachdenken und Schmunzeln.

 
 
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