
Von Axel Wolf
Gütenbach. Neben der Zukunft des Gebäudeensembles aus Festhalle und Schule/Kindergarten ist die Entwicklung der Ortsmitte die in naher Zukunft bedeutendste "Baustelle" Gütenbachs. Dabei fällt dem künftigen Standort der Gemeindeverwaltung eine Schlüsselrolle zu.
"Rathaussanierung 60 000 Euro" war noch im Haushaltsplan 2011 zu lesen. Im Zahlenwerk für das eben begonnene Jahr findet sich hier die Zahl Null. Ursache dafür ist ein sich langsam vollziehender Wandel in der Einschätzung des Projekts.
Vor noch nicht allzu langer Zeit stand im Vordergrund die gut gemeinte Absicht, das Rathaus zum einen benutzerfreundlicher zu gestalten und dafür ein Bürgerbüro im Erdgeschoss einzurichten. Dazu kam der erklärte Wille, das in die Jahre gekommene Gebäude energetisch zu sanieren.
Mit dem Bürgermeisterwahlkampf kam vor gut zwei Jahren erstmals Bewegung in diese Diskussion. Denn die Kandidaten äußerten ihre Vorstellung, wie das Ortszentrum aufgewertet werden könnte. Dazu kam, dass die Neuordnung der Firma Gebr. Faller Leerstände nach sich zog, so unter anderem beim direkt an der Kreuzstraße gelegenen King-Gebäude.
Dort, so eine der Überlegungen, ließe sich möglicherweise die Gemeindeverwaltung kostengünstiger unterbringen als im Rathaus, wo – wie bei vielen Sanierungen üblich – die dafür anfallenden Kosten möglicherweise nicht genau abzuschätzen wären.
Bürgermeister Rolf Breisacher denkt, sollte sich im Gemeinderat eine Mehrheit für den Umzug der Veraltung finden, noch ein ganzes Stück weiter: "Genau genommen hat Gütenbach kein richtiges Ortszentrum. Die Autos fahren durch die Hauptstraße und sind auch schon wieder draußen."
Das Gelände, auf dem sich das Rathaus befindet, könnte sich Breisacher auch unbebaut vorstellen: zu einem Platz umgestaltet, der wie ein Portal wirken und Besucher Richtung "Zentrum" leiten könnte, also in Richtung King-Gebäude ebenso wie zu den Erlebniswelten der Firma Gebr. Faller. Dann wäre der Bereich vom heutigen Rathaus bis zu dessen möglichem künftigen Standort so etwas wie eine Ortsmitte.
Breisacher würde sich von der Umsetzung dieses noch längst nicht ausgegorenen Plans erhoffen, "dass die Menschen länger im Ort bleiben". Zumal sich der "Bachhof" gegenüber zum Einkehren anbietet.
"Mit Geld", sowohl eigenen Mitteln als auch in Frage kommenden Zuschüssen, "geht manches", ist der Rathauschef von einer positiven Veränderung des dörflichen Erscheinungsbildes überzeugt.
Zu einer derartigen städteplanerischen "Hardware" würde sich der Bürgermeister auch noch eine besondere "Software" wünschen: ein Generationen übergreifendes bürgerschaftliches Engagement. Angesichts der vielfältigen Aktivitäten breiter Bevölkerungsschichen in den Vereinen sieht Breisacher dafür eine gute Basis.
Dem Bürgermeister schwebt dabei vor, dass "junge Alte alten Alten helfen" – etwa beim Einkaufen oder beim Schneeräumen. Unter anderem dadurch lasse sich verhindern, dass ältere Bürger aus Gütenbach wegziehen und damit den Bevölkerungsrückgang noch beschleunigen.