Von Axel Wolf

Gütenbach. Auf seiner Rundreise durch den Kreis hat der neue Landrat Sven Hinterseh am gestrigen Montag in der kleinsten Gemeinde des Schwarzwald-Baar-Kreises Station gemacht – und viel Zeit mitgebracht.

Geschenke kann ein Landkreis in den Zeiten knapper Kassen nicht verteilen. Dennoch hatte Hinterseh ein "Päckchen" dabei, das – sollte es wie geplant geschnürt werden – den Menschen, die in Gütenbach wohnen oder dorthin wollen, ein wenig mehr Mobilität bringen kann. Im neuen Jahr wird sich der Kreistag mit einer Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur befassen. Was konkret bedeutet, dass es vielleicht schon bald eine Busverbindung in Richtung Thurner und Titisee-Neustadt geben könnte, ebenso einen Anschluss in Richtung Simonswald.

Dass so etwas nicht von alleine kommt, wurde beim lockeren Gespräch wie auch den kurzen Ansprachen von Gast (Hinterseh) und Gastgeber (Bürgermeister Rolf Breisacher) deutlich. Letzterer hatte bei Weckenmännern, Weihnachtsbrötle und Kaffee zum Small Talk im Bürgersaal eingeladen. Seiner Initiative war es auch zu verdanken, dass sich nun beim Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) etwas bewegen könnte. Vorausgegangen war ein Besuch Breisachers im Landratsamt Ende August. Seinerzeit hatte der Rathauschef die unbefriedigende Verkehrsanbindung angesprochen.

Die kleinste Gemeinde im Kreis liege ihm besonders am Herzen, versicherte Hinterseh. Und dies sei nicht nur ein Lippenbekenntnis. Denn eine gute ÖPNV-Struktur unterstütze kleine Gemeinden nachweislich besonders.

Die – schwindende – Einwohnerzahl und die sich daraus ergebenden Probleme war – zumindest indirekt – ein Kernthema des Nachmittags, das Breisacher, Hinterseh und ein Tross aus Gemeindebediensteten und Mitgliedern des Gemeinderats bei einem Gang durch die Ortsmitte beschäftigte. Sie umzugestalten, soll ebenso zur Erhöhung der Attraktivität gehören wie ein schnelles Internet für alle. "Am Glasfaserkabel führt kein Weg vorbei", ist sich Sven Hinterseh sicher.

Und da könnte sich auf Kreisebene etwas tun, wie der Landrat andeutete. Ihm schwebt ein Zweckverband aus Kreis und Kommunen vor, damit in den nächsten zehn bis 20 Jahren jeder Haushalt über einen entsprechend leistungsfähigen Kabelanschluss verfügt. Man werde wohl "buddeln" müssen, so Hinterseh, um die neuen Leitungen zu verlegen. Eine Herkulesaufgabe allein in finanzieller Hinsicht bei geschätzten Kosten von 1500 bis und 2000 Euro pro Hausanschluss und – grob geschätzt – 80  000 bis 90 000 Haushalten.

Ein Hoffnungsschimmer könnte eine noch nicht endgültige abgeklärte Technik sein, die Glasfaserkabel in (bestehenden) Frischwasserleitung zu führen – was doch einiges an "Buddelei" ersparen könne.