Von Brigitte Frank-Gauckler

Gütenbach. Zwei tempo­reiche, bissige und unterhaltsame Lehrstunden in Sachen Essen legte Philipp Weber im hanhart-kunstprojekt in Gütenbach hin. "Futter – Streng verdaulich" lautete sein Soloprogramm, mit dem er von der ersten Minute sein Publikum zum Rasen brachte.

Kochshows im Fernsehen lieferten ihm den Einstieg ins Thema Essen und Konsum. Dabei band er das Publikum von Anfang an mit ein und ließ es Tütensuppen anhand der Zutatenliste raten und kam seinem "pädagogischen Auftrag" nach. Treffende Spitzfindigkeiten der Nahrungsmittelindustrie spießte er auf, die teils schwer verdaulichen Wahrheiten kamen jedoch locker auf den Teller.

Der lehramtsstudierte Biologe und Chemiker schöpfte aus dem Vollen, konnte jedoch einer Soja-Rindsroulade nichts abgewinnen.

Ja, er vermisst beim Essen das mangelnde Nationalgefühl. Es packt ihn der reine Zorn, wenn alles italienisiert oder als Carpaccio serviert werde, während das schöne deutsche Wort "Uffschnitt" in Vergessenheit gerate.

Grausam und kräftig müsse deutsches Essen sein, das unserem schwermütigen teutonischen Gemüt entspreche. Beim Versuch, einen ­Slow-Food-Abend mit Freunden zu veranstalten, blieb es beim Schnaps, das einzige, wogegen keiner Allergien oder Unverträglichkeiten zeigte.

Im zweiten Programmteil haute er mit Zahlen, Fakten und Heilsversprechungen der Nahrungsmittelindustrie um sich und trieb auch mit dem Publikum seine "wissenschaftlichen" Studien.

Erst komme der Mangel, dann das Geschäft, ob mit Vitamin C oder Cholesterinsenkern. Geschäft könne man auch machen mit Übergewicht, BMI, mit der Angst vor freien Radikalen. Er beleuchtete die ethische Seite des Essens und den Fleischkonsum. Bei aller Komik war sein Programm hochpolitisch und genauestens recherchiert. Die neue Bio-Welle ohne Verzicht, Esoteriker und Naturkost­ladengänger, alle bekamen ihr Fett weg.

Dabei regt sich Weber so herrlich auf, die Stimme überschlägt und vermittelt die Botschaft, dass Frieden und aufrechter Gang wichtigere Dinge im Leben seien als ­Diättabellen und Himalaya-Salz.

Er rief zu einem entspannten Umgang und gegen Hysterie und Dogmatismus auf. Denn wer braucht schon Erdbeerjoghurt Geschmacksrichtung Nutzholz/Maracuja oder explosionsgetrockneten Sellerie in der Tütensuppe –aber einen so unterhaltsamen scharfsinnigen Aufklärer wie Philipp Weber schon.