Grosselfingen Mit Glasknochen im Kindergarten

Diana Nägele, 22.06.2012 10:02 Uhr

Grosselfingen - Lukas kam mit gebrochenem Schlüsselbein und Unterarmbruch auf die Welt. Eine Untersuchung ergab: Lukas hat die Glasknochenkrankheit. Trotzdem geht er in den Kindergarten.

"Komm wir gehen in die Puppenecke", ruft Lukas seinem Freund Fabian zu. Und schon fällt die Tür ins Schloss. Als Betreuerin Nadine Nill den Raum betritt, hat sich Lukas bereits den Arztkoffer geschnappt, einen Mundschutz umgebunden und eine Spritze in der Hand. "Darf ich dich behandeln? Ich bin ein guter Arzt", sagt er mit ernster Miene.

Lukas kenne seine Grenzen

Seit drei Jahren ist Lukas im Grosselfinger Kindergarten. Als er in die Tigergruppe kam, war gerade das Thema Körper an der Reihe. Gruppenleiterin Gudrun Beiter erklärte den Kindern, was Lukas für Knochen hat, und dass die Kinder etwas vorsichtiger sein müssen. Aber Lukas kenne seine Grenzen, ziehe sich automatisch zurück, wenn es zu wild wird oder geht beispielsweise als letzter die Treppe runter – das sei von Anfang an schon so, berichten die beiden Erzieherinnen Gudrun Beiter und Gertrud Breimesser.

Am Anfang seien sie skeptisch gewesen, da sie Angst hatten, es könnte etwas passieren. "Für ihn braucht man einfach zwei Augen mehr", sagt Beiter, aber jetzt sei das alles kein Problem mehr. Vormittags ist eine Integrationskraft da, die sich vor allem um Lukas kümmert. Sie unterstützt ihn im Alltag, beispielsweise wenn mal eine Tür schwer aufgeht.

Mit einer Körpergröße von 96 Zentimetern und 13,5 Kilogramm Körpergewicht ist Lukas deutlich kleiner und leichter als andere Kinder in seinem Alter. "Aber das stört ihn nicht", sagt seine Mutter Daniela Papazoglou. Neulich habe er sich mit drei Wasserflaschen auf die Wage gestellt, um etwa so schwer wie seine Freunde zu sein, erzählt sie lachend. Demnächst bastelt sie die Schultüte für ihn. Dass die genauso groß sein soll, wie die von seinem Freund Fabian, ist für Lukas selbstverständlich. Die beiden freuen sich auf die Schule und darauf, dass sie in die gleiche Klasse kommen. Während der Schulzeit soll ihn Nadine Nill weiterhin begleiten. "Der Antrag ist gestellt", sagt Daniela Papzoglou.

Wenn die Familie unterwegs ist, kommt es häufiger vor, dass Lukas von Fremden angestarrt wird, weil er anders aussieht als sie. Dann wird seine große Schwester Helena zur Beschützerin. Sie geht zu den anderen hin und weist sie zurecht.

Seit seiner Geburt hat Lukas keine schweren Brüche gehabt. Dafür ist auch eine Kalcium-Therapie verantwortlich. Fünf Jahre lang sind die Eltern regelmäßig nach Stuttgart in die Klinik gefahren, damit Lukas Knochen stabiler wurden. Mittlerweile sind die Abstände größer geworden. "Wir hatten auch viel Glück", sagt Vater Abraham Papazoglou. Die Familie habe viel Unterstützung und Hilfe bekommen, wo immer sie nötig gewesen sei. Dafür seien sie sehr dankbar. Auch für die Tatsache, dass der Familie keine Steine in den Weg gelegt werden, und dass Lukas mit seinen Freunden vom Ort in den Kindergarten und in die Schule gehen darf – darüber sind sie sehr froh.

 
 
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