Grosselfingen Das Schicksal hat kein Erbarmen mit ihr

Schwarzwälder-Bote, 13.08.2012 17:01 Uhr

Grosselfingen/Albstadt. Ingeborg Haug gibt anderen Menschen viel. Als Krankenschwester ist sie beliebt, in der Familie ein Anker in jeder Not. Jetzt braucht die 42-Jährige selbst Hilfe: Sie hat Blutkrebs. Auf der Suche nach einem passenden Knochenmark-Spender setzen Familie und Sana-Klinik alle Hebel in Bewegung.

"Wir sind mit den Nerven am Ende. Der eine Schicksalsschlag ist noch nicht verdaut, da kommt schon der nächste", sagt Cordula Ledda (42). Sie ist die Schwester von Ingeborg Haug, die alle Inge nennen. Die Familie hatte zuletzt viel auszuhalten: Inge Haug erkrankte vor vier Jahren an einem Tumor an der Nebennierenrinde, von dem sie aber geheilt wurde. Vor anderthalb Jahren starb ihre Schwägerin und hinterließ drei Kinder im Alter von anderthalb, acht und 18 Jahren. Dann bekam ihre Mutter vor zwei Monaten die Diagnose Darmkrebs. Ingeborg Haug kümmerte sich um sie, wie immer. Mittlerweile ist die Mutter auf dem Weg der Genesung, da erhielt Inge Haug selbst eine schlimme Diagnose: Leukämie, in besonders aggressiver Form. Die Chemotherapie schlug fehl, jetzt kann nur noch eine Stammzellspende helfen.

Die Chemotherapiehat nicht geholfen

Bislang war Inge Haug ein Halt innerhalb der Familie. Anderen zu helfen, das scheint ihre Aufgabe zu sein. Früher hatte sie als Näherin gearbeitet, schulte vor 17 Jahren zur Krankenschwester um. In der Sana-Klinik Truchtelfingen ist sie bei Patienten und Kollegen beliebt. Professor Bernd Gondolph-Zink, Chefarzt und ärztlicher Direktor der Klinik, schätzt ihre Arbeit: "Schwester Inge versorgt Patienten nicht nur, sie gibt ihnen auch viel Zuwendung". Patienten fühlten sich bei ihr wohl. Cordula Ledda charakterisiert ihre Schwester gleich: "Sie tröstet die anderen und hat sie immer wieder aufgebaut – und jetzt liegt sie selbst so schlimm da".

Inge Haugs Schicksal löst eine Welle der Solidarität aus. Für die Kollegen der Sana-Klinik gab es schon eine interne Typisierungsaktion, zuvor hatten sich die Familienmitglieder typisieren lassen, die als Spender allerdings nicht infrage kommen, weil ihre Stammzellen für Ingeborg Haug nicht geeignet sind. Nun soll eine öffentliche Aktion in enger Abstimmung mit der Deutschen Knochenmark-Spenderdatei (DKMS) organisiert werden. "Wir setzen alle Hebel in Bewegung", verspricht Cordula Ledda. Inge Haug selbst wolle kämpfen, schon für ihren Sohn und die Familie. "Sie ist Gott sei Dank gut drauf, sagt, sie schafft das schon irgendwie", so Ledda.

Klinik-Belegschaft und Familie wissen, dass die Wahrscheinlichkeit gering ist, einen passenden Spender zu finden. Trotzdem wollen sie nichts unversucht lassen. "Die Sache geht uns sehr nahe", sagt Chefarzt Gondolph-Zink. Je mehr sich typisieren ließen, desto besser. So sieht es auch die Familie, die derzeit zwischen Hoffen und Bangen lebt. "Wir haben glücklicherweise einen großen Zusammenhalt, jeder ist für jeden da", sagt Cordula Ledda, "wenn wir einander nicht hätten, wären wir schon lange untergegangen".

u  Eine erste Typisierungsaktion für Ingeborg Haug findet diese Woche in der Sana-Klinik in Truchtelfingen statt. Die Aktion ist zunächst für die Mitarbeiter der Klinik gedacht. Die Typisierung jeder Blutprobe kostet rund 50 Euro. Die Kosten übernehmen die Deutsche Knochenmark-Spenderdatei (DKMS) und die Sana-Klinik. Für die Teilnehmer ist die Aktion kostenlos. Eine weitere, öffentliche Aktion soll noch folgen, der Termin muss laut Auskunft der Sana-Klinik jedoch erst noch organisiert und mit der DKMS abgestimmt werden. Die Teilnehmer müssen zunächst nur eine Blutspende abgeben, die dann auf ihre Eignung hin untersucht – typisiert – wird. Zuvor hatten sich die Familienmitglieder typisieren lassen, die als Spender allerdings nicht infrage kommen, weil ihre Stammzellen für Ingeborg Haug nicht geeignet sind.

Weitere Informationen: www.dkms.de

 
 
Kommentare (0)
  • Kommentare anzeigen
Anzeigen