Von Volker Rath

Grosselfingen. Volksauflauf in Grosselfingen: Zum ersten Adventsmarkt in der Domäne Homburger Hof bei Grosselfingen wurde das historische Anwesen von Besuchern regelrecht überrannt.

Einen solchen Besucheransturm erlebt die 2100-Einwohner-Gemeinde ansonsten nur zur Aufführung des Narrengerichts. Nach Schätzungen der Organisatoren tummelten sich am Wochenende mehr als 10 000 Gäste auf dem Gehöft. Vier Pendelbusse waren im Dauereinsatz, um die Besucher im Ort einzusammeln und hinaus zur Domäne zu fahren. Noch am späteren Sonntagnachmittag waren die Busse so gerammelt voll, dass Fahrgäste förmlich an der Frontscheibe klebten. Andere machten aus der Not eine Tugend, gingen gleich zu Fuß den Berg hoch, weil ihnen das Warten auf einen Platz im Bus aussichtslos erschien. Mit einem solchen Ansturm hatten die Veranstalter nicht gerechnet.

Pendelbus-Fahrgäste kleben förmlich an den Scheiben

Auch auf dem großen Anwesen herrschte dichtes Gedränge, obwohl sich die 35 Stände der Marktbeschicker auf dem weitläufigen Areal und in den einzelnen Betriebsgebäuden verteilten. Im Angebot hatten sie unter anderem Kunsthandwerkliches, Floristik und exklusivere Lebensmittel wie Biowurst und Olivenöle.

Wer sich einen Imbiss und Getränke gönnen wollte, musste sich in der großen Maschinenhalle in eine lange Schlange stellen. Eine Rote Wurst? Schupfnudeln mit Kraut? Die Küchenmannschaft hob bereits am Sonntagnachmittag abwehrend die Hände: "Leider ausverkauft." Abends war das Angebot der Speisen komplett vergriffen. Die Festbänke in der Scheune waren dauernd belegt.

Einen Großteil der Besucher dürfte die pure Neugierde zur Domäne getrieben haben. Wie hat sich das Anwesen seit der Übernahme durch Egon Schanz gemausert? Sie waren verblüfft von der Atmosphäre. Das alte Haupthaus des Hofguts aus dem 16. Jahrhundert mit seinen dicken weißgetünchten Wänden und den alten Holzdielenböden sieht aus wie ein Museum, überall bollerten die alten Holzöfen. Wege aus Kopfsteinpflaster und Kies führen zu den Ställen und Wirtschaftsgebäuden. Besucher konnten die Tiere sehen, etwa die Solars-Rinder mit langen Hörnern und Zottelfell und Schafe. Die Schweine räkelten sich im Stroh und ließen sich von den Besuchern nicht beim Schlafen stören, dazwischen wackelten Hühner und Gänse. Von den alten Giebeln leuchteten Weihnachtslichter, im Hof brannten Lagerfeuer in Stahl-Körben. "Super romantisch, ein Idyll", fand eine Besucherin.

Die Entwicklung des Hofguts geht weiter. Einige Gebäude wie der Schafstall befinden sich derzeit im Wiederaufbau, im Gebäude schräg gegenüber summt eine große Pelletsheizung, die das Anwesen über große Pufferspeicher und mit Unterstützung einer Solaranlage mit Wärme versorgt. Zum Hofgut gehören rund 85 Hektar Land, die als Biolandwirtschaft bestellt werden, sowie eine Hofmetzgerei mit Direktvermarktung. Viele Jahre hatte der Homburger Hof leer gestanden und war teils verfallen.