Grömbach Bürgermeister-Kandidaten stellen sich vor

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Foto: Schwenk

Grömbach - Noch zwei Wochen, dann steht Grömbach vor der Qual der Wahl: Gleich sieben Kandidaten kämpfen in der kleinen Gemeinde um das Amt des Bürgermeisters. Sonntagnachmittag stellten sich die Bewerber der Bevölkerung.

Ort der Kandidatenvorstellung war das rappelvolle Lindenforum. Dort präsentierten sich die Kandidaten zunächst einzeln unter Ausschluss ihrer Mitbewerber. Keine ganz leichte Aufgabe, galt es doch, die Bürger in zehn Minuten von sich zu überzeugen.

Zur Selbstbeweihräucherung wollte Markus Heim diese Zeitspanne nicht nutzen, wie er explizit erklärte. Stattdessen zitierte der 33-jährige Rechtsanwalt aus Nagold aus einem anonymen Schreiben, dass ihn aus Grömbach erreicht hatte. In dem wurde der Bewerber schon mal als nächster Bürgermeister gefeiert. Weil er – so der Tenor des Schriftstücks –­ kompetent, bodenständig und zuverlässig sei. Kurz: "Ein Rathauschef der zupackt, wo andere nur verwalten." Obendrauf gab es für die Bürgerschaft noch eine Wahlanleitung. "Sie machen bitte ihre Entscheidung abhängig vom Zutrauen und Vertrauen", so Heim. Ein starker Bürgermeister, führte der Jurist aus, brauche 51 Prozent im ersten Wahlgang. Sonst "bekommen Sie ein Bürgermeisterle". Wen er überzeugt habe, werde ihn wählen. Wen er nicht überzeugt habe, werde "auf der Suche nach dem kleinsten Übel" sein. Zusammen, rechnete Heim vor, sollte das ausreichen, um im ersten Wahlgang die 51-Prozent-Marke zu knacken.

Hans Wurster, Bauamtsleiter und Ortsbaumeister in Althengstett und mit 61 Jahren der Älteste im Bewerberfeld, stellte die Ortsentwicklung ins Zentrum seiner Vorstellung. Was Grömbach brauche, sei ein städtebaulicher Rahmenplan, so der Kandidat. Was Wurster vorschwebt, ist eine neue Ortsmitte mit Backhaus und einer modernen Verwaltung samt Rathauscafé. Und zwar dort, wo heute Schlachthaus und Feuerwehrhaus stehen.

Laufende Projekte sollen auf Prüfstand kommen

Das Schlachthaus sei ein reiner Zuschussbetrieb, die Feuerwehr anderweitig besser und kostengünstiger unterzubringen. Aus diesem Grund würde der Kandidat die Anschaffung der beiden neuen Feuerwehrfahrzeuge samt Anbau ans Feuerwehrhaus gerne nochmals auf den Prüfstand stellen. "Zuschüsse gibt es auch nach 2016 noch", so Wurster zu den Fahrzeugen. Grömbach brauche eine Planung aus einem Guss, kein Stückwerk. Und vor allem ein Rathaus mit Internetanschluss. Denn wie solle kommunale Selbstverwaltung auf Dauer funktionieren, wenn der Bürgermeister mangels Internetzugang nicht mal E-Mails verschicken könne, fragte Wurster in die Runde.

Christoph Albert, Student der Politik- und Verwaltungswissenschaften aus Sachsenheim, machte seine Vorstellung am Thema Transparenz fest. Und war der einzige, der die vorgegebene Redezeit deutlich unterbot. "Ich stehe für Transparenz und Offenheit in allen Fragen", betonte der 29-Jährige. Das, so der gebürtige Baiersbronner, werde sich unter anderem in Sachen Bürgerfragestunde niederschlagen. Die werde es nämlich nicht mehr geben, sollte er die Wahl gewinnen. "Für mich ist es selbstverständlich, für Sie immer ansprechbar zu sein", so das CDU-Mitglied.

"Ich strebe zwei Amtszeiten an", stellte Jürgen Schneider gleich zu Beginn klar. Der Diplom-Betriebswirt aus Kappelrodeck setzte auf die Themen Wirtschaft und Tourismus. Zwei bis drei Unternehmen wolle er ansiedeln, 30 bis 40 neue Arbeitsplätze schaffen. Alternativ könnte sich Schneider auch einen in Kooperation mit einer Nachbargemeinde betriebenen Gewerbepark vorstellen. Zudem müsse Grömbach für (Tages-) Touristen attraktiver werden. Schneiders Rezept: Den Wanderparkplatz neu gestalten und den Ort mit Blumenschmuck aufhübschen.

"Ich bin Eric Zschirpe und möchte Ihr neuer Bürgermeister werden" – lockerer als der 33-jährige Polizist aus Eutingen im Gäu stieg keiner der Bewerber ein. Das geplante Neubaugebiet Hasenäcker müsse kommen, ebenso die beiden neuen Feuerwehrfahrzeuge, so man sich dies leisten könne. Grömbach sei ihm sympathisch, so Zschirpe, der gleich den Gemeinderat lobte. Dieser habe sich in Sitzungen, die er mitverfolgt habe, gut vorbereitet präsentiert. "Da dachte ich, hier passe ich gut her. Das gefällt mir, wie sich die Leute hier einbringen."

Was Armin Pioch, 52 Jahre alt und selbstständiger Webentwickler aus Irndorf, zur Kandidatur bewogen hat? "Für mich ist das Amt des Bürgermeisters in einer kleinen Gemeinde wie Grömbach das spannendste Amt, das die Gesellschaft zu vergeben hat, so Pioch. Auf allen Ebenen der Verwaltungstätigkeit sei man voll gefordert, habe aber auch volle Gestaltungsfreiheit. Um für junge Familien attraktiv zu sein, brauche Grömbach ein flexibles Kinderbetreuungsangebot. Und vor allen Dingen eine flächendeckende Breitbandversorgung. Grundlage der weiteren Entwicklung solle ein Leitbild sein, welches er gemeinsam mit Bürgern und Gemeinderat erarbeiten wolle, so der Kandidat.

Eins nach dem anderen lautete das Motto von Bernd Liebold. Der 57-jähriger Industriekaufmann aus Schwäbisch Gmünd plädierte dafür, zunächst laufende Projekte wie das Neubaugebiet und die Anschaffung der Feuerwehrfahrzeuge abzuschließen. Dann, so der Kandidat, wolle er sich mit den Bürgern zusammensetzen. Er sei keiner, der mit einem fertigen Konzept daherkomme, so Liebold. Er wolle zuhören und gemeinsam mit den Bürgern die Zukunft Grömbachs gestalten.

Schnelles Internet ist Bürgern wichtig

Diese nutzten nun die Gelegenheit, sich in der kurzen Pause zu stärken. Die Feuerwehr hatte für die Verpflegung gesorgt. Dann ging es für die Kandidaten in die offene Fragerunde. Die Bewerber nahmen auf dem Podium Platz, und nach anfänglichem Zögern hatten die versammelten Bürger eine ganze Latte an Fragen parat. Etwa die nach der Ortskernentwicklung. Die nach der Landwirtschaft, nach der Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr, nach schnellem Internet oder auch nach dem frühest möglichen Arbeitsbeginn des künftigen Rathauschefs. Dabei machten die Bürger deutlich, dass sie weder an eine Tourismusgemeinde noch an einen Industriestandort Grömbach glauben. Und welche Baustelle angepackt werden muss: das schnelle Internet. "Das ist Lebensqualität", so ein Bürger. "Bevor das nicht funktioniert, bekommen wir hier gar niemanden her. Weder ein Unternehmen, noch einen Handwerksbetrieb oder Familien."

  
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