Wir kennen es alle: Husten, Schnupfen, Fieber, Heiserkeit. Die Grippe hat einen voll im Griff.

Die „echte“ Grippe zählt seit jeher zu den großen Seuchenerkrankungen der Menschheit. Doch erst Mitte des 20. Jahrhunderts gelang es, als Verursacher die Grippeviren, die als Influenzavirus Typ A, B und C vorkommen, zu identifizieren. Nur Influenza A und B lösen Grippewellen aus, wobei Influenza A das am weitesten verbreitete Virus mit den schwereren Krankheitsverläufen ist. Influenza-C-Viren spielen eher eine untergeordnete Rolle und verursachen beim Menschen keinerlei oder nur milde Symptome. Wie die Erreger des grippalen Infekts werden auch Grippeviren hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion übertragen. In Abständen von einigen Jahren kommt es dabei zu einem gehäuften Auftreten von Krankheitsfällen (Epidemien), von denen bis zu 20 Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Grund dafür ist, dass es bei der Vermehrung der Viren (Replikation) immer wieder zufällig zu fehlerhaften Kopien ihrer genetischen Information und damit zur Bildung veränderter Eiweiße kommt. Wenn diese Punktmutationen nun bestimmte Oberflächenstrukturen der Viren betreffen, die dem Immunsystem des infizierten Organismus als Erkennungsmerkmale (Antigene) dienen, resultiert daraus ein Vorteil für die Viren. Die körpereigenen Abwehrkräfte können nur das wirkungsvoll bekämpfen, was sie bereits „kennen gelernt“ haben. Sie sind nicht in der Lage, in ausreichendem Maße mit der Bildung von Antikörpern auf die veränderten Antigene zu reagieren, sodass sich die Viren im Organismus ungehindert vermehren.

In größeren Abständen von mehreren Jahrzehnten kommt es zu weltweiten Epidemien (Pandemien), bei denen sich bis zu 50 Prozent der Bevölkerung mit dem Influenzavirus infizieren und Millionen daran sterben können. Im 20. Jahrhundert traten drei Pandemien auf. In den Jahren 1918 / 19 forderte die „Spanische Grippe“ weltweit mehr als 30 Millionen Todesopfer. Die „Asiatische Grippe“ (1957 / 58) und die „Honkong- Grippe“ kosteten jeweils etwa eine Million Menschen das Leben. Nur Influenza-A-Viren können Pandemien hervorrufen, und zwar immer dann, wenn durch umfassende genetische Veränderungen neue Virussubtypen mit völlig anderen Erkennungsmerkmalen entstehen. Solche „Antigen-Shifts“ kommen zustande, wenn zwei verschiedene Influenzavirustypen, etwa von Mensch und Vogel, gleichzeitig eine Wirtszelle befallen und ihre Erbinformation dabei vermischen. Gegen den neu entstandenen unbekannten Virustyp kann das Immunsystem nichts ausrichten.

Grippe - Symptome / Diagnose


Wie die Erreger des grippalen Infekts greift auch das Grippevirus vor allem die Schleimhäute der Atemwege an. Die Beschwerden und der Verlauf der echten Virusgrippe sind aber sehr viel dramatischer. Für Risikogruppen und Patienten mit einer schon bestehenden Erkrankung wie z.B. Diabetiker, Kleinkinder und Senioren kann die Virusgrippe besonders gefährlich sein. Die betroffenen Schleimhautzellen sterben ab oder reagieren mit gesteigerter Sekretion von Schleim, der kaum abtransportiert werden kann. Aufgrund der vom Virus geschwächten körpereigenen Abwehrkräfte können sich zusätzlich Bakterien ansiedeln und Komplikationen wie eine Bronchitis oder eine Lungenentzündung auslösen. Innerhalb von wenigen Tagen nach der Infektion treten die typischen unspezifischen Symptome wie Fieber mit Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Halsweh und Husten auf. Bei einer Grippeinfektion setzen die Beschwerden allerdings meist schlagartig ein. Weitere Kennzeichen sind ein übermannendes Schwächegefühl, Appetitlosigkeit und Kreislaufbeschwerden. Das Fieber kann bis zu einer Woche andauern, danach stehen Halsschmerzen und Husten im Vordergrund. Bei einer unkomplizierten Grippe bilden sich die akuten Krankheitszeichen innerhalb einer Woche zurück. Typisch besonders bei älteren Patienten ist eine länger anhaltende Schwäche.

Grippe - Behandlungsmöglichkeiten

Bei einer unkomplizierten Grippeerkrankung ist meist eine symptomatische Behandlung ausreichend mit Linderung der Schmerzen sowie Fiebersenkung mit Wadenwickeln oder entsprechenden Medikamenten wie z.B. Paracetamol. Aufgrund möglicher Komplikationen ist Acetylsalicylsäure bei Personen unter 18 Jahren nur mit Vorsicht anzuwenden. Bei sehr hartnäckigem Husten können eventuell hustenstillende Mittel eingenommen werden. Wichtig sind Schonung und eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme. Innerhalb der ersten zwei Tage nach Erkrankungsbeginn ist auch eine gezielte Behandlung mit antiviralen Medikamenten möglich. Bei bakterieller Superinfektion ist eine antibiotische Behandlung nötig. Unter Umständen kann damit ein Krankenhausaufenthalt vermieden werden. In dem seltenen Fall einer (dann oft schweren) rein viralen Lungenentzündung ist eine stationäre Behandlung, oft auf der Intensivstation, kaum zu umgehen.

Grippe - Nebenwirkungen und Folgen

Besonders anfällig für Komplikationen bei Grippe sind Kinder und Jugendliche, ältere oder immungeschwächte Personen sowie Patienten mit chronischen Herz-Kreislauf-, Lungen- und Nierenerkrankungen. Vor allem bei ihnen kann die Grippeerkrankung einen lebensgefährlichen Verlauf nehmen und sogar tödlich enden. In seltenen Fällen kann es als schwerste Verlaufsform einer Grippe zu einer primären viralen Lungenentzündung (Influenzapneumonie) kommen, die innerhalb kürzester Zeit massive, oft tödliche Lungenschäden verursacht. Schwer wiegende Folgen können auch Entzündungen des Herzmuskels, der Skelettmuskulatur, des Gehirns oder der Gehirnhäute sein.

Die häufigsten Komplikationen bei einer Grippeerkrankung stellen aber bakterielle Superinfektionen dar, die den durch die Virusabwehr geschwächten Körper befallen können. Unter ihnen ist die sekundäre bakterielle Lungenentzündung die Meistgefürchtete, da auch sie oft einen tödlichen Ausgang nimmt. Zahlreicher treten bakterielle Entzündungen der Atemwege (Bronchitis), der Nasennebenhöhlen (Sinusitis) oder des Mittelohrs (Otitis) auf. Eine gefürchtete Komplikation insbesondere der BInfluenza ist das Reye-Syndrom, bei dem typischerweise Kinder im Alter zwischen zwei und 16 Jahren nach einigen Tagen zusätzlich unter Übelkeit und Erbrechen leiden. Im weiteren Verlauf kommt es dann zu einer Unterzuckerung und zu neurologischen Symptomen bis hin zu Krämpfen und Koma. Seit ein Zusammenhang mit vorheriger Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) bekannt ist und dementsprechend die Gabe von ASS bei Kindern nicht mehr empfohlen wird, ist die Zahl der Erkrankungen deutlich zurückgegangen.

Grippe - Prävention

Im Jahre 1941 entdeckten Forscher, dass die Influenzainfektion mit Hilfe eines Impfstoffes bekämpft werden kann, der abgeschwächte Viren enthält. Die Grippeimpfung (Injektion) ist heute die wichtigste prophylaktische Maßnahme, die aufgrund der gehäuften Komplikationen für folgende Personen empfohlen wird:

  •     über 60-Jährige mit chronischen Krankheiten, insbesondere Herz-Kreislauf-, Lungen- oder Stoffwechselerkrankungen,
  •     Heimbewohner (Altersheime, Kinderheime),
  •     Personen mit erhöhter Virusexposition (Medizinalund Pflegeberufe).


Die Impfung sollte jährlich im Herbst durchgeführt werden, sofern keine Hühnereiweißallergie oder akute fieberhafte Erkrankung vorliegt. Da Influenzaviren regelmäßig die oben beschriebenen Antigenveränderungen durchlaufen, wird nach weltweiten Untersuchungen jedes Jahr ein aktuell angepasster Grippeimpfstoff hergestellt, der die gängigen Influenzaviren in inaktivierter Form enthält. Für Reisen sollte bedacht werden, dass auf der Nordhalbkugel der typische Erkrankungsgipfel in die Zeit von November bis April, auf der Südhalbkugel dagegen in den Zeitraum von Mai bis Oktober fällt. Bei Risikopersonen ist daher die Grippeimpfung gegebenenfalls auch als Reiseimpfung zu empfehlen.
 

 
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