
Glatten-Böffingen. Egal, wo sie auftreten, der Kopfschmuck aus bunten Perlen, Spiegeln, Pailetten und Draht der Tänzerinnen der Trachtengruppe Böffingen sorgt stets für Aufmerksamkeit. Die Schappeln sind echte Schätze, zumal sie selbst angefertigt wurden.
Vor allem von überregionalen und ausländischen Zuschauern wird der Kopfschmuck der Böffinger Trachtenfrauen bewundert.
Mit rund 30 Zentimetern Durchmesser und einem Gewicht von rund eineinhalb Kilogramm sorgt die Schappel immer für aufmerksame Blicke unter den Zuschauern. Wenn diese dann noch erfahren, dass der Kopfschmuck lediglich mit Nadeln an den Haaren befestigt ist, steigt meist die Achtung vor den Trägerinnen.
Die meisten Menschen bringen den Schwarzwald immer noch mit dem Bollenhut in Verbindung und wissen nicht, dass in der hiesigen Gegend die Schappel das Zeichen der ledigen Frau ist.
Die Schappeln der Trachtengruppe Böffingen wurden viel getragen und zeigten nach Jahrzehnten deutliche Gebrauchsspuren. Eine Überholung war dringend erforderlich. Doch wer sollte dies bewerkstelligen?
Es war ein langer und kalter Winter, der die Mitglieder der Trachtengruppe auf die Idee brachte, die in die Jahre gekommenen Schappeln selbst zu überholen. Bei näherer Betrachtung zeigte sich jedoch, dass eine Überholung wenig sinnvoll war. Fünf mutige Frauen entschlossen sich daher, in mühsamer Handarbeit neue Schappeln herzustellen.
Die Leiterin der Trachtengruppe, Birgit Zinser, hatte bereits vor Jahren ihre erste eigene Schappel unter Anleitung einer Trachtenkameradin von einem anderen Trachtenverein hergestellt und stellte ihr Wissen nun den eigenen Mitgliedern zur Verfügung.
Bevor jedoch gestartet werden konnte, mussten die Einzelteile mühsam zusammengetragen werden. In Deutschland ist es nicht möglich, die Perlen, Pailletten und speziellen Drähte zu erwerben, und andere Vereine hüten ihren Restbestand oder ihre Bezugsquellen wie eine Schatzkammer.
Nach umfangreicher Recherche fanden die Tänzerinnen über einen Mittelsmann in Tschechien die entsprechenden Lieferanten und konnten dort die notwendigen Utensilien bestellen. Sicherheitshalber bestellte man alle Teile in größerer Stückzahl, um für eventuelle Reparaturarbeiten oder weitere Schappeln einen Vorrat zu haben.
Im Dezember vergangenen Jahres machten sich die fünf Tänzerinnen mit Unterstützung ihrer Männer an die mühsame Arbeit, um aus tausenden von Einzelteilen eine hochwertige Schappel herzustellen. Anfänglich war aus den vielen winzigen Perlen, Pailletten und Drähten nicht wirklich etwas zu erkennen. Doch keine der Frauen verlor die Ausdauer und den Glauben an das fertige Produkt.
Nach rund 100 Stunden aufwändiger Handarbeit pro Schappel war es dann im Mai diesen Jahres soweit, und die neuen Schappeln glitzerten im Sonnenlicht und weckten den Stolz ihrer Trägerinnen. Insgesamt wurden rund 1700 Perlen, 7300 Meter Draht, 3100 Meter Builliondraht und mehr als 1000 Pailletten verarbeitet.
Die Herstellerinnen war sich schnell einig, dass die fertigen Schappeln unverkäuflich sind und die bewundernden Blicke alle Mühen entlohnen.