Glatten Die Gießkannen sind sein Markenzeichen

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Ein bekannter Anblick: Andreas Jäschke ist mit seinen Gießkannen in Glatten unterwegs, um "seine" Pflanzen zu pflegen. Foto: Günther Foto: Schwarzwälder-Bote

Seine Arbeitszeit beginnt eigentlich um 7 Uhr. Aber Andreas Jäschke ist täglich bereits vor 6 Uhr für eine Stunde in Glatten unterwegs, um Blumen und Pflanzen zu gießen und zu pflegen. Nach Feierabend dreht er wieder seine Runde. Auch am Wochenende und im Urlaub.

Glatten. All dies macht Andreas Jäschke in seiner Freizeit, freiwillig und unentgeltlich. Einfach deshalb, weil es dem gelernten Schäfer ein Anliegen ist, dass "seine" Pflanzen und Blumen im Ort blühen und gedeihen. Wie wichtig ihm diese Tätigkeit ist, wird deutlich, wenn man ihn bei seinem freiwilligen Arbeitseinsatz besucht. Mit leuchtenden Augen berichtet er von den vielen Blumenkästen und Pflanzen, die er das ganze Jahr lang in der gesamten Gemeinde hegt und pflegt.

Allein an der Glatt-Brücke hat Andreas Jäschke zwölf Blumenkästen üppig bepflanzt. Derzeit steht alles noch in üppiger Blüte. Jeder, der vorbei kommt, bemerkt sicherlich schnell, dass hier jemand mit einem grünen Daumen tätig ist – und erfreut sich an der üppigen Pracht.

Jäschke selbst aber freut sich an diesem Tag jedoch nicht so richtig, sind doch an einem Blumenkasten einige Blüten abgeknickt. Routiniert hat er alles schnell wieder hergerichtet. Weiter geht es auf seiner Tour zu zahlreichen weiteren Stellen, an denen er sich einfach so und ohne viel Aufhebens um die Pflanzen kümmert: die Blumenbeete am Flößerbrunnen in der Ortsmitte, die Pflanzen in den kleinen Versatz-Beeten in der Dornstetter Straße bis zur Tankstelle, die Dekopflanzen des Leiterwagens auf dem Rathaus-Vorplatz. Die Pflanzen an den Neunecker Steinkreuzen sowie das Bewässern vieler neu gepflanzter Bäume kommen hinzu.

Viele Kastanien im Ort hat er selbst gezogen

Dass diese Tätigkeit eine gewisse Logistik erfordert, wird bei seinen Erzählungen deutlich: "60 Liter Wasser habe ich immer an Bord, leer fahre ich nie durch Glatten", berichtet er. Pro Baum sind es allein 40 Liter Wasser. Das Wasser für die Pflanzen in der Ortsmitte holt er mit Gießkannen aus den Brunnen. Die Kannen sind geradezu sein Markenzeichen in Glatten geworden. Nicht nur in der Ortsmitte, sondern sogar auf dem Friedhof: "Wenn sich da eine alte Frau mit dem Gießen plagt, da gehe ich doch nicht mit meiner vollen Gießkanne vorbei."

Nebenbei verrät er auch, dass viele der im Ort gepflanzten Kastanien selbst von ihm gezogen wurden. Sobald sie zwei Meter hoch sind, pflanzt er sie aus. Die Mutterkastanien holt er sich bei Wanderungen rund um Durbach. Andreas Jäschke war schon immer gerne draußen in der Natur: "Das ist mein Ding, Fernsehen geht gar nicht."

Aufgewachsen in Rosenthal in der früheren DDR, erlernte Andreas Jäschke zunächst den Beruf des Schäfers. Später arbeitete er im Forst in den Wäldern des Elbsandsteingebirges, wie seine gesamte große Familie auch. Viele Jahre lang war Jäschke als Zapfenpflücker in den Wäldern unterwegs. "Ich habe tonnenweise Zapfen gepflückt, das gibt’s hier nicht", sagt er. Später arbeitete er im Elbsandsteingebirge als Sprengmeister, um die vielen Erdrutsche zu beseitigen. Nach seinem Ausreiseantrag kam er 1989 nach Westdeutschland, zusammen mit seiner Frau Karin und den drei Söhnen. Nach Glatten kam er eher zufällig – in der Gemeinde wurde damals gerade ein Waldarbeiter gesucht. Immer noch ist der 1951 geborene im Dienst der Gemeinde tätig. Von Anfang an fühlte er sich in Glatten gut aufgenommen. So hat ihm damals spontan ein alter Glattener für seine Familie ein leer stehendes Häuschen besorgt.

Hobbygärtner gestaltet auch Rathausvorplatz

Zu tun hat der rührige Naturliebhaber in seinem Ehrenamt das ganze Jahr über. Im Frühjahr werden die Blumenkästen bepflanzt, wobei die Gemeinde Pflanzen, Erde und Dünger bezahlt. Im Sommer steht die Pflege der Pflanzen im Vordergrund. Im Herbst gestaltet der Hobbygärtner den Rathausvorplatz zum Thema Erntedank, die Blumenkästen zieren dann selbst hergestellte Gestecke. Später wechselt die Dekoration vor dem Rathaus: Die selbst gesägten Krippenfiguren werden ausgepackt.

Andreas Jäschke wünscht sich für seine Zukunft, "dass die Leute dies alles auch achten". Dass dies so ist, bestätigt gerne auch Bürgermeister Tore Derek Pfeifer. Er freut sich sehr, dass ein Mitarbeiter der Gemeinde bereit ist, sich über die reguläre Arbeitszeit hinaus im Ehrenamt für das Gemeinwohl zu engagieren: "Dies ist vorbildlich und zeigt, dass eine Gemeinde kein gewöhnlicher Arbeitgeber im klassischen Sinn ist." Jäschkes Tätigkeit wird aber auch in der Bevölkerung geschätzt. Aus ihr wurde die Bitte an den Schwarzwälder Boten herangetragen, einmal über diese "große ehrenamtliche Arbeit" zu berichten.

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