Gewerbesteuer Achterbahnfahrt bei Steuermillionen
Alexander Ikrat, 16.07.2012 11:13 Uhr
Die Alte Strickfabrik in Weissach – Die Gemeinde legt Geld auf die hohe KanteFoto: Peter-Michael Petsch
Stuttgart - Wenn ein Bürgermeister in seinem Gewerbegebiet ein Großunternehmen sitzen hat, erntet er von Amtskollegen neidische Blicke. Schließlich spült die Gewerbesteuer von Daimler, Bosch oder Porsche den Standortkommunen Jahr für Jahr Millionen in die Kasse. Zum Problem wird die Abhängigkeit von einzelnen Unternehmen, wenn es in Krisenzeiten in einer Branche nicht rund läuft. Bleibt die Gewerbesteuer plötzlich aus, nagt selbst eine vermeintlich reiche Kommune schnell am Hungertuch.
Weissach legt Geld auf die hohe Kante
Paradebeispiel für die Achterbahnfahrt der kommunalen Finanzen ist Sindelfingen. Die 60 000-Einwohner-Kommune ist der Standort des weltweit größten Mercedes-Werks – und je nach Auftragslage mal superreich, mal bettelarm. Im Rekordjahr 1986 etwa flossen insgesamt 136,5 Millionen Euro Gewerbesteuer in die Stadtkasse. 2009 rutschte der Etatposten wegen einer Rückzahlung mit 7,5 Millionen Euro ins Minus.
Fürs Jahr 2012 kalkuliert die Stadt mit Einnahmen von annähernd 60 Millionen Euro. „Unser Problem ist die Infrastruktur, die in goldenen Zeiten aufgebaut wurde“, sagt OB Bernd Vöhringer. In die Sporthalle Glaspalast regnet es wegen des undichten Dachs seit Jahren hinein. Erst jetzt ist an die sieben Millionen Euro teure Sanierung des Prestigeprojekts zu denken.
Das als Porsche-Standort bekannte Weissach im Kreis Böblingen hat einen großen Teil der Gewerbesteuer aus der Sportwagenschmiede auf die hohe Kante gelegt. Unklar ist, wie sich die Eingliederung in den VW-Konzern im August steuerlich auswirkt. Finanzielles Rekordjahr in der Gemeinde war 2009 mit fast 223 Millionen Euro Gewerbesteuer. 2012 werden 32,4 Millionen Euro erwartet.




