Berlin - Ein Reizthema sind die Individuellen Gesundheitsleistungen (Igel) schon lange. Denn viele Diagnose- und Therapieangebote, die Kassenpatienten in der Arztpraxis selbst zahlen müssen, tun nur dem Bankkonto des anbietenden Mediziners gut. Jetzt nehmen die Krankenkassen die Zusatzangebote unter die Lupe.

Ärzte sind auch nur Menschen. Es gibt solche und solche. Da sind zum Beispiel die Mediziner, die sich für Kollegen schämen, weil sie Patienten hemmungslos mit Igel-Leistungen abzocken. Diese Ärzte würden selbst nie auf die Idee kommen, älteren Damen oder Herren irgendwelche ebenso teure wie nutzlose Aufbauspritzen zu verkaufen. Motto: "Wir könnten da noch etwas für Sie tun, damit Sie wieder auf die Beine kommen, aber leider zahlt die Kasse das nicht." Ein Glückspilz, wer so einen Igel-Verweigerer als Hausarzt hat.

Informationen über Selbstzahlerleistungen

Gegen die anderen ist man ab sofort nicht mehr ganz schutzlos. Am Mittwoch ist das nichtkommerzielle Internetportal Igel-Monitor.de ins Netz gegangen. Dort können sich Patienten schnell, umfassend und fundiert über Selbstzahlerleistungen informieren. Die Macher sind Experten des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbands der Krankenkassen (MDS) in Essen. Bisher haben sie 24 Igel-Leistungen überprüft, weitere folgen. "Wenn man eine erste Bilanz unserer Bewertungen ziehen möchte, so schneidet die Mehrzahl nicht gut ab, einige sogar richtig schlecht. Für die Versicherten bedeutet dies, besonders vorsichtig zu sein", sagte MDS-Chef Peter Pick am Mittwoch bei der Vorstellung in Berlin.

Die Bewertungen basieren auf den Methoden der Evidenzbasierten Medizin, der zufolge jede Behandlung auf ihren Nutzen zu überprüfen ist. Die Experten führen aber nicht selbst Experimente durch, sondern recherchieren entsprechende Studien in Datenbanken. Aus der Fülle von Informationen, die nach einer definierten Vorgehensweise ausgewertet werden, zeichnen sie ein detailliertes Bild der einzelnen Igel-Leistung. Um Patienten bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen, wägen sie Nutzen und Schaden gegeneinander ab und kommen schließlich zu einem Gesamtfazit. Dafür stehen fünf Kategorien zur Verfügung: positiv, tendenziell positiv, unklar, tendenziell negativ und negativ (siehe Tabelle).

Ärzte können selbst festlegen, wie viel sie für Zusatzleistung verlangen

Alle Schritte, die zur Bewertung führen, sind auf der Webseite übersichtlich dokumentiert. Je nach Nutzerinteresse werden die Darstellungen von Stufe zu Stufe ausführlicher. So kommen Patienten auf ihre Kosten, die sich schnell einen Überblick verschaffen wollen ("Igel-Info kompakt"), aber auch Fachleute, die etwa auf der Suche sind nach wissenschaftlicher Literatur zur jeweiligen Leistung (Ergebnisbericht). Ganz wichtig: In der Darstellung "Igel-Info ausführlich", die sich an die Versicherten richtet, die etwas tiefer einsteigen möchten, finden sich auch Preise. Ärzte können nämlich selbst festlegen, wie viel genau sie für eine Zusatzleistung verlangen.

Da lernt man dann, dass eine Colon-Hydro-Therapie (spezielle Darmspülung) mit Beratung und Darmmassage pro Sitzung zwischen 17 und 35 Euro kosten kann. Das Geld sollte man sich allerdings besser sparen. Die teils gravierenden Schäden reichen von Blutungen im Darm und Durchstoßungen der Darmwand über Infektionen durch unsaubere Geräte bis hin zu einer Störung des Salzhaushalts, die im Extremfall zum Tod führen kann.

www.igel-monitor.de

 
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