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Gesangsausbildung Singen aus Leidenschaft

Susanne Roeder, vom 27.01.2012 15:48 Uhr
Wer Musik und Gesang zum Beruf machen will, muss sich schon sehr früh um eine gute Ausbildung bemühen. Ein Stipendium, zum Beispiel bei der Audi-Jugendchorakademie unter dem künstlerischen Leiter Martin Steidler, ist begehrt. Foto: Roeder
Wer Musik und Gesang zum Beruf machen will, muss sich schon sehr früh um eine gute Ausbildung bemühen. Ein Stipendium, zum Beispiel bei der Audi-Jugendchorakademie unter dem künstlerischen Leiter Martin Steidler, ist begehrt. Foto: Roeder

Maria Callas oder Fritz Wunderlich, Anna Netrebko, Cecilia Bartoli oder Placido Domingo. Wer kennt ihre fantastischen Stimmen nicht? Ob für ein Musikinstrument oder für die eigene Stimme, einmal pro Woche Unterricht nehmen ist schön und gut und hilft, das Hobby zu pflegen. Wer darüber hinaus zwecks Studium einen Platz an einer Hochschule für Musik anstrebt, um professioneller Musiker zu werden, muss deutlich mehr Zeit investieren und das schon in frühen Jahren. Ähnlich wie der Schauspielerei haftet der Musik der Ruf brotloser Kunst an. Das heißt aber nicht mehr und nicht weniger, als dass sich sehr viele aus Freude auf diesem Feld tummeln, die in ihrer Freizeit gerne musikalisch aktiv sind. Sie bringen oft ganz passable Leistungen hervor und erzielen mit ihrem Hobby einen erfreulichen Nebenverdienst. Doch wer die Musik zum Beruf machen will, der muss sie leidenschaftlich betreiben, sie als Dauerbeschäftigung und Berufung verstehen.

In Stuttgart und Umgebung blüht die professionelle klassische Musikszene. Man denke nur an die renommierte Musikhochschule, an die von Helmut Rilling gegründete Internationale Bachakademie, an die ebenfalls von Rilling gegründete Gächinger Kantorei, an die Oper Stuttgart und viele andere musikalische Institutionen, die den Schwerpunkt auf klassische Musik legen. Einen anderen Schwerpunkt setzt die Popakademie in Mannheim.

Unterhalb der Ebene der Musikhochschule jedoch wird es dünn mit attraktiven Angeboten für Musiker. Eines ist die Audi Jugendchorakademie. Seine Idee der musikalischen Nachwuchsförderung publizierte der Ingolstädter Automobilhersteller vor vier Jahren nur in der dortigen Region. Doch die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer über die ganze Republik und darüber hinaus. Die Auslese beim Vorsingen ist hart, nur die Besten werden aufgenommen. „Bei uns singt die Spitze des Chorsängernachwuchses,” beschreibt Martin Steidler, künstlerischer Leiter und Professor für Chorleitung an der Hochschule für Musik und Theater München, den Anspruch des Chors.

Durchschnittlich dreimal im Jahr treffen sich die Sänger zu mehrtägigen Projekt- und Probenphasen, die oft in der Abgeschiedenheit eines Klosters stattfinden. Zur Individualförderung in Sachen Stimmbildung und Erarbeitung von Solorepertoires kommt hier die gemeinsame Arbeit im Chor. „In unserem Chor haben wir junge Menschen von überallher, sogar aus Tirol und Österreich,” sagt Projektleiter Stefan Wieser. Viele Chormitglieder sind noch in der Schule oder stecken in der Ausbildung. Sobald Plätze im maximal 100 Sänger zählenden Chor frei werden, werden diese zu Beginn eines neuen Projektes ausgeschrieben.

Maximilian Stössel aus Backnang kam vor knapp zwei Jahren zu der Chorakademie. „Ich bewarb mich, fuhr nach München zum Vorsingen und wurde genommen”, erzählt der 21-Jährige. „Ich hatte eine Arie von Haydn aus den ,Jahreszeiten' vorbereitet. Dann musste ich noch etwas Vorgegebenes vorsingen und zuletzt auch noch vom Blatt singen,” erinnert sich Stössel. Schon davor sang er in diversen Chören, war musikalisch immer sehr aktiv. Den Unterschied erklärt er so: „Was bei diesem Chor der Wahnsinn ist, ist die sehr aufwendige und intensive personelle Betreuung.”

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