Geislingen Trauer und Schock nach tödlichem Unfall in Binsdorf

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Foto: Fischer

Binsdorf - Eine Verkettung unglücklicher Umstände hat zu dem tödlichen Unfall im Anschluss an den Fasnetsumzug in Binsdorf am Sonntag geführt. Im Fokus steht nun die Frage nach der Sicherheit von Umzugswagen wie der "Black Pearl" der Hainburgpiraten aus Grosselfingen.

Bei den Zünften und närrischen Gruppierungen im Zollernalbkreis ist die Trauer nach dem tragischen Unglück groß. Der Todesfall am Rande der fröhlichen Veranstaltung löst Betroffenheit aus.

Reinhold Weiß, Zunftmeister in Zimmern unter der Burg, sagt, dass man trotz aller Vorsichtsmaßnahmen und Sicherheitsvorkehrungen Unfälle nicht gänzlich ausschließen könne. So mache die Zunft jedes Jahr die Wagenbauer auf die Sicherheitsvorschriften aufmerksam und spreche mit ihnen durch, wie die Fasnetswagen zu bauen seien. In dieser Hinsicht habe die Binsdorfer Narrenzunft "explizit sauber gearbeitet", versichert Walter Sieber, Präsident des Narrenfreundschaftsring Zollernalb. Alle Vorgaben für einen sicheren Umzug seien erfüllt gewesen, so Sieber.

Derweil weist Klaus Edelmann, Ehrenzunftmeister der Dormettinger Zunft, auf einen weiteren Aspekt hin: Was auf der Fahrt zu einem Umzug oder nachher passiere, darauf hätten veranstaltende Zünfte keinen Einfluss, dafür seien sie auch nicht verantwortlich.

Verkettung unglücklicher Umstände?

Genau zu einem solchen Zeitpunkt – nach Ende des Umzugs – ist der Unfall in Binsdorf passiert. Dass die 32-Jährige aus Binsdorf zu Tode gekommen ist, war, so sieht es derzeit aus, die Folge einer Verkettung unglücklicher Umstände.

So hätte der Wagen der Grosselfinger Hainburgpiraten, von dem die Frau gefallen war und von dem sie dann überrollt wurde, nach einem Blick in das landesweit einheitliche "Merkblatt für den Einsatz von Umzugsfahrzeugen bei örtlichen Brauchtumsveranstaltungen" wohl gar nicht am Umzug teilnehmen dürfen: Der zum Schiff – der "Black Pearl" – umgebaute Anhänger erfüllte die Anforderungen nicht, die an solche Wagen gestellt werden.

Insbesondere muss, so ist in dem Merkblatt festgehalten, sowohl an der Zugmaschine als auch am Anhänger eine stabile Seitenverkleidung vorhanden sein, die etwa 20 Zentimeter über dem Boden endet. Damit soll verhindert werden, dass jemand unter die Räder kommt. Bei der "Black Pearl" lagen die vorderen Räder des Anhängers komplett frei.

Zuständig für die Überprüfung, ob die rechtlichen Vorgaben eingehalten werden, die sich der Straßenverkehrsordnung und der Straßenverkehrszulassungsverordnung ergeben, sind die Veranstalter der Umzüge. Die "Black Pearl" wird nun von einem Sachverständigen untersucht.

Zu viele Leute auf Wagen

Auf die Straße gestürzt ist die 32-Jährige, nachdem ein Teil der Seitenverkleidung des Schiffes weggebrochen war. Die Frau hatte den Umzugswagen zusammen mit ihren Freunden einer lokalen, nur zur Fasnetszeit aktiven Musikkapelle aus Spaß bestiegen, als dieser von der Festhalle in Richtung Ortsmitte unterwegs war, von wo aus die Hainburgpiraten den Heimweg antreten wollten. Wie Bernd Ziemann, Mitglied der Grosselfinger Fasnetsgruppe, am Montag gegenüber unserer Zeitung sagte, sei das Schiff zwar stabil gebaut. Mit einem Mal aber seien einfach zu viele Leute darauf gewesen. Man habe die Musiker gebeten, den Umzugswagen zu verlassen, als plötzlich die Seitenverkleidung wegbrach – und die Frau auf die Straße fiel. "Wir sind schockiert", sagt Bernd Ziemann. Den Hainburgpiraten bleibe nun nur, ihre Anteilnahme auszudrücken. Die Fasnet sei für die Gruppe beendet – und auch die Narrenzunft Binsdorf hat alle weiteren Veranstaltungen der Fasnet 2016 abgesagt.

Derweil ermitteln nun die Polizei und die Staatsanwaltschaft Hechingen gegen den Fahrer der Zugmaschine, die die "Black Pearl" im Schlepptau hatte. Der Verdacht der fahrlässigen Tötung stehe im Raum, sagte Staatsanwältin Nicole Luther am Montag. Dabei handele es sich um einen quasi routinemäßigen Vorgang: "Wenn ein Mensch zu Tode gekommen ist, dann ist Fremdverschulden nicht auszuschließen."

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