Von Wolf-Ulrich Schnurr

Geislingen-Binsdorf. Kein Erinnungsstück zur Binsdorfer Ortsgeschichte soll verloren gehen: Voraussichtlich ab Frühjahr 2014 steht im Geislinger Stadtteil ein Raum zur Verfügung, in dem diese gezeigt werden können.Binsdorf habe das schönste Rathaus im Zollernalbkreis, ist Ortsvorsteher Hans-Jürgen Weger überzeugt: "Oder kennen Sie ein Schöneres?" Da passe es perfekt, dass in dem ansehnlichen Gebäude nun auch ein Raum zur Präsentation der Ortsgeschichte eingerichtet wird.

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Im zweiten Stock des Gebäudes befindet sich ein geräumiges Zimmer, dessen 115 Quadratmeter bislang lediglich als Abstellfläche genutzt werden. Vergilbte Amtsblätter, alte Feuerwehrhelme und das ausgediente Uhrwerk des Rathauses verstauben darin.

Doch dieser Raum soll kommendes Jahr für die neue Nutzung als eine Art Heimatmuseum komplett umgebaut werden: Isolierung, Verkleidung und moderne Medientechnik kommen hinein, dazu eine Projektionsfläche, die durch die Decke bis ins Dachgeschoss reicht. Nur die Holzbalken werden dann noch an den heutigen Zustand erinnern.

Heizungsrohre wurden bereits bei der Renovierung des Sitzungssaals 2006 nach oben gelegt. In einem Nebenraum soll außerdem eine kleine Teeküche eingerichtet werden.

Ein Bauantrag solle möglichst bald gestellt werden, sagt Ortsvorsteher Weger. In der ersten Sitzung des Geislinger Gemeinderats im neuen Jahr entscheidet das Gremium über den Haushalt. Darin ist der ortsgeschichtliche Raum enthalten.

Erhält das Projekt grünes Licht, kann der Architekt beauftragt werden, und der Umbau Mitte 2013 beginnen. Im gleichen Aufwasch wird dann auch die Holztreppe vom ersten in den zweiten Stock instandgesetzt.

Finanziert wird das Vorhaben zu einem guten Teil aus Mitteln des Leader-Förderprogramms: 265 000 Euro sind insgesamt veranschlagt; davon übernimmt die Stadt Geislingen knapp 98 000 Euro, die restlichen 167 000 kommen aus dem Fördertopf.

Wenn die baulichen Rahmenbedingungen dann stimmen – nach momentaner Planung Anfang 2014 –, kann mit der inhaltlichen Gestaltung begonnen werden. "Wir wollen nicht einfach noch ein Heimatmuseum mit einer Schulbank und einem Dreschflegel an der Wand", verdeutlicht Weger. Zusammen mit Stadtarchivar Alfons Koch soll der ortsgeschichtliche Raum vorbereitet werden: ein Zeitstrahl ringsum könnte die Besucher von der Bronzezeit in die Gegenwart leiten, Fund- und Erinnerungsstücke die Vergangenheit veranschaulichen.

Entsprechende Gegenstände lagern bislang beispielsweise im Geislinger Rathaus und bei Binsdorfer Privatleuten. Der neue Raum eröffne eine Möglichkeit, das zusammenzufügen, was schon vorhanden ist, hofft der Ortsvorsteher auf Unterstützung der Einwohner. Und vielleicht finde sich sogar ein Feinhandwerker, der das alte Uhrwerk wieder herrichte.

Wenn der Raum im Lauf des Jahres 2014 ausgestattet wird, passt das übrigens hervorragend in den Zeitplan. Denn 2015 feiert man in Binsdorf das Jubiläum 700 Jahre Verleihung des Stadtrechts.

Unabhängig davon ist Ortsvorsteher Weger davon überzeugt, dass den Binsdorfer der neue Raum nutzt: Darin könne man Neubürgern und Gästen die Ortsgeschichte anschaulich vorstellen. Das diene letztlich dem Zusammenhalt und der gemeinsamen Identität im Ort.