Von Wolf-Ulrich Schnurr

Geislingen. Für Wolfgang Schlaich ist Heiligabend ein normaler Arbeitstag. Denn füttern muss er heute seine 16 Zebus.In Geislingen ist Wolfgang Schlaich vor allem als Hausmeister der Schlossparkhalle bekannt. "Ich habe keine Weihnachten", sagt er." Denn nach den Veranstaltungen am Wochenende muss er die Halle wieder auf Vordermann bringen.

Und auch seine Zebuherde bekommt vom Fest fast nichts mit: Ein bisschen mehr Mais oder Brot gibt er ins Futter, "aber ich singe denen keine Weihnachtslieder vor", lacht Schlaich.

Im Jahr 1982, erinnert er sich, haben sein Bruder Heini und sein Onkel Otto drei Zebu­kühe angeschafft. "Vermutlich waren das mit die ersten in Deutschland."

Schlaich half von Anfang an bei der Versorgung der Tiere und übernahm die kleine Herde drei Jahre später. Einige Zeit standen die Zebus auf einer Weide hinter seinem Haus. Als die Wiese 1992 aber einem Neubaugebiet weichen musste, brachte ihr Eigentümer sie auf eine von der Stadt gepachtete, fast vier Hektar große Weide an der Straße nach Erzingen. Auf demselben Gelände hält Schlaich heute auch noch sechs Burenziegen, die sich mit den Kühen gut vertragen.

Weiße Weihnachten wird es wohl nicht geben. Doch selbst wenn dem so wäre, so frören die Zebus nicht: Auch auf ihrem Heimatkontinent Asien kann das Thermometer im Winter bis unter minus 20 Grad fallen. Deswegen wärmt die ursprünglich aus Indien kommenden Höckerkühe ein dichtes, weiches Fell – rotbraun, schwarzbraun, gescheckt oder gepunktet. Wenn es regnet oder kalt ist, können Schlaichs Tiere in ihren Stall gehen.

Der Geislinger betreibt die Mutterkuhhaltung als Nebenerwerb. Derzeit umfasst seine Herde neben neun Kälbern sechs Kühe und einen Bullen. Vier oder fünf Kälbchen werden jedes Jahr geboren – und wachsen zu lebhaften Jungtieren heran. Sie sind ihre Freiheit gewöhnt, und selbst der Bulle frisst ihm aus der Hand. Fremden gehen die Zebus hingegen erstmal aus dem Weg: "Sie sind schon scheuer als andere Kühe", erklärt Schlaich.

"Solange sie bei mir sind, haben sie es gut", ist er überzeugt. Die Zebus bekämen nicht einmal ein Seil um den Hals gelegt, um sie in den Transportanhänger zu ziehen, wenn es schließlich doch zum Schlachter geht.

Nur ein einziges Mal habe in all den Jahren ein Tierarzt kommen müssen – weil eine Kuh bei der Geburt Probleme hatte. Aber normalerweise gelangen die Kälbchen ohne menschliche Hilfe zur Welt. Meist bekommt Schlaich das gar nicht mit, nur ein einziges Mal war er dabei – und das war für ihn das schönste Erlebnis mit den Tieren.

Eine bis anderthalb Stunden täglich verbringt er mit dem Füttern der Tiere und dem Ausmisten des Stalls. Doch das ist für den 55-Jährigen ein Ausgleich zur Hausmeistertätigkeit: "Hier habe ich Ruhe, bin an der frischen Luft, in der Natur." Die Zebus redeten auch nicht viel, widersprächen nie, sagt er schmunzelnd.

Selbst der schwarzfellige Bulle mit dem auffälligen Höcker hat ein umgängliches Gemüt: Ganz im Gegensatz zum Klischee ist er der Scheueste der Herde.

Irgendwann hat das schöne Zebuleben in Geislingen aber ein Ende: Bevor sie zwei Jahre alt sind, werden die Fresser, also jene Jungtiere, die sich nicht mehr von Muttermilch ernähren, zum Schlachten in einen Betrieb in Dautmergen gebracht.

Das Fleisch verkauft Schlaich und isst es auch gern selbst, etwa als Roulade: "Das geht vom Geschmack mehr ins Wild, in Richtung Hirsch", erklärt er. Zebubraten gibt es an Weihnachten bei Familie Schlaich trotzdem nicht, sondern ganz traditionell Gans.