Gechingen - Das Elend in Haiti nimmt kein Ende. Zwei Jahre nach dem verheerenden Erdbeben leben noch Hunderttausende Obdachlose in Zeltcamps. Es fehlt an Lebensmitteln und Jobs. Entwicklungshelfer Franz Groll ist jetzt in Sorge, weil der Karibikstaat erneut von einem Unwetter getroffen wurde.

Kaum zwei Wochen nach Hurrikan "Sandy" ist ein Sturm über die Karibikinsel gefegt, mindestens 16 Menschen starben. Starke Regenfälle gingen vor allem im Norden des Landes nieder.

Hilfe zur Selbsthilfe zu geben, damit die Menschen im haitianischen Erdbebengebiet sich eine Zukunft aufbauen können, hat Franz und Marie-Josée Groll viel Kraft gekostet. Das Ehepaar ist im August nach 21 Monaten ins heimatliche Gechingen zurückgekehrt. Vom heftigen Erdbeben am 12. Januar 2010 wurde Léogâne, das etwa 35 Kilometer westlich von Port-au-Prince liegt, mit am stärksten getroffen. Das Gebiet war schon immer wirtschaftlich stark von der Hauptstadt Port-au-Prince abhängig, hat nur wenige weiterführende Schulen und besitzt keine einzige berufliche Ausbildungsstätte. Wer eine Berufsausbildung absolvieren wollte, musste täglich in die Hauptstadt fahren. Doch seit der verheerenden Naturkatastrophe vor zwei Jahren ist nicht einmal mehr das möglich.

Viel Zeit, Mühe und Geld steckte der Verein Pro Haiti mit Sitz in Aidlingen, in dessen Auftrag das Ehepaar Grolls als Entwicklungshelfer aktiv wurde, in das berufliche Ausbildungszentrum für Mechaniker und alle Bauberufe in Léogâne. Aufgrund der Konzeption sowie der guten Ausstattung des Projekts hat das Zentrum künftig auch die Chance einer dauerhaften Eigenfinanzierung. "Léogâne wurde ebenfalls durch den Sturm überschwemmt, die Dämme haben aber gehalten, und die Sickerkanalisation dort hat das Wasser ganz gut aufgefangen", sagt Franz Groll im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch die Dächer hätten dem starken Wind Stand gehalten. Sowohl in Léogâne als auch in Jérémie, wo Pro Haiti sich für den Wiederaufbau der Sekundarschule einsetzte, sei den Gebäuden durch das erneute Unwetter nichts passiert.

Besorgniserregend ist laut Groll die jetzt drohende Hungersnot: "Das Unwetter hat große Schäden in den Bananenplantagen angerichtet, und Kochbananen gehören in Haiti zu den wichtigsten Grundnahrungsmitteln". Für die nächsten sechs Monate könnten keine Früchte mehr geerntet werden, die letzten Erträge seien durch das Unwetter vernichtet worden. Erneut müssten viele Haitianer ums Überleben kämpfen und ganz von vorne beginnen.